Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Können Sie sich genügend Freiräume schaffen?

Ausgabe Nummer 31 (2014)

Laufstallstamm 2014

Wir leben heute in einer sehr schnellebigen Zeit mit einer grossen Informationsflut und ständigen Veränderungen und Neuerungen. Auch auf dem Milchwirtschaftsbetrieb hat sich dadurch die ganze Arbeit stark verändert – für den Bauern sowie die Bäuerin. Die eigene Arbeitsorganisation den Bedürfnissen der heutigen Zeit anpassen, sich Freiräume mit hohem Erholungswert schaffen – diesem brennenden Thema nimmt sich der diesjährige Laufstallstamm an und gibt einen Überblick.

Arbeitsorganisation der Zeit anpassen
Heutzutage ist viel weniger die physische Belastung auf einem Landwirtschaftsbetrieb zentral, vielmehr steht die psychische Belastung im Zentrum.
Die Informationsflut hat auch die Landwirtschaft erfasst. Mit Tierschutz 2013, AP 2014 bis 2017 oder Landschaftsqualitätsbeiträgen werden wir jedes Jahr mit neuen Themen konfrontiert. Dazu kommt die tägliche Flut von Zeitungen, Fachzeitschriften sowie Änderungen bei Vorschriften.
Dabei steht nicht nur das fachliche Up-to-date-sein im Vordergrund. Es gilt ebenfalls zu entscheiden, bei welchen Neuerungen man mitmacht, zwingend dabei sein muss oder sich ausklinkt – und sich natürlich mit diesen neuen Kommunikationsmitteln auseinander setzt:
Ob TVD, Agate oder Strukturdatenerhebung, ohne Internet geht nichts mehr. Auch sehr viele Formulare und Informationen sind auf dem Internet verfügbar, ohne dies ist man ausgeschlossen.
Mit den Smartphones öffnet sich eine zusätzliche Welt der Informationsverarbeitung und Kommunikation (Twitter, Whatsapp ...) und macht auch vor dem Stall nicht halt (zum Beispiel TVD-App). So stand die diesjährige Fussball-WM zum grössten Teil im Zeichen von Twitter und Facebook, nach Fachexperten wurde hier eine neue Zeit eingeläutet.
Diese schnellen Entwicklungen, Neuerungen und Informationsflut bringen eine neue psychische Belastung mit sich. Diese geht von Anspannung über Einhaltung von Vorschriften zu Nicht-Wissen, Überforderung, wo mitmachen wo nicht. Einerseits bedeutet dies, sich die Arbeit gezielt (um)organisieren und dem neuen Zeitgeist anzupassen. Anderseits sind Zeitinseln mit hohem Erholungswert zu schaffen, Ruhephasen einzuplanen, sich gezielt freie Zeit nehmen.

Bäuerin: Ein Viertel der Zeit im Stall
Die Bäuerin steht mit in diesem Spannungsfeld von Familie und Betrieb, zwischen Mitarbeit, Betriebsund Familienmanagement. Eine aktuelle Untersuchung von Ruth Rossier, Agroscope ART Tänikon, auf 179 Familienbetrieben, zeigt ein eindrückliches Bild. Im Durchschnitt leistet die Bäuerin eine 65-Stunden- Woche, auf dem Milchviehbetrieb sind es gar 68 Stunden (siehe Grafik). Davon fallen 38 Prozent auf Haushalt und 26 Prozent auf Arbeit im Betrieb, beziehungsweise Stall. In den letzten 30 Jahren hat sich die Zusammensetzung der Arbeit deutlich verändert, Haushalt hat um gut 40 Prozent abgenommen, dagegen der Nebenerwerb zugenommen.
Im vielfältigen Spannungsfeld von Familie und Betrieb machen die schnellen Entwicklungen wie die Informationsflut nicht bei der Bäuerin halt. Eine angepasste Arbeitsorganisation im eigenen Bereich und vor allem mit dem Landwirtschaftsbetrieb sorgt für genügend eigene Erholungszeit – darum kommt keine Bauernfamilie drum herum.
Der diesjährige Laufstallstamm nimmt sich dem hochaktuellen Thema «Freiräume schaffen auf dem Milchwirtschaftsbetrieb» an (siehe Kasten), und liefert praktische Beispiele, neue Sichtweisen und Lösungen – für den Milchwirtschaftsbetrieb, für Bauer und Bäuerin. Näheres unter www.arenenberg.ch.


Jenifer van der Maas,
BBZ Arenenberg







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