Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Keine Regel ohne Ausnahmen

Ausgabe Nummer 35 (2018)

Rebbegehung in Thayngen

Am Abend des 16. Augusts besammelten sich rund siebzig Interessierte und fünf Referenten bei den Rebbergen «Im Stoffler». Eingeladen, begrüsst und eingeführt wurden sie durch Ernst Hübscher, Präsident des Weinbauvereins Thayngen und Markus Leumann, Leiter der Fachstelle Weinbau TG/SH.

Markus Leumann ging sofort auf das Thema Hitze ein, die nicht derjenigen im Jahr 2003 gleiche. Regenfälle, Gewitter und Hagel seien heuer sehr lokal, und so sei die Situation von Standort zu Standort verschieden. Was die Zukunft bezüglich Klima bringe sei ein grosses Fragezeichen. Die aktuelle Lage in den Reben sei gut. Diese seien durch die Hitze zwar strapaziert. Auch die Kirschessigfliege (KEF) sei in Lauerstellung. Bis zur Weinlese, die bereits Ende August beginne, sei weiterhin viel Achtsamkeit gefordert.

Themen an vier Posten
Erfahrungen mit der Standortveredelung von alten Reben sowie dem Einsatz von Bewässerungssystemen erläuterte Thomas Stamm, Weinstamm Thayngen. Die Kosten der Veredelung sind etwa gleich wie bei einer Neuanpflanzung. Der Vorteil sei, dass dank der vorhandenen, gut entwickelten Wurzeln die Erfolgsquote hoch ist. Bei guten Unterlagen beträgt sie 95 %. Bewässerung ist für den Thaynger Rebbauer eine Frage der Qualitätssicherung.
Ausführungen zum richtigen Zeitpunkt der Traubenlese lieferte Peter Zitt, Rebberater. Im Hitzejahr 2003 habe man, um hohe Oechslegrade zu erzielen, zu lange mit der Lese gewartet und damit einen zu starken Säureabbau provoziert. Zitt empfiehlt Säuregrade von pH 3 bis 3,5 und Oechslegrade von maximal 80 für Riesling Sylvaner sowie 95 bis 100 für Blauburgunder. Weiter schilderte er positive (zum Beispiel kühle Nächte, ausgewogene Reben, Wasser und Düngung) und negative (zum Beispiel warme Nächte, zu wenig Luft für die Stöcke) Faktoren für die Aromabildung.
Beat Schindler, Syngenta AG, widmete sich dem Thema Botrytis und deren Bekämpfung. Die Gefahr sei noch nicht gebannt. Regen auf die hitzegestressten Trauben könnte zu Rissen und erneut zum Pilzbefall führen. Der Referent plädierte auch für ein massvolles Auslauben um einen Schockzustand der Reben zu vermeiden.
Entwicklung und Bekämpfung der Traubenwickler war Thema der Ausführungen von Jens Adank, Leu & Gygax AG. In Deutschland beobachte man aktuell, dass der Schädling im Jahr nicht nur zwei- sondern neu auch drei Generation bilde. Dies müsse man in Zukunft im Auge behalten, so Adank.

Abschluss im neuen Weinbaubetrieb
Nach der Rebbegehung versammelten sich alle in der Halle des neuen Weinbaubetriebes der Familie Stamm an der Tonwerkstrasse 4. Dort beleuchtete Ugo Tosoni, Leiter der GVS Gruppe, den Schweizer Weinmarkt. Die Grossverteiler sind stark im Weingeschäft. Zwei Drittel der verkauften Weine kommen aus dem Ausland. Das werde etwa so bleiben. Das Online-Geschäft werde langsam zunehmen. Den lokalen Produzenten bieten sich Chancen in der Regionalität und vor allem der Qualität ihrer Weine sowie einer guten, ansprechenden Information der Konsumenten via Internet.
Berechtigt stolz stellte Thomas Stamm seinen neuen Weibaubetrieb vor. Es ging darum mehrere, dezentrale Standorte zusammenzulegen, Betriebsabläufe stark zu vereinfachen und so in die Zukunft zu investieren. Dabei soll ein weiterer Ort des Weinerlebnisses für und nicht etwa gegen die Region entstehen. Immerhin wurde der beeindruckende Neubau ja auch durch regionale Handwerker und mit viel Holz aus der Region erstellt. Die Einweihung findet am 31. August und 1. September 2018 statt.
Bei Speis und Trank, vorbereitet und serviert durch die Mitglieder des Weinbauvereins Thayngen, blieb dann auch noch Zeit für Geselligkeit und zum Fachsimpeln. Die Referenten vermittelten viele, wertvolle Hinweise und Tipps. In den Diskussionen zeigte sich immer auch, dass es im Weinbau keine Regel ohne Ausnahmen gibt. Vieles ist abhängig von Sorten, Reblagen, deren Umgebung, der Bodenbeschaffenheit, natürlich vom Wetter und nicht zuletzt auch von den Erfahrungen, Ideen und Vorlieben der Rebleute.


Für den Weinbauverein Thayngen
Richard Sommer










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