Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Interview mit Pia Lenz

Ausgabe Nummer 17 (2016)

Nach rund 25 Jahren nimmt Pia Lenz vom Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg Abschied. Als Mitglied der Geschäftsleitung und Verantwortliche für Seminare und Tagungen, hat sie massgeblich dazu beigetragen, was der Arenenberg heute ist: Ein Lern- und Seminarzentrum, in das man immer gerne wiederkehrt. Der Thurgauer Bauer hat Pia Lenz zum Gespräch gebeten und die letzten Jahre Revue passieren lassen, aber auch einen Blick auf die Zeit danach geworfen.

Thurgauer Bauer: Wie schwer (oder leicht?) fällt einem nach 25 Jahren das Ende einer so bereichernden engagierten Tätigkeit, in die man viel Zeit und Herzblut investiert hat?
Ich sehe das realistisch – alles hat seine Zeit und irgendwann gibt es immer einen Schnitt. Man kann nicht bis ans Lebensende arbeiten, und nun ist die Zeit gekommen, wo ich mit unzähligen schönen Erinnerungen an die Arbeitsjahre zurück in den privaten Alltag gehen kann. Sicher werde ich oft an den Arenenberg zurückdenken, aber jetzt freue ich mich auf «mehr Luft» für mich selbst – darauf, noch eine andere Seite des Lebens kennenzulernen.

Beschreiben Sie mir bitte in einem Satz Ihre Zeit auf dem Arenenberg.
Mein gesamtes Berufsleben war wunderschön – ich war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort – und ich hatte immer grosses Glück.

Sie waren ja ursprünglich gelernte Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin.
Ganz genau. Danach verbrachte ich meine Wanderjahre in Jona und Arbon sowie auf dem Rorschacherberg, bis ich vom Seminar zufolge eines Mutterschaftsurlaubes für eine Stellvertretung im Bereich Methodik angefragt wurde. Ich blieb daraufhin dort hängen und unterrichtete während 10 Jahren. Berufsbegleitend absolvierte ich in dieser Zeit die Ausbildung zur Seminarlehrerin. Es war im Übrigen der erste Lehrgang, welchen die EDK-Ost anbot. In der ganzen Schweiz existierte damals keine entsprechende Ausbildung. Die Lehrerbildung erfuhr eine komplette Reorganisation, das Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnen-Seminar ist jetzt in der Pädagogischen Hochschule integriert. Aufgrund dieser Änderungen wurde mein Pensum reduziert, und auf der Suche nach etwas Neuem kam ich 1991 zum BBZ Arenenberg.

Was hat sich in den letzten 25 Jahren am Arenenberg geändert?
Nun, ich muss vorausschicken, dass ich während 17 Jahren in der Beratung in Weinfelden tätig war und erst 2008 hierher wechselte. Die Stelle in der Beratung hat sich selbstverständlich in diesen 17 Jahren auch verändert. Damals lautete die Bezeichnung noch «Fachstelle Ländliche Hauswirtschaft und Familie». Darin integriert waren unter anderem der Agrotourismus, Schule auf dem Bauernhof, Direktvermarktung sowie die ganzen Fragen zum Thema Bauen und Umbauen, wo ich selbst erst richtig das Umbauen lernte. Es hat sich natürlich auch zufolge des ganzen Strukturwandels in der Landwirtschaft sehr vieles verändert, was Auswirkungen auf die Beratung hatte.
Sichtbare Veränderungen innert der letzten acht Jahre sind die Um- und Neubauten auf Arenenberg. Ich durfte den Bereich Seminar und Tagungen aufbauen; allerdings verfügte ich weder über ein Hotelmanagementprogramm noch sonst was. Auch hatte ich keine Hilfe, was die Reservationen anbelangte, doch hat sich alles weiterentwickelt, und seit dem Umbau verfügen wir über eine gut funktionierende Gastronomie und Hotellerie und dürfen laufend mehr Gästegruppen empfangen.
Es ist schön, wenn man einen Bereich mit gutem Gewissen übergeben kann im Wissen, dass dieser natürlich stets weiterentwicklungsfähig ist.

