Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Jahreszeiten im Garten

Ausgabe Nummer 4 (2017)

Bei diesem eisigen Januarwetter steht einem eigentlich der
Sinn nicht nach Sommerblumen aussäen, Sträucher zurückstutzen und Beeren schneiden. Die neuen Blumenkataloge – ja, die sind teilweise schon vor Weihnachten eingetroffen. Etwas darin blättern kann ja nur schön sein – und schon lässt sich wieder in den schönsten Farben träumen!

Eine Bienenweide fürs Gartenbeet: Welche Überraschung steckt wohl in dieser Samentüte? Ein Versuch im letzten Sommer ergab, dass wir wohl den allergünstigsten Aussaattermin gewählt hatten, die Pflänzchen wuchsen nämlich ganz dicht auf. Da viel Unbekanntes und Unerkanntes dabei war, mochten wir nichts ausdünnen und überliessen es der Natur, welche Sorte den Kampf ums Licht gewinnen würde. Es entstand schliesslich ein Blumenmeer, das man einfach immer mal wieder in sich aufnehmen musste! Bis jetzt stehen die Pflanzengerippe immer noch auf dem Beet, sehr zur Freude verschiedener Vögel. Klar sieht das nicht aufgeräumt aus, doch den Anliegen der Naturschützer und in Sachen Biodiversität kommt das sehr entgegen, verbringen doch viele Insekten ihre Jugendzeit in altem Gras, Laub oder Kraut. Wir werden jedenfalls das Blumensamenmischungs- Projekt wiederholen, jedoch die empfohlene Aussaatmenge pro Quadratmeter deutlich verringern.

Blumenköniginnen
Nun stehen sie da im Garten und der eisige Wind zerrt an ihnen, den Rosenstauden. Um eher an die unerwünschten Begleitpflanzen zwecks deren Entfernung zu gelangen, habe ich die Beetrosen schon mal auf Kniehöhe zurückgeschnitten. Den «richtigen » Schnitt wage ich erst im frühen Frühling, wenn die ärgsten Frosttage vorbei sind. Dann erkennt man die abgestorbenen Teile und entfernt sie grosszügig; der gesunde Stock wird frische Triebe bilden. Und ich werde versuchen, die Eigenheiten der jeweiligen Pflanze zu berücksichtigen: Die orange zeigt deutlich weniger Wuchs als die von nebenan, deshalb meine Absicht, durch geringen Rückschnitt diese verschiedenen Höhen auszugleichen. Einige sehr alte Rosenstöcke machen immer Austriebe von mehr als eineinhalb Metern, dies versuche ich zu straffen, indem das alte Holz möglichst stehen gelassen wird und somit die oberen Knospen zum Austreiben kommen. Bei den Bäumchenrosen hoffe ich, keine erfrorenen Teile in den Kronen anzutreffen und diesen dann genug Raum zum Entfalten schaffen zu können. Auch die alte Strauchrose wird wieder kräftig zurückgeschnitten; die Plage mit der Blattrollwespe ist fast vorbei (dank Vernichtung der abgefallenen Rosenblätter und somit des Nachwuchses).

Beeren vom Hausgarten
Beim Beerenstauden zurückschneiden müssen nur noch die Brombeeren bearbeitet werden. Sobald ersichtlich ist, was gut überwintert hat, werden drei bis vier Hauptruten bestimmt, der Rest wird bodeneben abgeschnitten. An diesen Haupttrieben werden alle Seitentriebe auf drei bis vier Augen (um die 30 cm) zurückgeschnitten; an diesen Stummeln wirds dann blühen und reifen. Herbst-Himbeeren sollten schon vor dem Einwintern möglichst bodennah abgeschnitten werden, früher Austrieb ergibt eine (relativ) frühe Ernte. Es ist sehr ärgerlich, wenn ein Grossteil der fast reifen Beeren bereits grau ist, einfach weil ihnen feuchtes Herbstwetter nicht gut tut.

Augenschmaus und Insektenverwöhnprogramm
Nun zu den blumigen Höhenflügen: Auf Hochglanzpapier, professionell in Szene gesetzt, sieht jedes Samenangebot verlockend aus. Mein Anforderungsprofil für die Sommerrabatten ist streng: Lang anhaltende Blüte, pflegeleicht, krankheitsresistent, es sollte bis im Spätherbst etwas «darstellen». Obwohl ich jedes Jahr Neuheiten ausprobiere, lande ich in den allermeisten Fällen immer wieder beim Altbewährten. Auch da kann es je nach vorherrschender Witterung vorkommen, dass die Tagetes verfaulen, die Zinnien vergrauen oder die Salvien kränkeln. Das verleiht dann den Cosmeen den nötigen Schub, um wild drauflos zu wuchern – jedenfalls entsteht dann ein anderes Blumenbild als der Phantomgarten vom Winter dannzumal.


Ruth Merk



Der Feldblumengarte, abgereift und stehen gelassen...


...nach einem wunderschönen Blütenmeer. (rm)


Löwenmäulchen im Sommer und -


als Samenvorrat im Winter. (rh)


Das Paraderosenbäumchen üppig am Blühen -


und in Winterstarre. (rm)


Samtrote Rosenblüten erblühen aus diesen unscheinbaren Unterlagen. (rm)



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