Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Investition in die Partnerschaft - erfolgreiche Zukunft

Ausgabe Nummer 48 (2015)

Betriebserfolg auf dem bäuerlichen Familienbetrieb ist auf Dauer nur möglich, wenn das Betriebsleiterpaar am gleichen Strick und in die gleiche Richtung zieht. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist die Pflege der Partnerschaft.

Auf in die Betriebszukunft
Klar, um einen Landwirtschaftsbetrieb erfolgreich zu führen und für die Zukunft zu rüsten, sind Investitionen in Gebäude und Maschinen eine Notwendigkeit. Unterhalts- und Servicearbeiten zur Werterhaltung sind ein Muss.

Beziehungspflege ist wichtig für den Betriebserfolg
Viel weniger klar scheint, dass auch eine gesunde Paarbeziehung gepflegt werden muss. Auf einem Familienbetrieb, in welchem Zusammenleben und Zusammenarbeiten so eng ineinander verflochten sind, gibt eine Partnerschaft einen gesunden Boden für die Familie und den Betrieb. Ein Betriebserfolg auf dem Bauernhof ist auf Dauer nur möglich, wenn es den dahinterstehenden Menschen gut geht, wenn sich das Bauernpaar gemeinsam engagiert und in die gleiche Richtung zieht. Ist Sand im Getriebe in der Beziehung zwischen Bäuerin und Landwirt, leidet nicht nur das Paar, sondern auch die Familie und nicht zuletzt die Arbeitsgemeinschaft auf dem Bauernbetrieb.

Investition in die Partnerschaft
Die wichtigste Voraussetzung für eine zukunftsgerichtete Partnerschaft ist, dass regelmässig gemeinsame Zeit eingeplant wird. Zeit, um sich einander mitzuteilen, füreinander da zu sein, sich auszutauschen und am Leben des anderen teil zu haben und sich so zu unterstützen. Teilen Sie Ihrem Partner, Ihrer Partnerin mit, was Ihnen wichtig ist, welche Wünsche, Bedürfnisse, Ziele und Zukunftspläne Sie haben. Lassen Sie ihn/sie teilhaben an Ihren Sorgen, Problemen und Nöten. Besprechen Sie aber auch Erfreuliches und Gelungenes. Zeit für gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen schweisst zusammen und bildet die Basis der Partnerschaft hilft so zum «Wir-Gefühl».
Zeit für Zärtlichkeit und Sexualität, sie schafft Nähe, Verbundenheit und Geborgenheit. Eine wertschätzende Kommunikation, Komplimente und Lob tun uns zusätzlich gut. Und nicht zuletzt tragen eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit zur Motivation und Freude aller bei.
Zum Thema gemeinsam unterwegs sein und Pflege der Paarbeziehung habe ich das Ehepaar Barbara und Willi Reust nach seinen Erfahrungen befragt. Barbara und Willi Reust bewirtschaften einen IPSuisse Betrieb von rund 30 ha LN. Seit der Aufgabe der Milchproduktion vor zwei Jahren bauen sie vermehrt Ur-Dinkel und Zuckerrüben an. Ein weiterer Betriebszweig ist die Rinderaufzucht für Michbetriebe. Reusts halten ganzjährig um die 30 Rinder. Daneben arbeitet Willi Reust 20 bis 40 Prozent auswärts.

Barbara und Willi Reust, wie lange sind Sie schon verheiratet?
Wir sind seit 28 Jahren verheiratet.

Das Sie schon so lange gemeinsam unterwegs sind, ist sicher nicht selbstverständlich. Welches sind für Sie wichtige Voraussetzungen, damit eine Partnerschaft auf Dauer funktionieren kann?
Gibt es denn etwas Selbstverständliches – muss nicht fast alles erarbeitet werden? Ein Ehevorbereitungskurs ist ein wichtiges Instrument dazu. Eine gut funktionierende Partnerschaft beinhaltet: Die (wahren) Bedürfnisse des Anderen zu erforschen und versuchen zu stillen oder einfach gesagt, glücklich machen kommt vor glücklich werden.

Wie pflegen Sie im Alltag Ihre Beziehung?
Wir haben eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und diese stärkt und belebt unseren Ehealltag. Unser Ziel ist ein wöchentlicher Eheabend, entweder in der Stube bei Kerzenlicht, im Ausgang, bei einer Velofahrt oder einem Spaziergang. Ab Mittag die Ohren offen halten für intime Wünsche und Anregungen des Partners. Gemeinsam dreimal täglich am Tisch essen und austauschen ist Lebensqualität für uns, sowie das Arbeiten auf dem Betrieb.

Gönnen Sie sich gemeinsame Auszeiten?
Wir gönnten uns von Anfang an jährlich ein Ehewochenende. Mit zunehmendem Alter der Kinder wurde dieses verlängert und wiederholt.

Was empfehlen Sie, bei «Sand im Getriebe» einer Beziehung?
Hilfe in Anspruch nehmen bevor man nicht mehr miteinander reden kann! Wir kennen den Ehekurs von Nicky und Sila Lee aus eigener Erfahrung.
www.ehekurs.ch

Welche Tipps würden Sie einem jung verheirateten Bauernpaar auf den Weg geben?
EHE braucht Pflege – Freiräume schaffen – gemeinsame Zeit verbringen.
EHE braucht Vergebung, offene Kommunikation, das heisst es gibt keine Tabuthemen.
Keinen Fernseher anschaffen, denn er ist ein Beziehungskiller!
Lernt euch gut kennen, bevor ihr Kinder habt.

Herzlichen Dank für das Interview und für Ihre Offenheit.


BBZ Arenenberg,
Vreni Peter







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