Ausgabe Nummer 47 (2004)
Konkrete Umsetzung und Mengenverteilung
| Standpunkt der PO Thur Milch Ring AG |
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Konkrete Umsetzung und Mengenverteilung
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| Die Thur Milch Ring AG gehört den Milchproduzenten und ist somit eine Produzentenorganisation. Mit einer Milchmenge von 5,5 Millionen kg Milch von 45 Produzenten nahm sie am 1. Mai 2000 ihre Geschäftstätigkeit auf. Aktuell werden zirka 40 Millionen kg Milch von zirka 300 Produzenten an verschiedene Abnehmer vermarktet. Die Hauptabnehmer sind die Emmi AG, Luzern, und die Hochdorfgruppe mit ihrem Milchwerk in Sulgen. Daneben werden noch verschiedene Käsereien im Gebiet beliefert. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass diejenigen Kreise, die heute das Heil in der Bildung von Produzentenorganisationen sehen, die Thur Milch Ring AG damals nicht unterstützt haben. Politische Rahmenbedingungen Ein vorzeitiger Ausstieg aus der Milchkontingentierung ist nur dann für die Milchproduzenten sinnvoll, wenn er dazu dient, sich so optimal wie möglich auf die Zeit nach der Kontingentierung vorzubereiten. In diesem Zusammenhang kommt dem Art. 36b LwG grosse Bedeutung zu. Dieser regelt den Milchverkauf in der Zeit ab dem Ausstieg aus der Milchkontingentierung bis 30. April 2012. Darin werden im Wesentlichen zwei Sachen festgelegt; nämlich dass der Milchproduzent einen Vertrag von mindestens einem Jahr abschliessen muss und mit wem. In Frage kommt ein Verwerter der eigenen Branchenorganisation, eine Produzentenorganisation oder ein regionaler Milchverwerter. Somit erfolgt die Mengenregelung im Grundsatz durch das Aushandeln von Vertragsmengen zwischen den Parteien und nicht durch Zuteilung oder Kauf von Produktionsrechten, die irgendeine Organisation verteilt. Somit wechselt die Verantwortung für die produzierte Gesamtmilchmenge von den Politikern hin zu den Marktpartnern. Mit diesen Überlegungen soll aufgezeigt werden, dass am 1. Mai 2009 ein Systemwechsel erfolgen wird, der erhebliche Auswirkungen auf die Milchproduzenten und ihre Organisationen haben wird. Deshalb muss überlegt werden, welche Faktoren ab 1. Mai 2009 die Milchproduktion begrenzen. Dies werden die Rahmenbedingungen des Bundes wie beispielsweise die Ökoauflagen, die Ausgestaltung der Direktzahlungen, der Marktstützungen und des Grenzschutzes sein. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist zudem, wie viele Stallplätze auf einem Betrieb vorhanden sind oder finanziert werden können. Der allergrösste Einfluss kommt aber vom Markt. Im Klartext, welche Milchmenge kann überhaupt vermarktet werden. Überlegungen zum vorzeitigen Ausstieg Die Thur Milch Ring AG vermarktete bis jetzt die Milch der ihr angeschlossenen Milchproduzenten sehr erfolgreich. Selbstverständlich will sie auch in Zukunft ein sehr erfolgreicher Vermarkter von Milch bleiben. In diesem Zusammenhang betont Roland Werner ausdrücklich, dass sie ein Milchvermarkter und nicht ein Milchpool ist. Deshalb müssen sie sich die Frage stellen, was ein erfolgreiches Unternehmen auszeichnet. Alle streben Wachstum an und konzentrieren sich auf ihr Kerngeschäft. Roland Werner warnt aber gleichzeitig davor, dass Wachstum und Grösse nicht automatisch Erfolg bedeuten. Dieses Ziel verlangt von der Thur Milch Ring AG, dass sie sich intensiv mit dem Marktgeschehen auseinander setzt. Das heisst, sie setzt den Schwerpunkt ihres Wirkens weiterhin auf eine sehr effiziente Milchvermarktung und nicht auf die Mengenregelung respektive Mengenbeschränkung. Bevor das Konzept für den Ausstieg erarbeitet wurde, musste überlegt werden, welches der grösste Nachteil der aktuellen Milchkontingentierung ist. Dies ist ganz eindeutig die Rentenzahlungen zugunsten der Aussteiger. Diese belasten die