Ausgabe Nummer 47 (2004)
Interview mit Roland und Monika Kauderer
| Prämierte «Öpfelfarm» | |||
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Interview mit Roland und Monika Kauderer
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| Sieben spannende Projekte wurden für den Agro-Preis 2004 nominiert welche Kriterien waren ausschlaggebend, dass die «Öpfelfarm» Siegerin wurde? | |||
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| Roland Kauderer: Folgende Kriterien waren wichtig: Eine möglichst hohe Wertschöpfung zu erzielen, eine möglichst gute Marktdurchdringung, das heisst vom Hofladen aus startend langsam den Markt erschliessen, es war wichtig, dass mit dem Projekt auch ein gewisses Einkommen für die Betriebsleiterfamilie und möglichst viele Teilzeitangestellte generiert wird. Goutiert wurde auch die soziale Komponente, da wir ja Behinderte für das Abfüllen unserer Ringli beschäftigen. Dann war da noch der ökologische Aspekt des schonenden Trocknungsverfahrens und die Originalität, ein uraltes Produkt modifiziert zu haben. Der Mix all dieser Eigenschaften verhalf uns dann zum Sieg. Welchen Tipp können Sie anderen Bauern geben, die offen für neue Ideen sind worauf muss man bei der Umsetzung besonders achten? Roland Kauderer: Man sollte nicht «drischüsse». Am Anfang genau überlegen, ob alle hinter der Idee stehen, ob man im Umfeld die Fähigkeiten und die nötige Unterstützung hat, um es anzupacken. Zuerst einmal alle positiven und auch negativen Aspekte des Projektes aufschreiben und sich ein Konzept machen. Etwas Umzusetzen und am Markt zu platzieren kostet auch eine Menge Geld. Professionelle Hilfe ist unumgänglich! Wir sind Bauern, keine Grafiker und Marketingspezialisten. Es braucht Mut, aber auch eine grosse Portion Glück. Wenn man aber gut durchgeplant startet und etwas riskiert, sodass man kaum mehr zurück kann, dann gibt es irgendwann nur noch die Flucht nach vorne. Das kann auch hilfreich sein. Wie steht das Verhältnis AufwandErtrag? Roland Kauderer: In den ersten Jahren steht der Aufwand ganz gewiss nicht im Verhältnis zum Ertrag. Wenn man bedenkt, wie viel Fronarbeit man leisten muss, wie man angewiesen ist auf die Hilfe von Eltern und Schwiegereltern, von Freunden und Bekannten. Es wäre nicht möglich, allen von Anfang an einen Lohn zu bezahlen. Man darf auch nicht auf die Idee kommen die eigenen Arbeitsstunden zu zählen. In der Wirtschaft heisst es auch, dass man bei einem Neuanfang die ersten zehn Jahre kaum Feierabend hat, und ich kenne viele nichtbäuerliche Unternehmen, in denen Tag und Nacht gearbeitet wird, um zum Erfolg zu gelangen. Egal in welchem Beruf, wer heute als Unternehmer nicht vollen Einsatz gibt, bleibt auf der Strecke. Positives Denken und Freude am Erreichten helfen einem weiterzumachen. Wie hohe Investitionen sind für ein solches Projekt notwendig, und welche finanziellen Risiken sind Ihrer Meinung nach nicht tragbar, wo liegen die Grenzen? Roland Kauderer: Viele von uns sind es nicht gewohnt, für etwas zu bezahlen, was nicht greifbar ist. Man muss Geld ausgeben, wenn man ein Produkt marktreif gestalten will. Es reicht nicht aus, nur ein Logo zu kreieren. Am heutigen Markt muss ein Produkt perfekt daherkommen, denn nur wer das beste Produkt offeriert, macht das Rennen. Der Verkauf ist viel schwieriger als die Produktion. Viele beginnen am falschen Ende. Sie schaffen sich zuerst die Geräte für die Produktion an, sind aber nicht bereit, etwas zu investieren, um das Produkt verkaufsfähig zu machen. Wir haben die Grenzen der finanziellen Risiken einige Male überschritten und mussten froh sein, eine kulante Bank zu haben. Wir konnten einfach nicht mehr zurück, zu viel war schon investiert. Ich mache mir immer ein Budget oder eine Mittelflussrechnung, damit ich weiss, was ich investieren darf. Aber wo die Grenzen genau liegen, kann einem keiner sagen, denn das liegt in der Zukunft. Wie lange dauerte es, bis die «Öpfelfarm» wirklich rentierte? Roland Kauderer: Nach vier Jahren noch war unser damaliger Treuhänder skeptisch, ob es je rentieren würde. Dann gewannen wir die ersten grösseren Abnehmer für uns, und unser Öpfelringli kam so langsam in «aller Munde». Es dauerte fünf lange Jahre, bis wir zum ersten Mal sagen konnten, dass wir ein paar Franken verdient hatten. Zufrieden werde ich aber erst sein, wenn ich die üblichen Abschreibungssätze machen kann und trotzdem noch ein angemessenes Einkommen hängen bleibt. Welche Rolle spielen Frau und Familie beim Aufbau und Betrieb der «Öpfelfarm»? Monika Kauderer: Es ist manchmal schwierig, mit vier Kindern zwischen zwei und acht Jahren und dem dazu gehörenden Haushalt immer allem gerecht zu werden. Ich freue mich aber, dass auch ich meine nicht unwichtigen Aufgaben im Öpfelfarm-Alltag erledigen kann. Am liebsten betätige ich mich mit den Aufgaben im Hintergrund, im dekorativen Bereich oder bei der Produktion von kleineren Spezialitäten und Geschenkkörben. Auch die Backstube ist mein Territorium. Worauf muss man als Ehepaar und Familie besonders achten, wenn ein neues, zeitaufwändiges Projekt angegangen wird? Monika Kauderer: Man muss bereit sein, auf Dinge zu verzichten, denn oft bleibt im Öpfelfarm-Alltag vieles liegen, was dann am Abend noch erledigt werden muss. Man ist angewiesen darauf, dass alle Familienmitglieder der verschiedenen Generationen einem helfen. Das ist nicht immer einfach, aber unumgänglich. Ein geregelter Tagesablauf ist sehr wichtig. Wir achten darauf, dass wir trotz allem jeden Tag noch etwas Familienleben haben. Sei es nur beim «Gute Nacht» sagen oder bei den drei Mahlzeiten. Wir gönnen uns auch zwei Mal im Jahr eine kleine Auszeit im Bündnerland, um uns den Kindern zu widmen und aufzutanken. Welche Tipps möchten Sie anderen Bäuerinnen geben, deren Familienbetrieb neue Ideen umsetzen möchte? Monika Kauderer: Jeder sollte im Bereich seiner Fähigkeiten arbeiten. Wenn Sie gut mit Tieren umgehen können, dann nutzen Sie dies. Wenn Ihnen das Büro mehr liegt als Ihrem Mann, dann entfalten Sie sich im Bürobereich. Es wird Ihnen nicht mehr viel Zeit bleiben für Hobbys. Versuchen Sie also Ihre Hobbys im Alltag und auch im geplanten Projekt zu integrieren. Es kann nur funktionieren, wenn man auch Freude daran hat und mit Herzblut dahintersteht. Kathrin Bäurle |
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