Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Kirschessigfliege (KEF): Ruhe vor dem Sturm?

Ausgabe Nummer 26 (2015)

Momentan sind die Fangzahlen im Kanton Thurgau und Schaffhausen immer noch relativ verhalten. Das Nahrungsangebot nimmt nun mit der Kirschenernte stark zu und bereits sind erste Befallsmeldungen eingetroffen und bestätigt. Die Vermehrungsrate der Kirschessigfliege ist in reifen Kirschen besonders hoch. Mit geeigneten Massnahmen kann die beginnende Massenvermehrung reduziert und hinausgezögert werden.

Das KEF-Monitoring am BBZ Arenenberg wird über das ganze Jahr aufrechterhalten. Momentan sind über 40 Fallen an mehr als 15 Standorten über den ganzen Kanton verteilt im Einsatz. Dabei wird versucht, die ganze Früchtepalette zu überwachen. Ein Schwerpunkt liegt momentan aber ganz klar bei den Kirschen.

Einnetzung mit Insektenschutznetzen
Bereits im letzten Jahr wurden mit engmaschigen Insektenschutznetzen gute Wirkungen erzielt. Diese Massnahme bildet eine Barriere für den Zuflug von aussen, wenn die Maschenweite (kleiner/gleich) 1,3 mm ist. Der beste Schutz wird dann erzielt, wenn das seitliche Insektenschutznetz mit dem Witterungsschutz (Hagelnetz und Regenfolie) kombiniert wird. Es darf aber nicht hinwegtäuschen, dass einzelne Kirschessigfliegen mit eingenetzt werden, vor allem bei später Einnetzung. Grundsätzlich halten sich die KEF gerne in den Kirschenanlagen auf, weil ihnen die «buschigen» Bäume genügend Schutz und Schatten garantieren und an Nahrungsangebot fehlt es ihnen durch die Saftausscheidungen an Blättern und Holz auch nie. Die Entwicklung der Larven in den reifen Kirschen verläuft schnell und praktisch ohne «Verluste» für die Fliege, weil der pH-Wert der Früchte im optimalen Bereich liegt.
Auf Empfehlung des BBZ Arenenberg wurden bereits im 2015 viele Kirschenanlagen mit Insektennetzen ausgerüstet. Wichtig ist, dass die Einnetzung frühzeitig (ab Schorniggelstadium) erfolgt. Somit kann die geschützte Anlage zusätzlich mit den Becherfallen «leergefischt» werden. Nach dem Farbumschlag der Kirschen sind die Früchte zu attraktiv für die Kirschessigfliege und die Fallen verlieren ihre «Fängigkeit». Um die Befallssituation vor der Ernte in der Kirschenanlage genau zu kennen, reicht es deshalb nicht, einfach die Becherfallen auszuwerten. Kurz vor Erntebeginn ist ein einfacher Salzwassertest (50 Kirschen in ein durchsichtiges Litermass und 300 g Salz) aussagekräftiger. Nach 2 Stunden sind die Maden bei Befall an der Wasseroberfläche erkennbar.

Unterstützung der Einnetzung durch den Kantonalen Pflanzenschutzfonds
Der Kanton Thurgau führt einen Pflanzenschutzfonds zur Deckung von Schäden durch Schadorganismen, insbesondere durch Engerlinge und Feuerbrand. Aus dem Pflanzenschutzfonds können auch Zahlungen an die Kosten von Vorbeugemassnahmen geleistet werden. Der Regierungsrat hat nun Ende Mai die finanzielle Unterstützung der Einnetzung gegen die KEF bewilligt. Es wird ein Pauschalbeitrag von 1500 Franken pro Hektare an die Kosten für eine nach dem 1. Januar 2015 erfolgte Totaleinnetzung von Steinobstanlagen ausbezahlt. Wer ein Insektenschutznetz installiert hat, kann beim Pflanzenschutzdienst (Telefon 071 663 33 12 oder rosmarie.keller@tg.ch) ein Gesuchsformular bestellen.

H. Brenner

Hygienemassnahmen auch im Feldobstbau
Nicht geerntete Bäume oder zu spät geerntete Früchte sind Brutstätten für die KEF und gefährden heranreifende Kulturen aller Art. Reife Früchte müssen zum optimalen Pflückzeitpunkt konsequent abgeerntet werden. Befallene Früchte fachgerecht entsorgen (Gülleloch, Gärfass, Biogasanlage oder KVA; nicht kompostieren!).
Neben allen flankierenden Massnahmen ist bei nachweislichem Auftreten der Kirschessigfliege (Monitoring) im Feldobst auch die chemische Bekämpfung einzuplanen. Zugelassen sind ausschliesslich die Mittel, welche in der Allgemeinverfügung 2015 für Steinobst gelistet sind.
Die KEF-Strategie ist in Kirschen optimal mit der Kirschenfliegenbekämpfung (Nebenwirkung auf die KEF) abzustimmen, welche vier und zwei Wochen vor der Ernte mit den bewilligten Mitteln konsequent durchzuführen ist. Bei Fängen in den Überwachungsfallen oder bei Fruchtschäden (Salzwassertest) sind spezifische Behandlungen gegen die KEF einzuplanen. Wichtig ist die letzte Behandlung eine Woche vor dem geplanten Erntetermin. Einige Pflanzenschutzmittel haben Auflagen gegenüber Gewässern, Verfütterung bei Vieh und sind bienengiftig. Die Verantwortung liegt in jedem Fall beim Anwender.
Weitere Informationen finden sie im Web unter www.drosophilasuzukii.agroscope.ch. Bei Fragen zur individuellen Bekämpfungsstratgie stehe ich ihnen gerne zur Verfügung: Telefon 071 663 33 03 oder reto.leumann@tg.ch


BBZ Arenenberg,
Berater Obstbau,
Reto Leumann













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