Ausgabe Nummer 34 (2010)

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Kompogas AG geniesst unverständliche Gunst

Der Regierungsrat des Kantons Thurgau nennt im Protokoll 744 kurze Transportwege, lokale Verwertung und geschlossene Nährstoffkreisläufe als Ziele für die energetische Verwertung von Grüngut. Die Thurgauer Landwirtschaft ist prädestiniert, diese Ziele im Sinne einer maximal möglichen Nachhaltigkeit und Energieausbeute regional umzusetzen. Umso unverständlicher ist die positive Haltung des Kantons zur geplanten zentralen Grüngutverwertung in Weinfelden, mit welcher die selbst gesteckten Ziele zunichte gemacht würden. Dies nur, damit ein Projekt umgesetzt werden kann, welches vom fi nanzkräftigen Stromriesen AXPO aus Prestigegründen und mit der blossen Absicht, den Markt zu beherrschen, lanciert wird.

 

16 000 Tonnen vergärbares Grüngut will die geplante Kompogasanlage in Weinfelden energetisch verwerten. Dabei ist das Adjektiv «vergärbares» wichtig. Nur ungefähr 40 Prozent des Grüngutes, wie es gesammelt oder angenommen wird, sind vergärbar. Der Rest ist vor allem Holz. Dieses bringt in der Vergärung keine Energie und wird deshalb vorgängig aussortiert. Die geplante Anlage muss somit 40 000 Tonnen Grüngut aus dem Kanton Thurgau beschaffen. Gemäss einer Potenzialstudie über die Nutzung biogener Abfälle fallen im Kanton Thurgau 50 000 Tonnen Grüngut an. Das heisst, zukünftig würden 80 Prozent des Grüngutes durch einen «Monopolisten» kontrolliert. Daran können weder der Kanton Thurgau noch die Gemeinden ein Interesse haben. Zur energetischen Verwertung von Grüngut ist die geplante Anlage unnötig. Sie verursacht Überkapazitäten und zerstört damit gut geführte und gut funktionierende Strukturen. Innovative Landwirte haben sich in den letzten Jahren mit der Betreuung von örtlichen oder regionalen Grüngutsammelplätzen und der Verarbeitung von Grüngut zu Qualitätskompost einen wichtigen Zusatzverdienst aufgebaut. Sie wollen zukünftig ihr Angebot ausweiten, indem Sie vergärbares Grüngut, wie zum Beispiel Rasenschnitt, aussortieren und dieses regionalen Biogasanlagen zur energetischen Verwertung abgeben. Die regionalen landwirtschaftlichen Biogasanlagen haben zunehmend Mühe, geeignete Kosubstrate zu erhalten. Für den wirtschaftlichen Betrieb ihrer Anlagen sind sie darum auf dieses regional anfallende Grüngut angewiesen. Im Gegensatz zu anderen Kantonen hat der Thurgau keine grösseren Städte, wo auf kleinem Raum grosse Mengen Grüngut anfallen, und es allenfalls Sinn macht, eine Grossanlage zu betreiben. Grüngut ist ein sehr voluminöses Produkt mit einem geringen Energiegehalt, das regional anfällt. Mit Transporten in eine zentrale Anlage wird unnötig Energie verschwendet und die Umwelt belastet. In der Vergärung fi ndet kein Masseabbau statt. Deshalb muss nach der Vergärung praktisch gleichviel Gärrest, wie Grüngut zugeführt wurde, über weite Distanzen zurück in die Landwirtschaft geführt werden. Gärrest wird als Dünger eingesetzt, ist aber unvollständig verrottet und hat deutlich schlechtere Eigenschaften als Kompost. Als billiger Entsorger wäre hier die Landwirtschaft jedoch wieder willkommen. Die Landwirtschaft will mit ihrer regionalen Lösung den Gemeinden eine auf die Strukturen im Kanton Thurgau abgestimmte, sinnvolle energetische Nutzung von Grüngut anbieten. Sie setzt dabei auf ein ökologisches Konzept mit kurzen Transportwegen, in der Region geschlossenen Nährstoffkreisläufen und qualitativ hochwertigen Kompost als Endprodukt. Nur nachhaltig und ökologisch produzierte grüne Energie ist für die Umwelt und die Gesellschaft ein Gewinn und hat somit Zukunft. Deshalb fordert die Landwirtschaft vom Kanton, dass er Entscheide trifft, die helfen, seine selbst gesteckten Ziele zu erreichen.

 

Verband Thurgauer Landwirtschaft, Kommission erneuerbare Energien