Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Kirschessigfliege im Weinbau mit Netzen fernhalten

Ausgabe Nummer 32 (2016)

Im Regentrebberg am Strickhof in Wülflingen wird in diesen Tagen ein grossflächiger Versuch mit sehr feinmaschigen Netzen angelegt, um die Kirschessfliege von den Trauben fernzuhalten.

In diesem Jahr deuten leider alle Vorhersagen darauf hin, dass diesen Herbst in den Weinbergen die Kirschessigfliege (KEF) wieder zu einem Problem werden könnte. Während die direkte Bekämpfung dieser kleinen Taufliege sehr schwierig ist, setzt die Fachwelt auf die Eindämmung, respektive Bekämpfung, mittels Prävention. Eine dieser Möglichkeiten ist der Einsatz sehr feinmaschiger Netze, wo die Fliege keinen Durchschlupf findet. «Für diesen Netzversuch eignet sich die Regentparzelle in Wülflingen, etwas abseits und isoliert vom eigentlichen Schulrebberg, ideal», erklärt Rebbaukommissär Andreas Wirth. Besonders diese Neuzüchtung wird von der KEF bevorzugt, und die gefährdete Traubensorte könnte im Falle eines starken Flugbefalls wertvolle Ergebnisse bezüglich dieser Schutzmethode liefern. Ein ähnlicher Versuch mit grossflächiger Gesamtüberdeckung der Reben wird zugleich auch in Weinfelden durchgeführt. Doch dafür sind massive Traggerüste notwendig. Im Wülflinger Versuch werden die Schutznetze seitlich an die Laubwand angebracht. So wird die Traubenzone abgedeckt, wobei der materielle sowie der Arbeitsaufwand auch beachtlich sind. Damit die Netze gut gespannt und straff aufgehängt werden können, müssen zwei zusätzliche Spann- respektive Tragdrähte (einer auf rund 30 bis 50 cm Bodenhöhe und der andere oberhalb der Traubenzone) gespannt werden.
Grundsätzlich gehören zu den präventiven Bekämpfungsmassnahmen auch eine durch Auslauben gut durchlüftete Traubenzone und ein Tiefhalten des Unterwuchses. Damit soll der angestammte Lebensraum der Taufliege möglichst eingeschränkt oder ihr gar entzogen werden.

Dreiteiliger Versuch
«Wir legen den Versuch in dieser kleinen Parzelle dreiteilig und abwechslungsweise an, um möglichst wertvolle Resultate für den Vergleich zu erhalten», erklärt Jakob Schierscher von der Fachstelle Rebbau am Strickhof. In einem Drittel werden die Netze oben und unten möglichst lückenlos zusammengeheftet, um die Fliege vor dem Absitzen und Ablegen ihrer Eier auf den Beeren zu hindern. Im zweiten sind sie nur am unteren Spanndraht vollständig geschlossen und oben nur einfach geheftet. «Hier ist die Idee, dass man vor der Lese die Seitennetze sorgfältig zusammenrollt und am unteren Draht befestigt », führt Schierscher aus. Schlussendlich wird der letzte Drittel als Nullparzelle gar nicht gedeckt, um zu sehen, wie stark der Flug ist.
Um aber exakte Resultate zu erhalten, wird auch das Auszählen, Überwachen und Auswerten eine grosse Herausforderung sein. Bereits während der laufenden Beeren- und insbesondere Kirschenernte mussten die Beeren- und Steinobstproduzenten bezüglich Schäden erste unerfreuliche Auswirkungen feststellen und tragen. Es zeigt sich nun aber immer mehr, dass auch die Rebleute mit diesem exotischen Schädling leben lernen müssen, nachdem er 2014 mit gewaltigem Schadenspotenzial aufgetreten war. Dank dem heissen Sommer und der eher frühen Lese war die Fliege im 2015 kein Thema. Doch nun sorgen die aktuellen Fangzahlen der KEF analog zu 2014 für grösste Anspannung. Ein heisser und trockener Spätsommer und Herbst könnten aber noch etwas Abhilfe schaffen und den Befallsdruck mindern.


Roland Müller







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