Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Kleine grüne Nieschen für die einheimische Landwirtschaft

Ausgabe Nummer 30 (2017)

Im Moosholz in Kesswil bot Ferdinand Vogel, Präsident der IG-Essiggurken Schweiz, Einblick in den Essiggurkenanbau. Auch Theo Ziegler von der Firma Reitzel beantwortete Fragen zu Produktion und Vermarktung.

Knackige Essiggurken sind während der Grill- und Picknicksaison besonders beliebt. Weil die einheimische Produktion rückläufig war, rief die Firma Hugo Reitzel aus Aigle letzten Herbst dazu auf, neue Cornichon- Produzenten zu suchen – mit einem Teilerfolg. Gesamtschweizerisch wird 2017 eine Ernte von etwa 400 Tonnen erwartet. Produziert wird auf zehn Hektaren. Bei den Thurgauer Landwirten blieb es vorerst bei den vier langjährigen Produzenten. An der Informationsveranstaltung waren aber auch weitere Interessenten.

Arbeitsintensiv
Ferdinand Vogel hat mit 3,5 Hektaren die grösste Anbaufläche von Essiggurken in der Schweiz. Entsprechend ist er eingerichtet. Der sogenannte Gurkenflieger hat links und rechts je eine Tragfläche, auf der sechs Erntehelfer bäuchlings liegen. Die Gurken werden von Hand gepflückt und auf ein Förderband gelegt, welches diese in einen Sammelbehälter transportiert. Sortiert wird die Ernte aus den Grosskisten seit letztem Jahr direkt bei der Firma Reitzel, welche die Gurken aus der ganzen Schweiz zusammenführt. Hugo Reitzel in Aigle ist der einzige Hersteller von Essigkonserven in der Schweiz. Die Konsumenten erkennen die Schweizer Essiggurken am Schweizerkreuz auf dem Deckel des Glases, am Markennamen Reitzel sowie an der Bezeichnung «Tante Anitas Gurken».
Wenn die Gurken am Stock zu gross werden, kann man sie nicht mehr als Essiggurken verkaufen. Solche übergrosse, übersehene Gurken zehren am Stock und lassen die kleinen verkümmern anstatt weiterwachsen. Darum kann der Gurkenflieger Marke Eigenbau nicht schneller als 65 Meter pro Stunde fahren. Die Essiggurken sind eine der intensivsten landwirtschaftlichen Kulturen mit etwa 80 Prozent Handarbeit.

Klein anfangen
«Fangt mit einer kleinen Fläche an, damit ihr die Gurken im Griff habt und nicht sie euch», riet Vogel: «Die Gurken wachsen bei dem warmen Wetter zwei Zentimeter pro Tag und wenn die Nächte warm sind drei.» Da müsse man vorher überlegen, ob genug Erntehelfer da seien. Neuanfänger unter den Gurkenproduzenten müssen sich auch gut überlegen, in welches Erntesystem sie investieren wollen. Dann aber können die Essiggurken eine lukrative Nischenproduktion sein. Das Ziel sei, die Schweizer Produktion in den nächsten Jahren auf 800 Tonnen zu erhöhen.

Zukunftsperspektiven
Theo Ziegler, Einkaufsleiter Reitzel, meint: «Nach 35- jähriger Tätigkeit bei Hugo Reitzel sehe ich auch jetzt noch eine Zukunft für Schweizer Essiggurken. Bei Reitzel Gurken sind nicht nur die Gurken aus der Schweiz. Wir stellen auch den Essig selber her. Das ist Swissness in Inhalt und Verpackung.» Michael Mannale, Berater Arenenberg, verrät: «Neupflanzer von Essiggurken sollten klein anfangen, erst einmal die Kultur der Gurken kennenlernen und nicht zu viel Lehrgeld bezahlen. Notfalls kann man am Anfang auch von Hand ernten und erste Erfahrungen sammeln, bevor man grosse Investitionen tätigt.»


Trudi Krieg













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