Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Keine bürokratischen Schikanen

Ausgabe Nummer 10 (2016)

Regionaler Begegnungsabend –gesundes Wachstum in der Wirtschaft und der Landwirtschaft

Ob Gwerbler oder Landwirt, beide sind unzufrieden mit den politischen Rahmenbedingungen und wünschen sich mehr Spielraum in ihrem Tun und Handeln.

Eines vorweg. Auch wenn die beiden Politiker Josef Gemperle (CVP) und Hansjörg Brunner (FDP) in den politischen Debatten oft das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben, auf dem Podium im katholischen Pfarreisaal in Eschlikon überwogen die Gemeinsamkeiten bei weitem. Die von Thomas Bachofner, Leiter tecum, moderierte Veranstaltung, fand im Rahmen der regionalen Begegnungsabende zu den Themen Natur und gesundes Wachstum in der Wirtschaft und der Landwirtschaft statt und wurde von knapp 30 Interessierten besucht. Auf die Frage, was die beiden Politiker voneinander lernen können, sagte Hansjörg Brunner, Unternehmer und Eigentümer der Firma Fairdruck in Sirnach: «Ich bewundere die Geduld, die es in der Landwirtschaft braucht.» Als Gwerbler sei er sich gewöhnt, alles selber zu steuern und alles selber im Griff zu haben, deshalb sei Geduld keine Stärke von ihm. Auch als Präsident des Gewerbeverbandes setze er sich für die Wirtschaftsförderung ein. Wenn die jetzigen Lohnsummen aufrecht erhalten bleiben sollen und die Renten und Arbeitsplätze gesichert werden müssen, brauche es Wachstum, ist er überzeugt.

Immer mehr Siedlungs- und Ökoflächen
Für den Landwirt Josef Gemperle aus Buhwil sind es die effizienten Betriebsabläufe und das frühzeitige Erkennen von Chancen im Markt, die er von der Wirtschaft lernen will. In der Landwirtschaft kenne man die Natur und ihre eigenen Gesetze und sei sich bewusst, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Auch wenn ein Bauer zuerst säen und dann erst ernten könne, seien Landwirte ebenso Unternehmer, die ständig ihre Betriebsabläufe verbessern, Investitionen tätigen und generationenübergreifend denken.
Ihm seien geschlossene Kreisläufe, eine effiziente Energiebewirtschaftung, keine überbewerteten Gebäude und eine realistische Raumplanung wichtig. Was ihn ärgert ist das «Hü und Hott» in der Landwirtschaftspolitik. «Siedlungsflächen nehmen zu und Ökoflächen ebenfalls.» Deshalb werde der Kampf um das noch verbleibende Land immer grösser und die Landwirtschaftspolitik zwinge die Landwirte zu immer extensiverem Bewirtschaften.
Gemperle ist überzeugt: «Die Politik mischt sich zu stark ein und ist kein verlässlicher Partner.» Es sei falsch, wenn Landwirte gezwungen werden, die Nahrungsmittelproduktion zugunsten von Ökoflächen, und damit zu höheren Direktzahlungen, zu verringern. Die Landwirtschaft sei zum Produzieren von Nahrungsmitteln da und die Bauern dürfen nicht zu Landschaftsgärtnern degradiert werden, gab er sich kämpferisch.

Zu viele Einschränkungen
Brunner seinerseits ist froh, dass er nicht Landwirt ist und damit unabhängig von Direktzahlungen. Trotzdem ärgern ihn allzu viele Einschränkungen, die er als Unternehmer ebenfalls erfährt. «Wir brauchen keine Schikanen und hohe Regulierungskosten», sagte er deutlich. Das Gewerbe habe oft zu wenig Spielraum und die Eigenverantwortung werde beschnitten. Beide Parteien störten sich an dem zu grossen Verwaltungsapparat.
In der Diskussion wollte ein Anwesender wissen, ob sie sich auch Gedanken machten über das Ende ihres Lebens. Brunner fühlt sich mit seinen knapp 50 Jahren mitten im Leben und denkt kaum darüber nach. Gemperle (56) hingegen ging das Sterben seiner Mutter nah, und daher beschäftigt er sich seither öfters mit dem Tod. Zuversicht, sein Glaube und gute Gedanken helfen ihm, der Zukunft getrost entgegenzusehen. Als Vermächtnis will er seinen Enkeln einmal einen gesunden Betrieb weitergeben und das Versprechen, dass er als Landwirt, als Bürger und als Politiker alles in seiner Macht Stehende getan habe, für eine nachhaltige Energiepolitik der künftigen Generationen. Hansjörg Brunner will der nächsten Generation eine bessere Umwelt weitergeben, als in die er vor 50 Jahren hinein geboren wurde. Als Unternehmer weiss er nicht, ob in seinem Betrieb in weiter Zukunft noch Druckerzeugnisse hergestellt werden. Der Markt könne neue Geschäftsfelder eröffnen und neue Perspektiven bieten.


Ruth Bossert







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