Ausgabe Nummer 41 (2005)

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Kampf gegen die Mäuse

Wühlmausbekämpfung mit maschineller Ausbringung von Rodentiziden?

Kampf gegen die Mäuse

An verschiedenen Orten führen hohe Wühlmausdichten zu Schäden an Kulturen. Besonders betroffen sind Wiesen, aber auch Obstanlagen. Die Bekämpfung der Wühlmäuse ist im Futter- und Obstbau eine Daueraufgabe und benötigt viel Zeit. Eine Chance auf Erfolg hat nur, wer rechtzeitig am Anfang einer Wühlmauspopulation eingreift. Denn Wühlmäuse verfügen über ein enormes Vermehrungspotenzial. Die verschiedenen bekannten Methoden haben alle ihre Vor- und Nachteile. Ihnen gemeinsam ist, dass es Handmethoden sind.

Alte Bekämpfungsmethode neu entdeckt

Vergangenes Jahr nun wurde eine alte Bekämpfungsmethode wiederbelebt. Ein gegenüber den 1980er-Jahren technisch verbesserter so genannter Wühlmauspflug kam auf den Markt. Mit dem am Traktor angekoppelten Wühlmauspflug werden künstliche Wühlmausgänge in einer Tiefe von zirka 10 bis 15 cm in den Boden gezogen, sodass sich natürliche und künstliche Gänge schneiden. Darin werden in regelmässigem Abstand vergiftete Köder (Rodentizide) abgelegt. Das eingesetzte Rodentizid enthält den Wirkstoff Bromadiolone (Mittel Arvicolon 200 CT oder Arvicostop 100), der im Körper der Wühlmäuse die Blutgerinnung hemmt. Durch die wiederholte Aufnahme des Giftköders führen die inneren Blutungen zum langsamen Tod der Wühlmäuse.

Mehr Nachteile als Vorteile

Der Vorteil der Methode liegt darin, dass mit dem Wühlmauspflug grosse Flächen maschinell behandelt werden können. Die Anzahl der Wühlmäuse kann kurzfristig um gut 90 Prozent reduziert werden. Die Dauerwirkung ist aber kurz. Es ist erwiesen, dass die künstlichen Gänge die Neubesiedlung behandelter Flächen mit Jungmäusen fördern. Der Einsatz von Rodentizid mittels Wühlmauspflug ist besonders problematisch, weil die breitflächige Anwendung ein grosses Risiko für die zum Teil geschützten Mäusefeinde (Fuchs, Katze, Hermelin, Mauswiesel, Bussarde, Milane, Falken, Eulen usw.) darstellt. Bei einer grossflächigen Anwendung der Köder können die Bestände der natürlichen Wühlmausfeinde stark dezimiert werden. Dass es zu Sekundärvergiftungen kommen kann, belegen aktuelle Untersuchungen aus dem Thurgau, welche die Jagd- und Fischereiverwaltung in Auftrag gab. Im Gebiet Oberthurgau wurden seit Anfang April 2005 ungewöhnlich viele tote Füchse ohne eindeutige Todesursache aufgefunden. Eine Stichprobe von 5 Füchsen wurde am Tierspital Zürich untersucht. Bei vier Tieren wurden als Todesursache innere Blutungen diagnostiziert. Bei drei Tieren konnte Bromadiolone im Blut beziehungsweise in der Körperflüssigkeit in zum Teil hohen Konzentrationen nachgewiesen werden. Durch eine Abnahme der natürlichen Feinde wird deren wertvolle Leistung vermindert und das ökologische Gleichgewicht gestört, was im Endeffekt zu noch mehr Mäusen führt.

Einsatz von Wühlmauspflügen gesetzlich stark eingeschränkt

Das neue Chemikalienrecht (seit 1. August 2005 in Kraft) regelt den Einsatz von Rodentiziden klar (Art. 4 und 5 Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung). Danach ist die berufliche oder gewerbliche Anwendung von Rodentiziden bei überbetrieblichem oder maschinellem Einsatz bewilligungspflichtig (Art. 4). Eine Anwendungsbewilligung kann nur erteilt werden, wenn bei der geplanten Anwendung keine Gefährdung der Umwelt zu befürchten ist (Art. 5).
Das Mittel Arvicostop 100 darf nur im Feldbau (Wiesen und Weiden) eingesetzt werden. Es ist das einzige Präparat, das mit dem Wühlmauspflug ausgebracht werden darf. Für den Einsatz des Mittels braucht es eine Bewilligung der Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie. Das Mittel Arvicolon 200 darf nur im Obst- und Weinbau durch Ausbringen von Hand oder mit dem Handlegegerät für die Behandlung kleiner Mäuseherde eingesetzt werden.
Für die Praxis heisst das, dass im Obst- und Rebbau der Wühlmauspflug nicht eingesetzt werden darf (kein Präparat bewilligt). In Wiesen und Weiden ist der Einsatz des Wühlmauspflugs zwar theoretisch möglich. Eine Anwendungsbewilligung kann aus oben dargestellten Gründen jedoch nicht in Aussicht gestellt werden. Es bleibt nur die Möglichkeit, die klassischen Methoden der Wühlmausbekämpfung einzusetzen. Gute Information dazu findet man im Internet unter www.agff.ch.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie, Hermann Brenner
Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau, Roman Kistler