Milchproduktion derjenigen Produzenten, die diese ausdehnen, rasch mit 10 Rappen und mehr pro Kilogramm. Somit schmälert sich der effektiv erlöste Ertrag aus dem Milchverkauf um die Höhe dieser Zahlungen und frisst in den meisten Fällen einen wesentlichen Teil der Kostenreduktion durch die Mengenausdehnung wieder weg. Mit anderen Worten, ein Produzent ohne diese Kosten kann seine Milch zu einem wesentlich tieferen Preis anbieten, und er verdient ebenso viel wie sein Berufskollege mit Rentenzahlung. Dass die Thur Milch Ring AG mit ihren Produkten am Markt wettbewerbsfähiger werden muss, ist nicht eine Frage des Wollens sondern ein absolutes Muss! Deshalb werden Produzenten, die ihre Milch möglichst günstig anbieten können, die wesentlich besseren Karten in den Händen halten. Darum war rasch klar, dass im Konzept der Thur Milch Ring AG die Milchrenten nicht vorkommen dürfen. Nur so ist es möglich, dass die Organisation auch in Zukunft eine qualitativ sehr gute Milch zu absolut konkurrenzfähigen Konditionen anbieten kann. Mengenzuteilung Wie löst die Thur Milch Ring AG diese zugegebenermassen nicht einfache Aufgabe? Indem sie vom System des Lieferrechts auf Vertragsmenge umstellt und die Segmentierung der Milchmenge einführt (siehe Grafik), und zwar in A-Milch (Basismilch), B-Milch (Projektmilch) und C-Milch (Ausgleichsmilch). Damit wird es möglich, eine Mengenverteilung und Mehrmengenzuteilung ohne Entschädigung einzuführen. Wie erfolgt nun diese Zuteilung konkret? A-Milch entspricht der Basismenge der Organisation, die ihr durch das Bundesamt für Landwirtschaft zugeteilt wird. Dem Produzenten wird genau jene Menge zugeteilt, die dem entzogenen Milchkontingent entspricht, plus allfällige Zusatzmengen für Tierzukäufe aus dem Berggebiet und eventuelle Kontingentszukäufe von Produzenten, die noch in der staatlichen Milchkontingentierung verbleiben. Milchproduzenten, die ihre Milchproduktion aufgeben, können ihre Vertragsmengen grundsätzlich nicht direkt übertragen wegen der Gefahr der Rentenbildung. Als Ausnahme kennen die Organisationen den Gesuchsweg für die Übertragung der entsprechenden Vertragsmengen bei Betriebsübergaben, Betriebszusammenlegungen durch die Bildung von Betriebsgemeinschaften oder Tierhaltergemeinschaften, Zukäufen oder Zupacht von Land. Frei werdende Milchmengen werden nach einem einfachen Verteilschlüssel auf alle verbleibenden Produzenten entschädigungslos verteilt. Wie dieser Verteilschlüssel aussieht, ist bestimmt, unterliegt aber noch der Geheimhaltung. Die Thur Milch Ring AG möchte als Erstes ihre eigenen Produzenten informieren, bevor die Öffentlichkeit informiert wird. B-Milch sind Mehrmengen aufgrund von Vermarktungsprojekten, welche die Thur Milch Ring AG zusammen mit Verwertern erarbeitet und die der Bewilligung des Bundesamtes für Landwirtschaft bedürfen. Diese Mengen werden auf diejenigen Produzenten verteilt, die ihr Interesse dafür angemeldet haben. Ein Teil dieser Mengen wird ebenfalls gleichmässig nach einem bestimmten Verteilschlüssel entschädigungslos an diese Produzenten verteilt. Der andere Teil wird für jene Produzenten reserviert, die ein überdurchschnittliches Wachstum ihrer Milchmenge anstreben. Wie diese Verteilung aussieht, wird Anfang Dezember bekannt gegeben. Bekannt ist bisher, dass sämtliche Kriterien, ob die Menge erhöht wird oder nicht ,im Einflussbereich des einzelnen Produzenten liegt und nicht etwa bei irgendeiner Kommission. Im Weiteren verspricht die Organisation, dass sie diese Milch mit Sicherheit zu einem sehr konkurrenzfähigen Preis den Verarbeitern anbieten wird. C-Milch ist eine Ausgleichsmilch, die verschiedene Funktionen zu erfüllen hat. Diese Menge entspricht 10 Prozent der zugeteilten A-Milchmenge und wird in jedem Fall zugeteilt. Der Preis für diese Milch liegt bewusst sehr tief, nämlich