Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
22. Mai 2020


Jagdgesetz betrifft nicht nur Jäger und Jägerinnen

Ausgabe Nummer 19 (2020)

Im April 2018 hat der Regierungsrat das revidierte kantonale Jagdgesetz und die überarbeitete, dazugehörende Jagdverordnung in Kraft gesetzt. Diese Bestimmungen regeln vornehmlich den Jagdbetrieb, haben jedoch auch Gültigkeit für andere Personenkreise, insbesondere für Landwirte und Landwirtinnen im Umgang mit Wildtieren.

Das seit 1992 geltende kantonale Jagdgesetz wurde aufgrund von Anpassungsbedarf bundesrechtlicher Regelungen durch den Grossen Rat revidiert und im April 2018 zusammen mit der Jagdverordnung durch den Regierungsrat in Kraft gesetzt. Wie der Name «Jagdgesetz» impliziert, enthalten dieses Gesetz und die dazugehörende Verordnung hauptsächlich Bestimmungen, die Jäger und Jägerinnen betreffen. Verschiedene Aspekte haben jedoch auch Gültigkeit für andere Personenkreise, insbesondere für Landwirte und Landwirtinnen oder für andere Personen, die mit Wildschäden konfrontiert sind. Einige dieser Bestimmungen, auf die im Folgenden eingegangen wird, haben mit der abgeschlossenen Revision Änderungen erfahren, die von Relevanz für die Praxis sind.

Haftung des Kantons für Wildschäden
Der Kanton haftet für Wildschäden an Wald, landwirtschaftlichen Kulturen, Nutztieren oder Infrastrukturanlagen, die durch bestimmte, geschützte Tiere (Tab. 1) oder durch Hirsche, Wildschweine, Dachse oder Krähen verursacht werden. Gegenüber der früheren Fassung des Jagdgesetzes haftet der Kanton neu auch für Schäden, die durch Dachse oder kantonal geschützte Tierarten verursacht werden, sowie für Schäden durch Biber an Infrastrukturanlagen.

Selbsthilfemassnahmen
Grundbesitzer dürfen Füchse, Steinmarder, Krähen oder verwilderte Haustauben, die sie bedrohen oder schädigen, in Gebäuden, Räumen und in allernächster Umgebung (bis 30 m) erlegen oder fangen. Ebenso ist es erlaubt, während der Frucht- und Beerenreife in Weinbergen und Obstanlagen Stare und Amseln zur Schadenverhütung zu erlegen. Geschützt sind jedoch neu Wacholderdrosseln und Spatzen. Bei Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen dürfen im Rahmen der Selbsthilfemassnahmen ebenfalls Krähen, Ringeltauben, Türkentauben und verwilderte Haustauben geschossen werden. Der Abschuss und Fang dürfen nur mit für die Jagd zugelassenen Waffen und Fallen ausgeführt werden. Neu gelten die jeweiligen Schonzeiten auch bei der Ausübung der Selbsthilfemassnahmen. Einzige Ausnahme besteht bei Rabenkrähen, die in Schwärmen auftreten: Dort gilt auf schadengefährdeten landwirtschaftlichen Kulturen zur Schadenabwehr keine Schonzeit.

Nicht mehr in Gebrauch stehende Zäune
Regelmässig werden Wildtiere durch den unsachgemässen Umgang mit Zäunen verletzt oder getötet. Insbesondere gilt dies für eingewachsene Zäune an Waldrändern, Stacheldrahtzäune und Zäune auf dem freien Feld nach Einstellung der Beweidung. Im neuen Jagdgesetz hat nun der Gesetzgeber festgelegt, dass nicht in Gebrauch stehende Zäune in Wald und Flur, die für Wildtiere eine Verletzungsgefahr darstellen, durch den Eigentümer unverzüglich zu entfernen sind. Kommt der Eigentümer dieser Verpflichtung nicht nach, kann ihm die Jagd- und Fischereiverwaltung eine Frist zur Entfernung der Zäune ansetzen und ihm die Ersatzvornahme androhen.

Rehkitzrettung
Da schon bald die Setzzeit der Rehe beginnt und das Mähen von Wiesen ansteht, möchten wir auf die in Wiesen abgelegten Rehkitze aufmerksam machen. Jährlich werden trotz Rehkitzrettung durch die Jägerschaft im Kanton Thurgau rund 60 bis 110 Rehkitze beim Mähen getötet. Dies zu verhindern, liegt grundsätzlich in der Verantwortung der Landwirtschaft. Bei fahrlässigem Handeln durch den Bewirtschafter kann dies zu einem Strafbefehl wegen Verstosses gegen die Tierschutzgesetzgebung führen. Bei rechtzeitiger Kontaktaufnahme mit der örtlichen Jägerschaft ist diese gerne bereit, Unterstützung bei der Rehkitzrettung zu leisten. Mit altbewährten Methoden wie dem Verblenden am Vorabend des Mähens, mit dem Absuchen von Wiesen und dem Entfernen der gefundenen Rehkitze können viele Rehkitze vor dem sicheren Mähtod gerettet werden. Ergänzend zu den bisherigen Methoden der Rehkitzrettung hat in den vergangenen Jahren das Absuchen der Wiesen mit Drohnen Einzug gehalten und verschiedene Jagdgesellschaften sowie private Organisationen haben sich mit dieser neuen Technik ausgerüstet. Melden Sie daher Ihre Mähtermine rechtzeitig der örtlichen Jagdgesellschaft, die Sie gerne bei der Rehkitzrettung unterstützen wird, um die nach wie vor hohe Zahl der vermähten Rehkitze zu mindern.


Text: Roman Kistler, Jagd- und Fischereiverwaltung







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