Ausgabe Nummer 2 (2010)
«Ja» zu sich selber sagen
An den diesjährigen Landfrauentagen spricht Thomas Merz-Abt zum Thema «Erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche». Im Anschluss an die Landfrauentage treffen sich die Landfrauen zum ungezwungenen Gedankenaustausch.
Therese Huber-Hirschi, Präsidentin Thurgauer Landfrauenverband, konnte rund 400 Bäuerinnen, Landfrauen und Gäste in der evangelischen Stadtkirche Frauenfeld zum ersten diesjährigen Landfrauentag begrüssen. Unter ihnen Regierungsrat Kaspar Schläpfer, Nationalrätin Edith Graf-Litscher, die Kantonsrätinnen Liselotte Peter und Verena Herzog. Obwohl die Landfrauen im neuen Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL) nicht mehr Mitglieder seien, seien die beiden Verbände eng verbunden und pfl egen weiterhin eine gute Zusammenarbeit, stellt Therese Huber fest. Bei den Landfrauen bleibe fast alles beim Alten. Neu liege nun die gesamte Organisation und Administration für die Landfrauentage ab kommendem Jahr beim Landfrauenverband. Der VTL beteilige sich künftig mit einem grosszügigen Sponsorenbeitrag.
Vieles in Bewegung
In ihrem Grusswort stellte Geschäftsführerin Hermine Hascher vom Verband Thurgauer Landwirtschaft (TLV), vormals Thurgauern Bauernverband, fest, dass die Landfrauentage von ihrem Verband seit den Anfängen im Jahre 1929 unterstützt werden. Das sei nun auch beim VTL so. «In dieser Zeit sei vieles in Bewegung, vieles verändere sich, die Leute und die Werte, an denen wir uns orientieren. Darum tue es gut, einmal vom Alltäglichen Abstand zu nehmen, sich mit anderen Gedanken zu beschäftigen, andere Leute zu treffen und das Gesellige zu pfl egen», sagte Hermine Hascher.
«Was ein erfülltes Leben sei?»
Der 47-jährige Weinfelder Thomas Merz- Abt befasst sich in seiner berufl ichen Tätigkeit unter anderem mit der Frage, was uns Menschen glücklich und zufrieden macht. Der Professor der Pädagogischen Hochschule Zürich stellte sein Referat unter den Titel «Erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche.» Laut Merz ist die Antwort auf die Frage «Was ein erfülltes Leben sei?», sehr schwierig, weil jeder andere Akzente setzte. Nach seiner Meinung werden durch die elektronischen Medien vielfach falsche Idealvorstellungen mit viel Glamour vermittelt. Wichtig sei aber, dass man zu sich selber «ja» sagen könne. «Ein erfülltes Leben» heisse aber nicht, dass es einem immer nur gut gehe. Zu einem erfüllten Leben gehören auch Trauer und die Bewältigung der Probleme. «Alles besitzen» bedeute noch keine Lebensqualität. Gerade bei den Kindern gehe es darum, dass diese in der heutigen Konsumgesellschaft auch verzichten lernen und so Werte entdecken. Es sei aber auch wichtig, dass man die glücklichen Momente mit offenen Augen sehe und zum Leben positiv stehe. Zu den bereichernden Momenten zähle auch der Gedankenaustausch unter Kolleginnen, wie dies an den Landfrauentagen Tradition habe. Musikalisch wurde der Landfrauentag in Frauenfeld mit den beiden Gittaristen Michael Indermauer und Thomas Möckli, an der Orgel mit Hanspeter Schär, umrahmt.
Mario Tosato

Sie standen im Zentrum der ersten beiden Landfrauentage (von links): Hermine Hascher, Thomas Merz-Abt und Therese Huber. (tos)
