Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Interviews zum Stallklima

Ausgabe Nummer 35 (2016)

Betrieb René und Claudia Gubler, Frauenfeld

Was war euch bezüglich Stallklima beim Bau des neuen Laufstalls wichtig?
Wir hatten zuvor einen Anbindestall, mit all den Problemen, die sich dabei ergeben. Wir haben uns intensiv mit dem Aussenklimastall auseinander gesetzt und mit dem ersten Aussenläger gesehen, dass dieser sehr gut funktioniert. Den Kühen ist es wohl und sie haben im Winter etwas längere Haare. Grundsätzlich hat im Winter jedoch der Landwirt mehr Mühe, nicht die Kühe.
Unser neuer Stall hat ein Dach mit einer minimalen Neigung, dies aus Gründen des Landschaftsbildes. Da wir keine grosse Raumhöhe haben, benutzen wir für das Dach Sandwich-Blech. Der Stall ist nach drei Seiten vollständig offen, gegen die Südseite verläuft eine Liegeboxreihe direkt an der Wand des alten Stalles. Der nicht überdeckte Laufhof zwischen dem alten und neuen Stall trägt viel zu einem guten Klima und reichlich Frischluft bei. Auch im heissen Sommer 2015 war die Lüftung sehr gut; der Winter 2015/16 verlief ebenfalls problemlos. Ein wirklicher Kältetest in einem schneereichen kalten Winter steht noch aus. Die Liegeboxen auf der Nordseite, wo der Kopfbereich bis zum Boden völlig offen ist, sind immer sehr gut belegt. Die frische Luft scheint den Kühen sichtlich zu behagen. Wenn es heiss ist, achten wir vor allem auf die Mineralstofffütterung, die wir dann etwas erhöhen.
Wir haben uns auch mit dem Melkroboter auseinander gesetzt. Dieser ist jedoch aufgrund unser etwas weiter entfernten Weiden nicht möglich. Die Kühe fressen im Winter am Fahrsilo, sodass die Kühe so ebenfalls mehr Luft und Licht erhalten.

Welche Massnahmen werdet ihr noch umsetzen, um das Stallklima zu verbessern?
Ein Läger ist stärker der Sonne exponiert. Dort werden wir noch überprüfen, ob etwas mehr Schatten notwendig ist. Der Stall ist gegen die Bise offen. Bei einem kalten Winter werden wir sehen, inwiefern zeitweise ein Schutz nötig ist.
Der Rauchtest im Stall hat gezeigt, dass auch bei sehr wenig Wind der Rauch schnell abzieht und nirgends hängen bleibt.
Ansonsten fokussieren wir uns mehr auf die Optimierung der Arbeitsabläufe, der Weidehaltung und Fütterung mit dem neuen Stall.


Betrieb Ruth und Martin Müller, Löwenhaus

Welche Erfahrungen habt ihr auf dem Betrieb mit dem Stallklima gemacht?
Auf unserem Betrieb ist aufgrund der Hauptstrasse vor dem Haus und des dichten Hochstammobstgartens auf der anderen Betriebsseite die Weidemöglichkeit sehr eingeschränkt. Wir haben uns daher vor drei Jahren dazu entschieden, den Betrieb vom RAUS-Programm abzumelden und auf die Weidehaltung zu verzichten.
Mit verschiedenen Veränderungen im Stall wollten wir die guten Bedingungen auf der Weide in den Stall holen. So haben wir in der der Verlängerung des bestehenden Stalles eine Erweiterung gemacht. Beim neuen Teil sind beide Seitenwände offen, so dass eine Querlüftung möglich ist. Es ist offensichtlich, dass sich die Tiere, insbesondere bei heissem Wetter, lieber im quergelüfteten Teil aufhalten. Da nicht alle Tiere im neuen Bereich liegen können, steht ein Teil der Herde leider im Laufgang.
Auf der anderen Seite des Stalles haben wir einen Lüfter montiert der den Tieren Kühlung verschaffen soll. Auch dieser Bereich ist für die Tiere weniger interessant als der neue Stallteil. Wir vermuten, dass es daran liegt, dass dieser Lüfter keine Frischluft von aussen ansaugt.

Welche Erkenntnisse habt ihr aus dem Laufstallstamm mitgenommen?
Am Fressgitter haben wir eine Vernebelungskühlung installiert. Für mich war neu, dass diese nur in Kombination mit einer Lüftung sinnvoll ist, da ansonsten die Wärme gar nicht abgeführt werden kann und sich durch die höhere Luftfeuchtigkeit, das Wärmeempfinden der Tiere sogar noch verschlimmert.
Zudem wollen wir noch mehr acht geben, dass der Sprühnebel nicht zu einer Benetzung der Liegeboxen und des Futtertischs führt oder gar zu einem nassen Fell der Kühe.

Welche Massnahmen werdet ihr noch umsetzen, um das Stallklima zu verbessern?
Uns stört, dass sich bei warmem Wetter die Tiere in den neu erstellten Bereich drängen. Eine Verbesserung des Stallklimas im alten Stallteil ist aber schwierig, weil parallel zur Futterachse die geschlossene Wand des Rinderstalles ist und so eine Querlüftung verunmöglicht. Wir wollen aber sicher die andere Stallseite noch mehr aufmachen und allenfalls noch einen weiteren Lüfter installieren. Zudem werden wir noch Querwände im Stall soweit möglich entfernen, weil diese die Lüftung behindern.


BZG Dickenmann & Nater, Schönholzerswilen

Was war euch bezüglich Stallklima beim Bau des neuen Laufstalls wichtig?
Wir wechselten beide von einem Anbindestall in den neuen Laufstall. Mit dem Bau des Laufstalls nutzten wir die Möglichkeit, dem Komfort der Kühe hohe Beachtung zu schenken. So haben wir den Stall Ost- West ausgerichtet, damit wir die Tore auf der Wetterseite (West) schliessen können. Die Sonne kann von Süden in den Stall, was vor allem in Winter von den Kühen geschätzt wird. Mit Curtains regeln wir die Einstrahlung auf der Südseite. Zur Förderung der Luftzirkulation haben wir beim Sheddach das Ver-hältnis 4:1 (Öffnung Südseite 3,5 m, Durchlass Sheddach 0,85 m) gewählt, was sich sehr bewährt. Auf Übergangswände verzichteten wir wo immer möglich.

Welche Erfahrungen habt ihr mit der intervallgesteuerten Vernebelungsanlage im Stall gemacht?
Diese Anlage installierten wir im April dieses Jahres, als die hohen Temperaturen über mehrere Tage anhielt. Wir merkten, dass auch im neuen Stall bei solchen Extremsituationen die Tiere an den Anschlag bezüglich Hitzestress kommen. Als silofreier Betrieb mit Roboter müssen wir die Stromleistung im Griff haben. Die Vernebelungsanlage passt deshalb sehr gut in unser Konzept mit ihrem sehr geringen Stromund Wasserbedarf. Der Effekt ist spürbar und wird von den Tieren geschätzt. Eine Herausforderung stellt dabei die Intervalleinstellung dar, damit der Nebel verdampft, bevor er auf den Boden trifft.


Jenifer van der Maas,
Christof Baumgartner,
Michael Schwarzenberger,
BBZ Arenenberg,










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