Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Komplementärmedizin als Teil der Qualitätsstrategie

Ausgabe Nummer 8 (2018)

Die Thematik «Reduktion des Antibiotikaeinsatzes » nimmt sowohl bei den Landwirten sowie der Molkerei Biedermann AG einen immer höheren Stellenwert ein.

«Bio allein reicht nicht mehr als Verkaufsargument. Gemeinsam mit Milchschafhaltern arbeiten wir über Jahre hinweg an einer Qualitätsstrategie. Dazu gehört, wenn immer möglich, anstelle von Antibiotika Komplementärmedizin mit homöopathischen Mitteln im Stall einzusetzen. Seitens unserer Bio-Schafmilchproduzenten spüren wir eine hohe Bereitschaft, die Thematik Antibiotikareduktion aktiv anzugehen», sagt Ernst Haffa, Leiter QS/Verwaltung bei der Molkerei Biedermann AG. Schafmilchprodukte sind für die Molkerei Biedermann AG eine Nische, für die eine gute Nachfrage besteht. Durchschnittlich 1,4 Mio. Liter Schafmilch pro Jahr verarbeitet die Bio-Molkerei zu Joghurt, Butter, Konsummilch und Quark. Die Vermarktung durch die beiden führenden Schweizer Detailhändler hat dabei einen hohen Stellenwert. 25 Partnerbetriebe aus der Ostschweiz mit Milchschafhaltung haben mit der Molkerei Biedermann AG Abnahmeverträge. Ernst Haffa pflegt zu den Lieferanten enge Kontakte. Auf die Antibiotikareduktion mittels Komplementärmedizin möchte man die Produzenten vorbereiten: «Wir finden es besser, das Privileg zu nutzen, frühzeitig und selbstverantwortlich zu handeln, bevor sowohl von staatlicher wie auch von Label-Seite her Vorschriften erlassen werden». Daniel Knill, Leiter Verkauf/Marketing, beobachtet die Märkte im angrenzenden Ausland. Er stellt fest, dass in Deutschland für viele Manufakturen «Nachhaltigkeit» und «gentechfrei» Themen sind, die bei Konsumenten guten Anklang finden und die es am Markt entsprechend zu kommunizieren gilt.

Kursangebot – gemeinsam mit Kometian
Ernst Haffa bestätigt, dass auch das Tierwohl vermehrt von Bedeutung ist: «Um dies zu veranschaulichen, eignet sich das Beispiel eines unserer Produzenten bestens: Er ermöglicht seinen Schafen eine grössere Liegefläche, als in der Tierschutzverordnung vorgegeben. Der Biolandwirt hält dadurch bewusst drei Tiere weniger im Stall, weil er überzeugt ist, dass dieses dem physischen Wohl der Tiere zuträglicher ist und ihre Leistungen steigert». Mit dem Angebot von Kursen zur Homöopathie bei Kleinwiederkäuern will die Molkerei Biedermann AG ein Zeichen setzen im Sinne von: «Komplementärmedizin ist der richtige Weg für eine vertrauensbindende Qualitätsstrategie». Ende Februar 2018 führt das Unternehmen, gemeinsam mit Marlies Tönz, Tierhomöopathin BTS/Beraterin beim Verein Kometian, einen Kurs durch. Ernst Haffa stellte fest, dass diese Kursausschreibung bei den Schafmilchproduzenten auf grosses Interesse stiess und innert kürzester Zeit mit über 20 Teilnehmern (alles Molkerei Biedermann- Lieferanten) ausgebucht war. Die Motivation der Molkerei Biedermann AG für dieses Kursangebot, dessen Kosten sie vollumfänglich übernimmt, ist mit dem Ziel verbunden, dass alle Produzenten über den gleichen Wissensstand für den Einsatz von Komplementärmedizin verfügen.

Marktbeobachtung
Ernst Haffa und Daniel Knill attestieren den Schafmilchhaltern Innovationsbereitschaft und Unternehmergeist: «Etliche der Produzenten waren zuvor Milchviehbetriebe, die rechtzeitig auf den Strukturwandel in der Branche reagierten und mit der Schafmilch einen neuen Weg einschlugen». Die Schafmilch wird durch einen von der Molkerei Biedermann AG im Subunternehmen beschäftigten Transporteur alle zwei Tage bei den Höfen abgeholt. Investiert wurde in ein aufwendiges Tankkammersystem, welches eine strikte Trennung zwischen Kuh- und Schafmilch garantiert. «Dies ist sehr wichtig, um eine Vermischung der Milchsorten zu vermeiden», so Ernst Haffa. Eine Erweiterung des Produktionspotenzials hängt von entsprechenden Zuchterfolgen ab. Es wird jährlich festgelegt, welche Mengen den jeweiligen Produzenten zugewiesen werden können. Ernst Haffa und Daniel Knill sind überzeugt davon, dass auch Phytopharmaka künftig ein Thema sein wird. Um über den Einsatz von Komplementärmedizin nähere Aufschlüsse zu erhalten, unterstützt die Molkerei Biedermann AG eine Studentin, die ihre Semesterarbeit in Zusammenarbeit mit den Schafmilchproduzenten erstellt. Bis Ende März 2018, so die Vorgabe, sollen vertiefte Erkenntnisse zur Antibiotika- Thematik vorliegen.


Isabelle Schwander




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