Ausgabe Nummer 39 (2010)
Körnermaissortenversuch in Heldswil
Am 22. September 2010 besuchten nachmittags 30 interessierte Landwirte die traditionelle Maissortenpräsentation der Firma OH Samen. Mit Werner Christen, Lohnunternehmung, Entetswil bei Schweizersholz, war der Versuch auf dem Betrieb Schenk, Heldswil, angelegt worden. Der akute Wildsauenschaden vor Ort führte zum Referat des passionierten Jägers Alex Hasler, Stettfurt. Ebenfalls wurden die zehn wichtigsten Zwischenfuttermischungen mit ihren Vorzügen kommentiert.
Werner Christen begrüsste die Anwesenden und blickte auf das Pflanzenbaujahr zurück. Mitte Mai war kaum die Hälfte der Maisfläche gesät. Für Spitzenerträge im Körnermais, wie sie das Jahr 2009 lieferte, wären Aussaaten bis 5.Mai nötig. In dieser Region um 570 m ü. M. kommen nur frühe (f) und mittelfrühe (mf) Sorten der «empfohlenen Sortenliste» in Betracht (Abbildung 1). Für Werner Christen sind drei Punkte in der Sortenwahl wichtig: Standfestigkeit, Abreifeverhalten und Körnerertrag bei 14 Prozent Feuchtigkeit. Das schwierige Jahr führte auch dazu, dass in seiner Region sämtliches Brotgetreide auswachsen ist.
Im Hauptteil erläutert Verkaufsleiter Bernhard Zuber die Sorteneigenschaften. Stellvertretend sind hier vier Sorten erwähnt. Lapriora (f) ist gegenwärtig die frühste Körnermaissorte. Deshalb ist sie für hohe Lagen oder späte Saaten, auch noch nach der Wintergerste, geeignet. In diesem Versuch war sie mit der Sorte Amadeo am stärksten von den Wildsauen aufgesucht worden, weil sie zum heiklen Zeitpunkt in der Milchreife waren. Delitop (f), ein Silomais mit einem mittelgrossen, schlanken Kolben, bringt einen hohen Kornanteil, weil er eine kleinere Spindel bildet als andere Sorten. Ricardinio (mf) bringt gegenwärtig das höchste Ertragspotenzial bezüglich Verdaulichkeit, Körner- und Stärkeertrag. Amadeo (mf) hat den grössten Flächenanteil und ist an den teilweise roten Blättern und Stängeln zu erkennen, führte Zuber aus. Gegenwärtig wird in der Schweiz auf 184 Hektaren Saatmais bei 33 Produzenten vermehrt. Sie stammen vom St. Galler Rheintal, dem Tessin und dem Genferseebecken und sind bei der Vermehrungsorganisation Swissmais zusammengeschlossen.
Die Wildsau im Mais
hält den Jäger im Schweiss
Über das Verhalten der Wildsauen und deren Schaden berichtete Jäger Alex Hasler aus aktuellem Anlass. Als ehemaliger Mitarbeiter des Landwirtschaftsamtes des Kantons Thurgau ist er kein Unbekannter. Autobahnen bildeten lange Jahre natürliche Barrieren für die Wildsauen. Sie blieben vorerst auf dem Seerücken, als sie von Norden vom Schwarzwald her einwanderten. Mitte der Neunzigerjahre siedelten sich die Schwarzkittel im Thurgau zwischen der A1 und A7 an. In jüngster Zeit verbreiten sie sich auch vermehrt im Südthurgau. Seit 1998 wurden über 4000 Sauen im Thurgau geschossen, so Hasler. In diesen Jahren verursachten sie einen Schaden von rund 2,5 Millionen Franken an, denen sich die Jäger mit 15 Prozent beteiligen müssen. Das ergibt pro geschossene Wildsau einen Schaden von 600 Franken. Vor zehn Jahren wurden zirka 200 bis 300 Tiere erlegt. In den letzten zwei Jahren waren es über 600 jährlich. Der Jäger muss pro Wildsau 30 bis 40 Stunden ansitzen. 80 bis 90 Prozent der Schweine werden in der Nacht auf dem Ansitz, vor allem an Kirrungen geschossen. Sie dürfen nur mit der Kugel oder einem Flintenlaufgeschoss erlegt werden. Der Jäger muss deshalb auf einen sicheren Kugelfang im Gelände achten. Das Problem Windschweine wuchs parallel mit der Anbaufläche des Maises. Der Thurgau hat 4200 Hektaren Mais, Tendenz steigend. Zwei Drittel werden als Silomais genutzt. Wir kennen drei kritische Zeitpunkte, in denen Wildsauenschäden entstehen. Bei der Saat bis zum Auflaufen suchen die Sauen das abgelegte Korn als Futter auf. In der Abreife sind Wildsauen sehr wählerisch und suchen sich die Sorten, die gerade in der Milchreife sind. Das seien oft nur zwei, drei Tage, erklärt Alex Hasler, dann gehen sie zur nächsten Sorte. In der Folgekultur nach Mais graben die Sauen nach liegengebliebenen Kolben und Körnern. Mit der Maiszünslerbekämpfung durch Trichogramma-Schlupfwespen gibt es viel weniger gebrochene Maispflanzen und Kolben am Boden. Das ist oft eine gute indirekte Wildsauenbekämpfung. Bei viel Waldrandanstoss oder Waldlichtungen ist das Einzäunen am sichersten gegen die unerwünschten Untermieter. Das Mittel Hukinol wird auf einen Stofflappen an Pfähle ums Feld gegeben. Der penetrante Duft vertreibt die Sauen. Alex Hasler wirbt für Verständnis und Zusammenarbeit von Landwirt und Jagdgesellschaft bei diesem Problem. Frühzeitiges Melden beim örtlichen Jäger gibt ihnen mehr Handlungsspielraum.
Zwischenfuttermischungen
Zur Abrundung der Besichtigung kommentiert Noldi Albiper die zehn wichtigsten Zwischenfuttermischungen. Sie wurden am 22. August 2010 gesät und zeigten ihre Wuchskraft nach einem Monat. In Regionen mit hohen Tierbeständen sind gräserbetonte Mischungen ideale Gülleverwerter im Herbst und Frühling, besonders wenn nach dem ersten Schnitt Mais folgt, führte Alpiger aus. Eine Neuheit ist der mehrschnittige Futterhafer mit seiner sehr starken Jugendentwicklung. Dies lässt auch mehr Nutzungsspielraum Der interessierte Mais- und Futterbauspezialist konnte mit diesem Anlass, der auch nächstes Jahr stattfindet, voll profitieren.
BBZ Arenenberg, Acker- und Futterbau, Paul Wirth
