Ausgabe Nummer 41 (2009)
Kommission «Frauen in der Landwirtschaft»
Im Auftrag des «Thurgauer Bauer» ist ein spannendes Interview entstanden, das in treffender Form aufzeigt, was man sich unter dieser Kommission vorzustellen hat und welche Ziele sich die neue Kommission setzt.
Dora Baumgartner: Die Kommission «Frauen in der Landwirtschaft» (KOFILA) wurde innerhalb des Verbands Thurgauer Landwirtschaft VTL ganz neu geschaffen, weshalb gibt es die KOFILA?
Therese Huber-Hirschi: Schon zu Beginn der Reorganisation vor vier Jahren war ich Mitglied dieser Arbeitsgruppe als Vertreterin des Thurgauer Landfrauenverbandes TLFV, sowie der Frauen und Bäuerinnen. Auf vielen Betrieben tragen die Bäuerinnen Verantwortung für einzelne oder mehrere Betriebszweige, führen die Buchhaltung, treffen wichtige Entscheidungen, nebst Haushalt, Familie/Kindern und Garten. Schnell wurde erkannt, dass es sinnvoll ist, für diese Frauen, welche in der Landwirtschaft tätig sind, eine Kommission zu schaffen, die ihre Anliegen wahrnimmt.
D. B.: Woher kommt die Bezeichnung «Frauen in der Landwirtschaft», und weshalb nicht ganz einfach «Kommission der Bäuerinnen»?
T. H.: Was ist denn eine Bäuerin? Ist es die Frau/Partnerin eines Bauern, oder eine Frau, welche im landwirtschaftlichen Betrieb mitarbeitet? Ist es eine Frau mit Berufsabschluss Bäuerin, dem Berufsabschluss Landwirtin oder ist es eine Frau, welche den landwirtschaftlichen Betrieb leitet? Jede Frage ist mit einem «Ja» zu beantworten und jede Frau ist von ihrer Herkunft, Ausbildung und Funktion verschieden. Manche sehen sich nicht als (klassische) Bäuerin, weil sie nebst Familie und Haushalt in ihrem angestammten Beruf arbeiten, oder weil sie nicht den Weg der Ausbildung zur Bäuerin gewählt haben. Dennoch sind sie alle Frauen aus oder in der Landwirtschaft.
D. B.: Worin besteht der Unterschied zu den Landfrauen?
T. H.: Der Thurgauer Landfrauenverband war vor seiner Eigenständigkeit eine Kommission des Thurgauer Bauernverbandes. Während der letzten Jahrzehnte hat die Zahl der Bäuerinnen stets abgenommen, und immer mehr Frauen aus dem ländlichen Raum sind den örtlichen Sektionen beigetreten. Unsere Landfrauenvereine sind eine gute Durchmischung von Bäuerinnen und Landfrauen. Die KOFILA nimmt sich Themen an, welche spezifi sch Bäuerinnen betreffen.
D. B.: Was sind die Aufgaben?
T. H.: Im Reglement sind die Aufgaben wie folgt festgelegt: – Beobachtung der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen, politischen und rechtlichen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Stellung der Frauen in der Landwirtschaft. – Formulierung von Anliegen und Forderungen der Frauen im Zusammenhang mit diesen Entwicklungen. – Stellungnahme zu aktuellen Fragen und Themen im Zusammenhang mit der Stellung der Frauen in der Landwirtschaft aus eigenem Antrieb oder auf Anstoss aus dem Vorstand. – Erfassung von spezifi schen Weiterbildungsbedürfnissen und Entwicklung konkreter Angebote in Zusammenarbeit mit der Kommission Weiterbildung. – Öffentlichkeitsarbeit für die Anliegen und zur Stärkung der Stellung der Frauen in der Landwirtschaft in Koordination mit dem Thurgauer Landfrauenverband, dem Vorstand VTL und den Agroberatungsvereinen. Förderung der Vernetzung und des Austausches unter den Frauen, die einen engen Bezug zur Landwirtschaft haben.
D. B.: Das tönt etwas kompliziert, einfach gesagt ...?
T. H.: Die Kommission soll zu einem Gefäss werden, in dem Themen die speziell Frauen betreffen nachhaltig bearbeitet werden.
D. B.: Welche Frauen haben Einsitz in der Kommission?
T. H.: Im Moment besteht die KOFILA aus sechs Bäuerinnen (siehe Kasten) und der Beraterin «Ländliche Hauswirtschaft und Familie» vom Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg.
D. B.: Weshalb stehst gerade du dieser Kommission vor?
T. H.: Wie schon erwähnt, arbeitete ich als Landfrauenpräsidentin in der Arbeitsgruppe Reorganisation und war wie ein Bindeglied zwischen TBV/VTL und TLFV. In der Aufbauphase ist es für alle Beteiligten wichtig, dass die Vernetzung zwischen den verschiedenen Organisationen funktioniert.
D. B.: Wie gelangt die KOFILA an die Öffentlichkeit?
T. H.: Bereits Ende Oktober fi ndet unsere erste Veranstaltung in zwei verschiedenen Regionen statt. Wir laden die Frauen zum ersten Bäuerinnenforum ein. Das Thema lautet: Zeit, wie gehe ich mit dir um!?! Wir erarbeiten Wege aus der Arbeitsfalle. Für den Start haben wir ein allgemeines, aber topaktuelles Thema gewählt und sprechen damit ganz bestimmt viele Frauen an. Ausschreibung siehe gelber Flyer.
D.B.: Was ist längerfristig das Ziel der Kommission?
T. H.: Wir wollen Netzwerke schaffen und für Frauenanliegen sensibilisieren. Wir wollen rechtliche Fragen aufgreifen und das Wichtigste, den Frauen eine Plattform bieten für den fachlichen Austausch.
D.B.: Wird nicht schon genug für Frauen gemacht?
T. H.: Du weisst ja, wie wichtig die Funktion der Frauen innerhalb eines Landwirtschaftsbetriebs ist, deshalb ist an der Zeit, ihre Anliegen innerhalb des neuen Verbandes ernst zu nehmen und zu stärken.
D. B.: Welchen aktuellen Wunsch hat die neue Kommission?
T.H.: Wir wünschen uns, dass viele Frauen am Bäuerinnenforum teilnehmen und persönlich davon profi tieren.
Aktuelle Zusammensetzung:
Therese Huber-Hirschi, Hefenhofen (Vorsitz) Dora Baumgartner, Märwil Susanne Harder, Sulgen Esther Maurer, Frauenfeld Monika Roth, Amriswil Barbara Scherrer, Freidorf Véronique Keller Burri, Weinfelden BBZ Arenenberg (beratend)
Für die Kommission «Frauen in der Landwirtschaft»: Dora Baumgartner, Therese Huber-Hirschi
