Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
14. Februar 2020


Keine merkliche Verbesserung bei den Milchbauern

Ausgabe Nummer 4 (2020)

Jahreshauptversammlung Swiss Herdbook

Swiss Herdbook ist der grösste Rinderzuchtverband der Schweiz. Die Delegierten der Sektion Ost trafen sich im Restaurant Rössli in Illnau-Effretikon zur Jahreshauptversammlung.

Bei der Milch gab es im letzten Jahr keine merkliche Preiserhöhung, obwohl die Produktion unter dem Vorjahr lag und die Milch gesucht war. «Es ist sehr erstaunlich für einen normal denkenden Milchbauer wie mich und nicht nachvollziehbar», sagte der Hallauer Berghofbauer René Alder. Der Sektionspräsident Ost von Swiss Herdbook bemerkte, dass die Hochdorfgruppe nach Fehlinvestitionen im Ausland mächtig aus den Fugen geraten sei und kritisierte die Migros, die nicht bereit war, marktkonforme Preise in der Schweiz zu bezahlen und Butter stattdessen importierte. «Deklariert wurde das Ganze unter dem Begriff Rohstoffmangel. So geht das nicht!», schimpfte Alder. Er erwähnte, dass der Kuhbestand in der Schweiz im letzten Sommer bei rund 535 000 Tieren lag, was einen historischen Tiefpunkt bedeutet. Im Kanton Thurgau gibt es aktuell 207 Betriebe mit 6635 Herdebuchtieren, wobei knapp über die Hälfte Red-Holstein-Rinder sind. Es gibt 58 Einzelmitglieder und 207 Betriebe, die der Sektion Ost angeschlossen sind.

Bei den Finanzen ist alles im grünen Bereich
Im Jahresrückblick erwähnte Alder die weiblichen Zuchtfamilienschauen in den Kantonen Thurgau, St. Gallen und Zürich, die Ostschweizer Fleckviehauktionen in Frauenfeld, die Vier-Rassen-Schau in Weinfelden und den Züchternachmittag bei der Familie Oeler in Bischofszell. Alder ging auch auf die Verbandstätigkeiten 2020 ein. Am 25. März und am 11. November sind die Auktionen in Frauenfeld und am 26. September gibt es die Vier-Rassen-Schau in Weinfelden. Die Jahresreise führt die Viehzüchter an den Wolfgangsee ins Salzkammergut, wo einige Betriebe besichtigt werden. Nicolas Roth aus Amriswil berichtete von einem guten Vereinsjahr mit zahlreichen geselligen und züchterischen Anlässen der Ostschweizer Jungzüchter. Der Kassier Josef Bruhin präsentierte die Jahresrechnung 2019 und das Budget 2020. Die Betriebsrechnung 2019 weist bei Ausgaben von 7269 Franken einen Verlust von 2565 Franken aus, wodurch sich das Vermögen auf 24 328 Franken reduzierte. Die Jahresrechnung «Reisen» schloss mit einem Defizit von 1709 Franken ab, und somit ein Gesamtdefizit von 4274 Franken entstand. Das Budget 2020 sieht bei Ausgaben von rund 7500 Franken einen Verlust von rund 4200 Franken vor. Da das Eigenkapital weiter abgebaut werden soll, wurde der Mitgliedsbeitrag bei 20 Rappen pro Herdenbuchtier beibehalten. Jahresrechnung und Budget wurden einstimmig angenommen.

Viele Delegierte glänzten durch Abwesenheit
Der Dachverband Swiss Herdbook besteht aktuell aus 565 Viehzuchtgenossenschaften und -vereinen, was zehn weniger als im Vorjahr sind. Die aktiven Rinderzuchtbetriebe haben sich im letzten Jahr um 184 auf 9087 Betriebe verringert, dafür hat sich die Zahl der Einzelmitglieder um 41 auf 866 erhöht. Besorgt äusserte sich Alder über die Zunahme der Einzelmitglieder, da sich die Viehzuchtvereine in den jeweiligen Heimatgemeinden aktiv am Dorfgeschehen beteiligen und die wegfallenden Mitglieder fehlen. Von den 146 stimmberechtigten Delegierten kamen lediglich 60 an die Jahreshauptversammlung, was im Vorjahr allerdings auch nicht besser war. Alder zog es in Betracht, künftig die Anzahl der Delegierten zu reduzieren. Ebenso könnte er sich vorstellen, die Vorstandschaft weiter zu verkleinern, nachdem sie bereits von sieben auf fünf Mitglieder reduziert wurde.

Zahlreiche leistungsstarke Milchkühe
Matthias Schelling, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Dachverbandes, vergab 43 Plaketten für Kühe mit einer Lebens-Gesamtmilchleistung von 100 000 Kilogramm. Von den 37 ausgezeichneten Ostschweizer Milchviehbetrieben kamen 14 aus dem Thurgau. «Dazu braucht es viel Arbeit und Pflege und auch ein bisschen Glück», lobte Schelling die Milchbauern. Der Verbandspräsident Markus Gerber sieht die elektronische Datenübermittlung als eine der grossen Herausforderungen der Bauern für die nächsten Jahre. Im Anschluss an die Delegiertenversammlung hielt Jürg Guggisberg, Geschäftsführer der Barto AG, diesbezüglich ein Referat, bei dem er die Plattform Barto mit neuen Tools und Bausteinen vorstellte. «Wer weniger im Büro sein muss, hat mehr Zeit für die Tiere», sagte Guggisberg, der auch bei der «Tier & Technik» in St. Gallen vertreten sein wird.


Text und Bilder: Thomas Güntert







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