Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
21. September 2018


Keine einseitigen Bauernopfer

Ausgabe Nummer 23 (2016)

Thurgauische Volksinitiative «Kulturlandschutz/LN/FFF bei Gewässerkorrektionen»

Für das Initiativkomitee der kantonalen Volksinitiative Kulturlandschutz fehlt bei der geplanten zweiten Thurkorrektion der Schutz des Kulturlandes und die Vermeidung von Kulturlandverlusten als Projektziele.

Hinter der kantonalen Volksinitiative «Kulturlandschutz / Landwirtschaftliche Nutzfläche / Fruchtfolgefläche bei Gewässerkorrektionen» stehen Vertreter des Bundes der Steuerzahler Schweiz (BDS), Landwirte der neuen Bauernkoordination Schweiz (NBKS) sowie Hans Uhlmann, alt Ständerat; Moritz Tanner, alt Kantonsrat und Andreas Guhl, Kantonsrat. Fast das ganze Initiativkomitee (sowie Hans Bieri, Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung Industrie und Landwirtschaft, als Gast) war an der von Thomas Gemperle, Vorstandsmitglied des BDS Thurgau, am 1. Juni organisierten Medienorientierung in Weinfelden präsent. Das Komitee will auf breiter Ebene auf die Forderung nach einem massvollen Hochwasserschutz aufmerksam machen.

Renaturierung übt Druck aus
Um die Anliegen der Initiative zu veranschaulichen, wurde eine Carfahrt mit Besichtigung von Vorland und Thurdamm (Gebiet bis zur Badi Weinfelden) unternommen. Andreas Guhl, Landwirt und Kantonsrat aus Oppikon, sagte, wenn die Thur jetzt renaturiert werden soll, werde zu Ungunsten der Landwirtschaft bestes Kulturland dafür beansprucht. Das Siedlungsgebiet im einstigen Thurstromgebiet soll geschützt werden, das greife jedoch zu kurz: Eine ursprüngliche Situation, wie sie bei der ersten Besiedelung des Thurtals vor rund 200 Jahren herrschte, werde es ohnehin nie mehr geben. Er betonte, dass mit der kantonalen Volksinitiative Kulturlandschutz ein Zeichen gesetzt werden soll, denn die LN-Fläche dürfe nicht weiter unter Druck geraten. Es sei aber davon auszugehen, dass die Renaturierung Druck ausübe und der Verbrauch an landwirtschaftlicher Nutzfläche steige. Die Interventionslinie tangiere bestes Kulturland, ein Umstand der nicht akzeptabel sei. Das Volk solle über den Umfang des Kulturlandverlustes und die dadurch entstehenden Kosten abstimmen können, meinte Andreas Guhl. Für Heinrich Frei, Vize-Präsident des BDS, ist die Renaturierung von Gewässern an sich eine fragwürdige Angelegenheit. Die Gesamtsanierung der Thur wird seitens des BDS als masslose Geldausgabe bezeichnet, die jeglicher fundierten Grundlage, Berechtigung und Nutzen entbehre.

Hochwasserschutz – nur ein Vorwand?
Hans Stalder, Landwirt aus Rothenhausen, rief in Erinnerung, dass die betroffenen Bauern bereits vor zehn Jahren bei der ersten Begehung mit den kantonalen Ämtern ein sorgfältig erarbeitetes Hochwasserschutzprojekt vorstellten. Dies beinhaltete im Einzugsgebiet einen Staudamm oder mehrere Rückhaltebecken, um Hochwasserspitzen zu brechen. Keines der seinerzeit von den Bauern vorgebrachten Anliegen habe Gehör gefunden bei den zuständigen Ämtern. Der Kulturlandverlust sei praktisch ungebrochen fortgeschritten. Fruchtbare und jahrzehntelang kultivierte Ackerböden werden ein Raub der Fluten, der angebliche Hochwasserschutz bewirke seiner Meinung nach das Gegenteil. Für Hans Stalder zeigt sich anhand von Beispielen, wie bei der Verbreiterung kleiner Bäche (zum Beispiel der Giessen, zwischen Mauren und Weinfelden) um bis zu 40 Meter, dass es gar nicht um Hochwasserschutz, sondern vielmehr um eine fragwürdige Renaturierung gehe. Dabei müsste eigentlich dem Schutz des Kulturlandes, und damit verbunden letztlich der Ernährungssouveränität, höchste Priorität beigemessen werden. Jörg Rechsteiner, Landwirt aus Rothenhausen, betonte, dass die betroffenen Landwirte nicht generell gegen den Hochwasserschutz seien, eine realitätsfremde Politik aber nichts nütze. Mit den vorgesehenen Projekten des Kantons würde, und dies erst noch mit unverhältnismässig hohen Kosten, zu viel Kulturland vernichtet. Bis am 6. November 2016 hat das Initiativkomitee Zeit, 4000 Unterschriften zu sammeln, damit das Thurgauer Volk über die Gewässerkorrektionen abstimmen kann.
Weitere Informationen unter: www.ig-thur.ch


Isabelle Schwander










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