Ausgabe Nummer 31 (2007)

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Juli – ein Gehen und Kommen

Für viele Leute ist der Juli der Ferienmonat per se. Für viele Bäuerinnen und Landwirte aber alles andere als das. Für mich ist es der Monat der grossen Veränderungen.

Es ist der Monat, wenn die «alte» Lehrtochter geht und die «neue» kommt. Dies bedeutet, Abschied nehmen von einer lieb gewonnenen jungen Frau, aber auch Abschied nehmen von Gewohnheiten, Vertrautem und Selbstverständlichkeiten. Es ist die intensive Zeit der Vorbereitungen auf ein neues Familienmitglied, die aber auch mit Unsicherheiten verbunden ist. Das Ziel vor Augen, werden meine neue Lehrtochter und ich uns ab August gemeinsam auf den Weg machen. Wird er beschwerlich werden? Werden wir das Ziel erreichen? Gemeinsam? Auf Umwegen? Werden wir sogar übers Ziel hinausgehen? Ich bin mir bewusst, dass es für eine junge Frau nicht einfach ist, nach der Schulzeit in eine fremde Familie und Umgebung zu wechseln. Viel Neues kommt auf sie zu. Der Platz in der Familie muss gesucht werden, die Präsenzzeit ist lang, die Hausarbeit zehrt an den Kräften, und nach Feierabend muss frau sich noch hinter die Hausaufgaben machen. Desgleichen ist es für eine Lehrfamilie nicht einfach, jedes Jahr eine neue Person in Haus und Hof aufzunehmen und sich an deren Macken zu gewöhnen. Die Kinder haben da weniger Schwierigkeiten. Sie lassen es die Lehrtochter aber umso deutlicher spüren, ob sie ihnen passt oder nicht.

Es ist der Monat, in dem die Kinder gehen und kommen. Fussballcamp, Ferienpass, Ausflüge, Ferien bei Gotten und Grosseltern und Zuwachs durch die Landdienstlerin Vinciane aus dem französischsprachigen Wallis. Der durch den Schulbesuch weitgehend bestimmte Tagesablauf fällt weg. Das lässt Ferienstimmung aufkommen, auch wenn wir gar nicht in den Ferien sind. Nicht nur für mich, auch für die Kinder sind die Monate Juli und August eine Zeit der Veränderungen. Sie wechseln die Klasse, die Lehrkraft, neue Kameradinnen und Kameraden werden sich auf dem Schulweg zu ihnen gesellen. Für die einen beginnt der Musikschulunterricht, andere treten einem neuen Verein bei oder nehmen ein neues Hobby auf.

Auch auf unseren Feldern herrscht ein Gehen und Kommen. Das Getreide ist geerntet, das Stroh abgeräumt, Mistzetter, Grubber und Sämaschine fahren auf. Das Gleiche gilt für unseren Gemüsegarten. Beet um Beet wird abgeerntet und eingemacht, um Platz für andere Gemüse und Salate zu machen.

Dieses ständige Gehen und Kommen führt dazu, dass ich mich auch dieses Jahr wieder Ende Monat fragen muss: «Juli, wo bist du bloss geblieben?»

Andrea Heimberg Müller,
eidg. dipl. Bäuerin, Hörhausen


Andreas Heimberg Müller schreibt mehrmals jährlich in der Gastkolumne des
Andreas Heimberg Müller schreibt mehrmals jährlich in der Gastkolumne des "Thurgauer Bauern".