Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
14. Februar 2020


Klimawandel im Gemüsegarten, Teil 3

Ausgabe Nummer 6 (2020)

Gartentipps vom Fachmann

Die Zwischenjahreszeiten werden immer kürzer. Kälteperioden mit Frost verschwinden immer mehr und machen Platz für kurze Temperaturübergänge in den Jahreszeiten. Im letzten Teil «Klimawandel im Gemüsegarten» wird der Fokus auf diesen Bereich der Veränderung gelegt. Wer Geduld bringt, wird Zeit ernten. Darin liegen die Chance und der Nutzen der Erderwärmung im Nutzgarten.

Die Zwischenjahreszeiten werden kürzer
Nach einem kurzen Winter entwickelt sich die Natur oft viel schneller als in früheren Jahren. Leider müssen wir nach wie vor mit Spätfrösten rechnen, die sich bei den fehlenden Übergängen der Jahreszeiten oft schlimm auf die zarten Pflänzchen auswirken. Gemüsebeete lassen sich ab Ende Februar/ Anfang März anlegen, sobald der Boden kümmelt, und nach dem Anpflanzen beziehungsweise der Einsaat einfach mit Vlies abdecken. Sollten tiefe Frostgrade drohen, legt man das Vlies doppelt auf. Der Termin, an den Eisheiligen frostempfindliche Pflanzen ungeschützt ins Freie zu stellen respektive auszupflanzen sollte zwingend eingehalten werden! Wer in etwas rauhen Lagen auf Nummer sicher gehen will, sollte das Datum der Eisheiligen sogar um 10 Tage nach vorne verlegen. Dies gilt vor allem für Buschbohnen, Basilikum und alle anderen frostempfindlichen Pflanzen. Lassen Sie sich nicht vom frühen Angebot des Handels verleiten. Als Belohnung für die Geduld wartet im Herbst ein wärmerer und längerer «Indian Summer».
Die zeitlichen Abstände zwischen Frost und Hitze sind teilweise sehr kurz und auch unberechenbar. In milden Wintern wie 2015 und 2016 und wie es scheint auch in diesem Jahr, bleiben sogar längere Frostperioden aus, und die Nachttemperaturen sanken den ganzen Winter hindurch nicht unter –7 °C. Dann überleben sogar Ringelblumen, Löwenmäulchen, Phacelia und Senf. Ohne längere Frostperioden fehlt im Frühjahr der Lockerungseffekt der Frostgare. Hier empfiehlt es sich, mit mechanischen Geräten oder mit tief wurzelnden Gründüngungspflanzen Gegensteuer zu geben. Die fehlenden Frostperioden verursachen auch Probleme mit Samenbeikräutern. Mit der Verschiebung der Temperaturen nach oben blühen und fruchten manche Arten fast ganzjährig. Es lohnt sich, sowohl im Herbst als auch im Laufe des Winters konsequent zu jäten. Wer Springkraut, Ehrenpreis, Hirse, Portulak und Vogel-Sternmiere zuverlässig am Versamen hindert, hält sein Beikraut auf niedrigem Niveau. Das erspart mittel- und langfristig viel mehr Arbeit. Für diesen Zweck sollte das Beikraut gesondert eingesammelt werden, denn die Kräuter können verjaucht werden und dienen später wieder als wertvoller Kopfdünger. Kaum etwas zum Auszupfen gibt es, wenn die Gartenflächen noch voller Herbstkulturen oder Gründüngungen stehen. Es ist auf jeden Fall ein Vorteil, wenn die offenen Gartenflächen eine geschlossene Pflanzendecke aufweisen. Das Mikroklima wird dadurch wesentlich verbessert. Starke, kurzfristige Temperaturschwankungen können örtlich besser ausgeglichen werden. In Wüsten fällt dieser Effekt aus. Daher sind auch die Unterschiede zwischen der Tag- und Nachttemperatur dort so extrem.

Bescheidene Trinker und durstige Gewächse
Die Gemüsearten unterscheiden sich in ihrem Gesamtwasserbedarf gar nicht so stark voneinander. Ein kniehoher Bestand fast aller Arten braucht im Hochsommer pro Tag etwa 3 Liter Wasser. Blumenkohl verbraucht mit etwa 400 Liter Wasser pro m2 mehr als Salat mit etwa 100 Litern. Das liegt daran, dass er eine Kulturdauer von zwölf Wochen hat, während Salat schon ab 6 Wochen geerntet werden kann. Beide brauchen in der Jugend mit zunächst nur einzelnen Blättern sehr wenig Wasser. Ein zu hohes Wasserangebot in dieser Zeit hemmt sogar das Wurzelwachstum. Der Grund ist, dass die Wurzelspitzen für den Vorgang der Atmung zu wenig Sauerstoff aus den Bodenporen ziehen können. Diese sind mit Wasser gesättigt. Der Sauerstoffgehalt im Boden sinkt und damit stockt auch das Wurzelwachstum. Besser ist es, sie wachsen in einem nur leicht feuchten Boden und müssen mit den Wurzeln tiefe, feuchte Bodenschichten erschliessen. Bei den zu erwartenden höheren Temperaturen kann dieses Wissen sehr viel beitragen, Wasser smart zu sparen.










« zurück zur Übersicht