Ausgabe Nummer 30 (2005)

zurück zur Übersicht

Jagd und Landwirtschaft

Jagd und Landwirtschaft

Die Jagd im Thurgau findet in einem Umfeld statt, das im Vergleich zu anderen Mittellandkantonen noch sehr jagdfreundlich ist. Doch bedeutet das nicht, dass gerade die Partnerschaft und der Informationsaustausch zwischen Landwirten und Jägern sowie das Verständnis füreinander nicht noch verbessert werden könnten.


Thurgauer Kulturlandschaft, wo sich Bauer,
Jäger und Wild begegnen. (Rosmarie Studer)

Die Jagd ist eine der ältesten Kulturtechniken des Menschen. Das Aufsuchen, Nachstellen, Fangen, Töten und Aneignen von Wild (so die klassische Jagddefinition) ist eine der Wurzeln in der Entwicklung der Menschheit. Die ersten Menschen waren Jäger, Fischer und Sammler. Sie haben, nur in kleiner Zahl vorkommend, mit ihrem Tun ihre Umwelt nicht verändert. Denn sie waren selbst Teil einer natürlichen Landschaft.
Schon längst dient die Jagd nicht mehr der Existenzsicherung von uns Menschen. Viehzucht und Ackerbau sind an deren Stelle getreten. Der moderne Jäger ist deshalb auch nicht mehr täglich unterwegs, um «seinem» Wild nachzustellen und Beute nach Hause zu bringen. Es ist seine Freizeit, die er dafür einsetzt, um seinem Handwerk nachgehen zu können, und das Beutemachen ist nur noch ein Teil der Tätigkeiten, die ein Jäger, eine Jägerin heute betreibt und beherrschen muss.

Partner Landwirtschaft

Der Bauer ist ein wichtiger Partner von uns Jägern, gibt es doch zwischen uns die vielfältigsten Berührungspunkte, die zwangsläufig zu einer Zusammenarbeit führen. Wildschadenverhütung, Rehkitzrettung im Frühjahr, Abgeltung von Schwarzwild- und Krähenschäden, Zusammenarbeit beim Anlegen von ökologischen Ausgleichsflächen, Zäune im Waldrandbereich, sind nur ein paar Stichworte für Themen, die Landwirte und Jäger gleichermassen beschäftigen. Positiv für eine gute Zusammenarbeit ist auch, dass wir keine Konkurrenten sind, ist doch im Vergleich zur landwirtschaftlichen Fleischproduktion der Anteil von Wildfleisch aus jagdlicher Nutzung sehr bescheiden. Zwar kommen in der ganzen Schweiz jährlich rund 70 000 Hirsche, Gämsen, Wildschweine und Rehe mit einem Wildbretertrag von 14 Millionen Franken zur Strecke – im Kanton Thurgau sind es beispielsweise gut 2000 Rehe pro Jahr – das ist aber
im Vergleich zur landwirtschaftlichen Fleischproduktion von 5 Milliarden Franken pro Jahr äusserst bescheiden.

«Me mues rede mitenand»

Die Erfahrung zeigt, dass für die Anliegen eines Partners nur das richtige Verständnis gewonnen werden kann, wenn man miteinander spricht und so die Probleme und Sorgen des Anderen erkennen und begreifen kann. Die Gelegenheiten dazu sind für Bauern und Jäger zahlreich: Die Begegnung draussen in Feld und Flur, der Treff in der Dorfbeiz oder eben die Zeitschrift «Thurgauer Bauer». Nutzen wir sie!

Martin Ebner, Jagd Thurgau