Was bleibt Ihnen in besonderer Erinnerung?
Für mich gab es gewisse Höhepunkte in der Beratung, so zum Beispiel der Thurgauer Geschenkharass, für welchen ich 1998 zusammen mit Paul Vogt die Projektleitung inne hatte. Dass es den Geschenkharass auch heute noch gibt, hätte ich damals nicht gedacht. Ein weiteres Projekt, das ich leitete, war der Haushaltservice Thurgau. Die Landfrauen fanden, dass es für die Frauen nichts Vergleichbares zum Betriebshelferdienst gibt und so entstand die Idee dazu.

Ich merke, dass vieles durch «learning by doing» möglich wurde? Man sieht ein Problem und packt es an?
Das stimmt. Ich durfte aber auch Weiterbildungen wie Projektmanagement, wovon ich zu Beginn kaum Ahnung hatte, besuchen. So lernte ich beispielsweise im Jahr 1994 am Seminar der Internationalen Akademie land- und hauswirtschaftlicher Beraterinnen und Berater wie man projektartig arbeitet. Zudem beendete ich 2003 erfolgreich die Weiterbildung an der Hochschule Luzern zur Fachfrau im Tourismus Management (FA).
Sehr prägnant war auch das Kochbuch Thurgauer Landfrauen, bei welchem mir die Projektleitung oblag. Es war eine eigentliche Erfolgsgeschichte – innerhalb eines Jahres fand bereits die Vernissage statt. Zahlreiche Landfrauen waren involviert, und die Rezepte mussten ausprobiert werden. Damals war ich mit den Thurgauer Landfrauen anders verbunden als heute. Heute hat die Beratung eine beratende Stimme. Ich war indessen von Anfang an ein Vorstandsmitglied, mit Protokollführung und anderen Verpflichtungen. Das hat sich nun grundlegend geändert. Dies natürlich auch zufolge der Reorganisation des Thurgauer Bauernverbandes zum Verband Thurgauer Landwirtschaft.

Gab es auch schwierige Momente?
Beruflich gesehen eigentlich nicht. Privat musste ich leider einen grossen Verlust ertragen. Vor 41⁄2 Jahren verstarb völlig unerwartet mein Mann, und es begann für mich sehr abrupt ein neuer Lebensabschnitt. Mittlerweile konnte ich mich damit auseinandersetzen, aber damals war das sehr schwierig.

Nun werden Sie bald mehr Zeit für sich haben. Gibt es etwas, das Sie schon immer machen wollten, aber bisher auf die Seite schieben mussten?
Ich denke, nach Beendigung meines Arbeitslebens brauche ich erstmal etwas Zeit für mich und nehme meine Mutter als Vorbild, welche sich jeden Tag ein Ziel setzte. Ein Grundsatz, dem ich treu bleiben möchte ist auf jeden Fall «Gutes tun und Freude bereiten ». Ich habe mir vorgenommen, noch ein paar Städtereisen zu machen. Durch die bereits erwähnte Internationale Akademie für land- und hauswirtschaftliche Beraterinnen und Berater, wo ich 10 Jahre für die Schweiz im Arbeitsausschuss war, lernte ich auch den europäischen Raum kennen. Die Tagungen, an denen ich jeweils teilnahm, waren sehr wertvoll. Bereits im 1992 war ich zum Beispiel in Graz, was mich und meinen Mann etwas später dazu motivierte, diese Gegend zu besuchen. Noch immer fahre ich gerne dorthin, wie an andere Orte, die ich künftig erneut bereisen will. Aber auch noch unbekannte Städte, wie beispielsweise Wien, möchte ich gerne kennenlernen.

Gerne gebe ich Ihnen zum Abschluss unseres Gespräches die Gelegenheit, ohne Frage etwas mitzuteilen.
Sagen möchte ich, dass ich sehr dankbar für die 25 Jahre am Arenenberg bin. Mit meinem langjährigen Chef Martin Huber sowie während drei Jahre auch Otto Balsiger hatte ich sehr angenehme und gute Vorgesetzte. Dankbar bin ich zudem, dass ich auch sonst stets von guten Leuten umgeben war und die Unterstützung, die ich für meine Arbeit benötigte, erhielt. Einen besonderen Dank gilt meinem Team, das Mut zur Weiterentwicklung bewies.


Interview: Daniel Thür













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