Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
5. Oktober 2018


Jeden Tag geben zwei Betriebe die Milchproduktion auf

Ausgabe Nummer 18 (2017)

54. Generalversammlung der Thurgauer GLIB

Im 2016 gewährte die GLIB rückzahlbare Investitionskredite von 12,5 Millionen Franken. Mit diesen Geldern sollen Strukturanpassungen der landwirtschaftlichen Betriebe vorgenommen werden.

Zu Beginn der 54. Generalversammlung der Thurgauer Genossenschaft für landwirtschaftliche Investitionskredite und Betriebshilfe (GLIB), im Kloster Fischingen, erklärte Präsident Markus Gubler, dass die GLIB auch im vergangenen Jahr ihre Mittel zielgerichtet im Rahmen des Gesetzes den Bauernfamilien zur Verfügung stellte. Die GLIB habe im Jahr 2016 rund 12,5 Millionen Franken neuer Kredite bewilligt, was fast gleichviel wie im Vorjahr (12,2 Mio. Franken) sei. Die Aufgabe der GLIB sei es, mit zinslosen rückzahlbaren Krediten die Strukturanpassungen zu erleichtern und die Betriebe zukunftsgerichtet zu unterstützen. Beim Bund konnten dieses Jahr keine zusätzlichen Mittel abgerufen werden, weil der minimale Kassabestand nicht überschritten wurde. Das heisse, die Rückzahlungen von 15 Mio. Franken haben ausgereicht, um die neu bewilligten Investitionskredite abzudecken.

Strukturwandel in der Milchproduktion
Gubler erklärte, dass der Kapitalbedarf seit 2013 rückläufig ist und 2015 nur zwei Projekte mit Investitionen in neue Milchviehställe eingereicht wurden. Damit erreichte die Investitionstätigkeit im Milchbereich einen absoluten Tiefstand. 2016 wurden wieder mehr, nämlich acht Projekte mit Investitionen in Milchviehställe unterstützt, je die Hälfte in Neubauten und die andere Hälfte in Um- und Anbauten. Der Strukturwandel bei den Milchbetrieben sei ungebrochen gross. Gesamtschweizerisch habe sich die Aufgabe der Milchproduktion in der Schweiz wie folgt verändert: 2014 hatte die Anzahl der Milchproduzenten um 893 abgenommen, auch 2015 gaben 832 Betriebe die Milchproduktion auf. 2016 waren es wiederum 778 Betriebe, welche die Milchproduktion einstellten. «Das heisst, dass mehr als zwei Betriebe pro Tag die Milchproduktion aufgeben», stellte Gubler fest.

Die Zahl der Milchproduktionsbetriebe halbiert
Seit 25 Jahren habe sich somit die Zahl der Milchwirtschaftsbetriebe halbiert. Das heisse, dass im Jahr 1991 gut 50 000 Betriebe nicht einmal ganz 60 000 kg Milch produzierten. «Jetzt sind es laut Statistik noch 20 300 Betriebe, die im Durchschnitt 160 000 kg Milch produzieren», gab Gubler bekannt. Während die GLIB im 2013 noch rund 19 Mio. Franken Investitionskredite bewilligte, sind es heute noch 12,5 Mio. Franken. «Laut Aussage von Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband, liegt das Einkommen in der Landwirtschaft zwischen ca. 30 bis 40 Prozent unter jenem in vergleichbaren Branchen », erklärte Markus Gubler.

Insgesamt gute Zahlungsmoral
Die Zahlungsmoral der aktuell 917 Kreditnehmer sei insgesamt gut, erklärte Werner Aus der Au, Geschäftsführer der GLIB. Dies sei wegen erlittener Ertragseinbussen infolge des nassen Frühlings und des trockenen Spätsommers nicht selbstverständlich. Aufgrund der 2014 eingeführten AP 2014 bis 2017 und dem damit verbundenen Transfer von Direktzahlungen vom Tal- ins Berggebiet bestehe zudem für viele Thurgauer Betriebe weiterhin eine Einkommenslücke. Der Wegfall von Tierbeiträgen an Raufutter verzehrende Tiere konnte von vielen Betrieben nicht kompensiert werden. Deshalb erfolgten auch 2016 wieder einige Anfragen bezüglich Zahlungsaufschub um einen bis zwei Monate, denen die Geschäftstelle in der Regel zustimmen konnte.

Kanton mit neu zwei Verwaltungsräten dabei
Nach seiner Wahl in den Regierungsrat nahm erstmals Regierungsrat Walter Schönholzer an der Generalversammlung der GLIB teil. Er stellte fest, dass bei der GLIB sehr gute Arbeit zugunsten der Thurgauer Landwirtschaft geleistet werde. Da Regierungsrat Walter Schönholzer auch andere Termine wahrnehmen muss, ist es wichtig, dass der Kanton verstärkt an den GLIB-Verwaltungsratssitzungen vertreten ist. So wurde Ueli Bleiker, Chef Landwirtschaftsamt, in den GLIB-Verwaltungsrat gewählt. Thematisiert wurden auch die grossen Kälteschäden der letzten Tage in Steinobst-, Beeren- und Weinbauanlagen. An einer GLIB-Sitzung sollen Möglichkeiten bezüglich Finanzierung für nicht versicherbare Schäden gesucht werden.


Mario Tosato

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