Ausgabe Nummer 35 (2004)

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Jobsharing auf dem Bauernhof

Mehr Schlagkraft dank einer ungewöhnlichen Arbeitsteilung
 
Jobsharing auf dem Bauernhof
 
Jobsharing ist ein neuartiger Begriff und bedeutet Arbeitsteilung. Dies wird auch auf
den meisten Landwirtschaftsbetrieben bereits vollzogen.Wichtig bei dieser Arbeitsteilung ist, die Arbeiten anhand der Neigungen und Fähigkeiten der vorhandenen Mitarbeiter zuzuteilen, damit möglichst ein positiver Effekt erzielt werden kann.
 
 
Heinz und Antonia Burgermeister bewirtschaften zusammen mit ihren fünf Kindern im Alter von 13 bis 21 Jahren in Wagerswil einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 50 Milchkühen und einem Milchkontingent von 340 000 Kilo. Die Aufzucht erfolgt auf dem Hof. Zudem werden pro Jahr ungefähr 60 Kälber gemästet. Nebst dem Futterbau werden die Flächen zur Produktion von je 3 Hektaren Silomais und Zuckerrüben genutzt.

Arbeitsteilung einmal anders
Auf dem silofreien Betrieb werden sämtliche Futterbauarbeiten immer noch durch den Betrieb selber ausgeführt. Es liegt auf der Hand, dass ein Hof mit dieser Produktionsmenge, trotz guter Mechanisierung und guter Arbeitsorganisation ohne Auslagerung eines beträchtlichen Teils der Arbeiten nicht von einer einzigen Person bewirtschaftet werden kann.Wie auf den meisten Höfen in der Schweiz stellt auch bei Burgermeisters die Ehefrau die notwendige zweite Arbeitskraft. Dies ist an und für sich nichts Aussergewöhnliches. Speziell daran ist, dass entgegen der landläufigen Praxis Antonia Burgermeister morgens und abends im Melkstand steht und Heinz Burgermeister die körperlich strengeren «Restarbeiten» wie Futtertisch reinigen, Kalber tränken und die Boxenpflege übernimmt. «Einerseits mache ich diese Arbeit gerne und habe ein Flair für die Kühe und andererseits ist sie körperlich viel weniger streng», erläutert Antonia Burgermeister die Hintergründe dieser Arbeitsteilung. Voraussetzung jedoch war, dass Heinz Burgermeister bereit war, das Melken und damit einen beträchtlichen Teil der Verantwortung zu delegieren. Der Grossteil der Herdenbeobachtung und die Auswertung der Daten der elektronischen Milchleistungserfassung und des Bewegungsmelders übernimmt jedoch weiterhin Heinz Burgermeister. Heute werden die verschiedenen Entscheide in der Tierhaltung wie Brunsterkennung, Stierenauswahl, Selektion der Tiere, usw. nicht nur gemeinsam gefällt, sondern beide Partner können dank ähnlichem Informationsstand auf gleichem Niveau argumentieren und zum richtigen Entscheid beitragen.

Verantwortungsteilung
Dank dieser Verantwortungsteilung können die Entscheide von zwei Fachleuten überdacht werden. Die herkömmliche Arbeitsteilung, wo die Ehefrau eher die einfacheren Arbeiten mit weniger Verantwortung übernimmt, lässt die oben beschriebene Verantwortungsteilung kaum zu, da die Frau keine Einsicht in wichtige Betriebsinformationen erhält. Antonia Burgermeister arbeitet aber auch bei sämtlichen anderen Arbeiten auf dem Hof mit, wo eine zweite Arbeitskraft notwendig ist (Tiere treiben, Traktorfahren während der Heuernte usw.) Im Gegenzug ist es für Heinz nichts Aussergewöhnliches, seiner Frau im Haushalt zur Seite zu stehen und bei Bedarf zu kochen und die Wäsche zu machen. Insgesamt schätzt Heinz seinen Einsatz im Haushalt auf eine Stunde pro Tag. Das heisst, dass nicht nur Antonia sämtliche tägliche wiederkehrende Arbeiten auf dem Hof ausführen kann, sondern, dass Heinz auch sämtliche wiederkehrende Arbeiten im Haushalt beherrscht. In dieser gegenseitigen Ersetzbarkeit sehen Burgermeisters einen weiteren gewichtigen Vorteil ihrer Arbeitsteilung: «Abwesenheiten des einen Partners stören unseren Betriebsablauf in keiner Weise.»

Bei Burgermeisters erfolgt die Aufteilung der Stallarbeiten anders als üblich.
(Bild: Christof Baumgartner)
 
Vorgehensweise ist allgemeingültig
Es ist klar, dass das Betriebsmodell der Familie Burgermeister nicht auf sämtliche Thurgauer Betriebe übertragbar und auch nicht in jedem Fall sinnvoll ist.Auf sämtliche Betriebe übertragbar und sinnvoll ist jedoch die Vorgehensweise der Burgermeisters, die Fähigkeiten und die Neigungen der Mitarbeiter in die Arbeitseinteilung, ohne festhalten an alten Zöpfen, miteinzubeziehen. Nicht selten kann so durch unkonventionelle Lösungen ein Betrieb schlagkräftiger organisiert und Lebensqualität gewonnen werden.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Christof Baumgartner
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