Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
5. Oktober 2018


Kirschessigfliege war und bleibt ein Sorgenkind

Ausgabe Nummer 10 (2015)

Rück- und Ausblick am Thurgauer Weinbautag

Am Thurgauer Weinbautag auf dem Stelzenhof, Weinfelden, wurde Rückschau und Ausblick auf die Kirschessfliege gehalten. Dabei wurde deutlich, dass wir mit diesem Schädling weiterhin leben müssen.

«Das hochrangig besetzte internationale Symposium zur Kirschessigfliege in Offenburg am 20. Februar hat uns gezeigt, dass wir Schweizer in guter Gesellschaft sind, international werden überall ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Kirschessigfliege wird die Winzer in Zukunft jedes Jahr beschäftigen, die Frage ist, wie stark. Die Kirschessigfliege ist kein gewöhnlicher Schädling, es braucht wahrscheinlich neue, innovative Ansätze für eine nachhaltige Bekämpfung. Deshalb müssen wir gemeinsam gegen die Kirschessigfliege vorgehen», waren die Schlussgedanken von Rebbaukommissär Markus Leumann, zum Fachteil Kirschessfliege am Thurgauer Weinbautag.
Nach den Erfahrungen im Jahr 2013 nahm man an, dass sich für den Schweizer Weinbau keine Gefahr abzeichnet. Doch es kam bekanntlich anders, wie Leumann rückblickend feststellte. Der milde Winter, der frühe Saisonstart, der allgemein hohe Fruchtansatz mit einem Überangebot an Früchten und die schlechte Witterung kamen der Kirschessfliege entgegen. «Wir müssen nun aus den Erfahrungen von 2014 für die Strategie 2015 Schlüsse ziehen», machte Leumann deutlich. Unter aktiver Begleitung der Kantone sind das Bundesamt für Landwirtschaft und die Forschung mit Agroscope gefordert, die Strategie aufzuzeigen. Bereits im April und Mai erwartet Leumann erste Entscheide. Für die sehr wichtigen Forschungsprojekte sind die notwendigen Gelder beim Bund in Abklärung. Zudem werden im Kanton Thurgau Überlegungen zur Finanzierung über den Pflanzenschutzfonds angestellt. «Wir müssen aber beim Feststellen der Schadschwelle früher als im Vorjahr sein, indem bereits bei der Eiablage gehandelt werden kann», machte Leumann deutlich. Dafür soll das kantonale Monitoring optimiert werden. Gleichzeitig werden die Winzer angehalten, regelmässig am Reifebeginn Befallskontrollen vorzunehmen. Vorerst kann keine Entwarnung gegeben werden. «Wir mussten feststellen, dass bis Ende Januar Fliegen gefangen worden sind», so Leumann. Man wisse, dass sich die Fliegen über die kalten Wintermonate zu eher grösseren Exemplaren verwandeln, welche bis zu –25 °C vertragen können.

Kellereien sind auch gefordert
Nicht nur Rebleute, sondern auch Kellereien sehen sich neuen Herausforderungen gegenüber. «Wir müssen auf allen Stufen Klartext reden», so Hermann Steitz von den Volg-Weinkellereien. Er war ebenfalls in Offenburg und hat dort einiges erfahren. Die Fliege schätzt eher tropisches Wetter. Im Winter überlebt sie besonders im Wald und ernährt sich von Hefen und Proteinen, welche auf bestimmten Baumarten zu finden sind. Man weiss auch, dass das natürliche Umfeld der Rebberge von grösster Bedeutung ist. Wilde Beeren und auch Steinfrüchte sind für die Fliegen der beste Lebensraum. «Aufgrund aller Erkenntnisse ist der Respekt vor dieser Fliege gestiegen, denn wir wollen trotz ihrem Schaden Wein machen », hielt Steitz fest. Eine klare Absage erteilte Steitz dem Kalkeinsatz, weil dieser keine Probleme löst, sie aber allenfalls in den Keller verlagert. «Der Kalk ist kein Pflanzenschutzmittel. Er steigert einzig den pH-Wert des beim Spritzen eingesetzten Wassers massiv, was unter anderem die Kirschessigfliege nicht schätzt», so Steitz. Schlussendlich plädierte er für einen starken Schulterschluss. «Um erfolgreich ans Ziel zu gelangen ist es nötig, dass alle Betroffenen und Beteiligten die gleiche Sprache sprechen», so Steitz abschliessend.
Dass diese kleine Fliege viele Fragen aufwirft, zeigte die durchaus sehr angeregte und lebhaft geführte Diskussion und der Erfahrungsaustausch. Die grosse Unsicherheit macht vielerorts Sorgen. Aufgrund der Erfahrungen aus dem Herbst 2014 ist für alle Beteiligten klar, dass keine Panik mehr ausbrechen darf. Grundsätzlich zeigte die Diskussion auch, dass man die vorbeugenden Massnahmen nicht vernachlässigen darf. Eine frühzeitige Ertragsregulierung, das Mulchen von abgeschnittenen Trauben, eine angepasste, frühzeitig erfolgte Entlaubung der Traubenzone und die niedrig gehaltene Begrünung im Unterstockbereich sind für Leumann Möglichkeiten, präventiv zu wirken. Als Alternative bietet sich zudem der Einsatz des Tonerdepräparates Kaolin an. Dieses Steinmineral sorgt allenfalls dafür, dass die Trauben für die Fliegen weniger attraktiv werden. Zudem hat das Produkt die positive Eigenschaft, dass keine Nachwirkungen im Most oder späteren Wein zu erwarten sind. Für Leumann zeigt aber der Massenfang mit Becherfallen wenig Wirkung, engmaschige Netze könnten eine Alternative darstellen. Während im Weinbau Erfahrungen fehlen, konnten sie beim Steinobst bereits gemacht werden. In wenigen Monaten, mit dem Erntebeginn der ersten Früchte, weiss man mehr über den aktuellen Flug. Für Leumann ist es deshalb sehr wichtig, dass die Fachstellen für den Beeren- und Steinobstbau sehr eng mit den Winzern und Rebbausekretariaten zusammenarbeiten, um sich nicht wieder auf dem linken Fuss und völlig unvorbereitet überraschen zu lassen.


Roland Müller







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