Ausgabe Nummer 43 (2009)
Ist das der grosse Wurf?
Der Vorstand der Branchenorganisation
Milch hat sich
geeinigt. Ist damit der herbei
geredete «Machtkampf» unter
den Milchproduzenten beendigt?
Er muss! Denn entgegen
all dem, was bisher geschrieben
und behauptet wurde, kann es für uns alle
nur ein Ziel geben, nämlich gemeinsam
Tritt fassen in einer für die ganze Branche
sehr schwierigen Phase.
Das von der BO Milch verabschiedete
Modell ist ein Kompromiss, dem sich niemand
entziehen kann. Noch mehr, es ist
ein Zugeständnis einer grossen Mehrheit
an die Erfordernisse der freien Marktwirtschaft.
Es beinhaltet aber auch die
eindeutige Pfl icht der Minderheit, sich an
die Vereinbarungen zu halten. Das war
in der Vergangenheit nicht immer so. Wo
demokratische Spielregeln nur ungenügend
greifen, soll die gesetzliche Allgemeinverbindlichkeit
nachhelfen, wenn es
im öffentlichen Interesse ist. Transparenz
auf allen Stufen soll der wichtigste Inhalt
sein, dies als Grundvoraussetzung für
eine minimale Mengenführung. Dass das
Gesuch dazu einstimmig verabschiedet
wurde, ist ein sehr wichtiges Signal. Alle,
Produzenten, Handel, Verarbeiter, aber
auch die Thurgauer Exponenten werden
sich nun einordnen müssen. Die Zeit der
Behauptungen, des Misstrauens und der
Anfeindungen, vor denen auch meine Familie
nicht verschont blieb, muss nun ein
Ende haben.
Die Herausforderungen der Agrarmärkte
allgemein und der Milchvermarktung im
speziellen werden nicht kleiner. Es bleibt
die schwierige Gratwanderung zwischen
Markenstrategie und Pfl ege der Marktanteile,
dies im Wissen darum, dass wir
Teil der internationalen Märkte sind. Kostendeckende
Produktion und Wachstum
müssen das Ziel einer unternehmerischen
Landwirtschaft sein. Wenn wir das wollen,müssen wir die ganze Veredelungskette
stärken, von der Kuh bis zum Kühlschrank
der Verbraucher. Dazu braucht
es viel mehr Respekt, Vertrauen und Professionalität
auf allen Stufen. Unsere Berufsorganisation
SMP mit ihren Regionalverbänden
muss den Mut aufbringen, ihre
Aufgaben kritisch zu hinterfragen und die
nötigen Lehren zu ziehen. Dabei ist es
nicht verboten, auch visionäre Gedanken
mit einzubeziehen.
Unter Leitung des Schweizerischen Bauernverbandes
wurde in der BO Milch
konsequente Arbeit geleistet. Trotzdem
wird noch viel Kleingedrucktes zu regeln
sein, aber ich bin sicher, ein wichtiger
Schritt zum grossen Wurf ist getan.
Ruedi Schnyder, Ellighausen
Präsident Thurgauer Milchproduzenten
