Ausgabe Nummer 11 (2007)
Jahresversammlung der Vereinigung thurgauischer Beerenpflanzer (VTB)
Skepsis gegenüber EU-Agrarfreihandelsabkommen
Im vergangenen Jahr hatten die Thurgauer Beerenpflanzer mit Wetterkapriolen zu kämpfen. Das allfällige Agrarfreihandelsabkommen mit der EU sorgt für Unbehagen.An der von rund 60 Produzentinnen, Produzenten und Gästen besuchten Jahresversammlung der Vereinigung thurgauischer Beerenpflanzer (VTB) in Sulgen sprach Präsident Philipp Engel in seinem ersten Jahresbericht von einem Beerenjahr 2006, welches von verschiedensten Wetterkapriolen geprägt war. So führten die rekordverdächtigen Schneemengen vom 4. und 5. März 2006 bei den betroffenen Produzenten bei der Instandstellung der Anlagen zu erheblichem finanziellen und personellen Mehraufwand. Nach der Kälte vom Mai setzte die anschliessende Hitzeperiode Erdbeerpflanzen und Erntepersonal unter erheblichen Stress. Durch die anhaltende Hitze verlief die Ernte der Terminkulturen bei den Erdbeeren zu schnell und war Ende August grösstenteils beendet. Laut Engel hatten auch die Stachelbeeren unter der grossen Hitze zu leiden. Bei den Himbeeren gab es Tage, wo in der ganzen Schweiz pro Tag 25 Tonnen gepflückt wurden. Bei den Brombeeren sprach der Präsident von einer enttäuschenden Ernte.
Werbung am Eidgenössischen Turnfest
Wie Peter Knup, Marketingverantwortlicher VTB, berichtete, konnten die Erdbeeren dank gut geplanten Promotionen und effizienter Öffentlichkeitsarbeit, trotz schwieriger Witterungsverhältnisse gut verkauft werden. Auch für die kommende Beerensaison wurde wieder ein umfangreiches Marketingkonzept zusammengestellt. In grossen Centern der Migros Ostschweiz und Zürich finden wieder Promotionen statt. Auch am Eidgenössischen Turnfest in Frauenfeld ist für die Thurgauer Erdbeeren ein «grosser Auftritt» geplant.
Sorgen mit EU-Agrarfreihandelsabkommen
Für einmal machte Peter Konrad, Leiter Fachstelle Gemüse- und Beerenbau am Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg, nicht nur Werbung für Beeren. Er sucht Neupflanzer für Minikiwi, welche sich bei den Konsumenten einer grossen Beliebtheit erfreut. Als Präsident informierte Konrad über die Arbeit der Arbeitsgruppe, in der sich Obstbauern, Gemüseproduzenten, Beerenpflanzer und der Thurgauer Bauernverband mit einem allfälligen Agrarfreihandelsabkommen mit der EU auseinandersetzten. Unterstützt wird die Arbeitsgruppe durch Professor Peter Rieder, Institut für Agrarwirtschaft ETH Zürich. Eine eingehende Untersuchung habe gezeigt, dass die hohen Fixkosten (Löhne) und die ungünstigen Rahmenbedingungen bei einem Agrarfreihandelsabkommen mit der EU für Obstbauern, Gemüseproduzenten und Beerenpflanzer negative Auswirkungen hätten. Laut Konrad wird der detaillierte Bericht der Arbeitsgruppe in wenigen Wochen vorliegen. Obwohl Konrad die Ergebnisse noch nicht bekannt gab, war doch eine grosse Skepsis gegenüber einem EUAgrarfreihandelsabkommen spürbar.
Im Anschluss an den geschäftlichen Teil der Jahresversammlung informierte Bruno Hertzog,Amt für Umwelt Frauenfeld, über die Anforderungen im Gewässerschutz.
Mario Tosato

Peter Konrad, Philipp Engel und Peter Knup (v. l.) hoffen auf weniger Wetterkapriolen als im vergangenen Erntejahr. (tos)