im Bereich von 15 bis 20 Rappen. Nun zu den Funktionen, die diese Milch hat. Weil die zugeteilten A- und B-Milchmengen Vertragsmengen sind, erlaubt die Organisation keine Übertragungen auf die nächste Vertragsperiode. Somit muss der Produzent die Möglichkeit haben, etwas mehr zu produzieren als die zugeteilten Mengen, ohne dass dies scharfe Sanktionen auslöst. Im Gegenzug kann sie nicht voll ausgenutzte Vertragsmengen mit einem Teil dieser Ausgleichsmengen auffüllen. Den Rest muss die Thur Milch Ring AG über ein Mehrmengenprojekt vermarkten, was bei diesem Einstandspreis wohl kaum ein Problem darstellt. Der Milchpreis wird bewusst sehr tief angesetzt, damit kein Anreiz geschaffen wird, diese Menge voll auszuschöpfen. Andererseits versucht die Organisation natürlich, diese Milch zu einem wesentlich besseren Preis am Markt zu platzieren! ![]() Mengenkontrolle und Sanktionen Damit die Mengenkontrolle einfach durchzuführen ist, erlaubt die Thur Milch Ring AG keinen direkten Abtausch zwischen den Produzenten. Ebenfalls ist ein Milchabtausch nicht erlaubt und natürlich auch kein nicht bewilligter Milchverkauf an Dritte. Im Weiteren wird Milch, die über die zugeteilten Vertragsmengen (inklusive C-Milchmenge) geliefert wird, nicht mehr bezahlt. Verstösse gegen diese Regeln werden mit Vertragsmengenkürzungen sanktioniert, die im Wiederholungsfall immer schärfer ausfallen und die bis zur Kündigung des Milchkaufvertrages führen können. Kernauftrag der Milchverbände Roland Werner erlaubt sich als Unternehmer noch einige Gedanken zu den politischen Rahmenbedingungen zu machen. Er erklärt, dass erfolgreiche Unternehmen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Diese Aussage gilt natürlich auch für unsere Berufsverbände. Was ist nun der Kernauftrag unserer Verbände? Ganz eindeutig die politische Interessenvertretung. Deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob es sinnvoll ist, wenn sie sich zurzeit sehr intensiv mit der Mengenregelung beschäftigen, die eindeutig zur Sache der Marktpartner wird und zukünftig auch nur durch diese durchgeführt werden kann. Würden sie sich nicht viel sinnvoller um die Weiterentwicklung der politischen Rahmenbedingungen kümmern? Diese haben nämlich einen nicht zu unterschätzenden Einfluss, wie erfolgreich wir in Zukunft in der Schweiz Milch produzieren, verarbeiten und vermarkten. Mit der Ausgestaltung der Direktzahlungen wird zum Beispiel entschieden, ob sich eher eine extensive Milchproduktion mit mittlerer Milchleistung pro Kuh durchsetzen wird oder eine sehr intensive Produktion mit hohen Milchleistungen pro Kuh. Die maximalen Produktionspotenziale dieser beiden Verfahren liegen ziemlich weit auseinander. Bei der intensiven Strategie wird sich die Milchproduktion viel stärker auf die besten Standorte konzentrieren als bei der extensiven. Auch würde es der Sache sicher nicht schaden, wenn die Marktstützungen respektive Subventionen kritisch hinterfragt würden. Jedenfalls dienen Subventionen niemals als Motor für die Erhöhung der Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit einer Branche beziehungsweise eines Wirtschaftszweiges. Dazu kommt, dass Subventionen immer mit einem negativen Image behaftet sind. Schlussbotschaft Roland Werner ist überzeugt, dass mit der Umstellung vom Lieferrecht auf Vertragsmengen die Thur Milch Ring AG auf dem richtigen Weg ist. Die Segmentierung der Milchmenge ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Mit diesen beiden Massnahmen schafft die Organisation eine gute Basis für die Zukunft und wird ihre starke Position im Milchhandel auch zukünftig weiter ausbauen. Für den Ausstieg aus der Milchkontingentierung und die damit verbundenen Veränderungen gilt: Egal, ob Sie glauben, etwas geht oder etwas geht nicht, Sie haben immer Recht. Auf die weitere Liberalisierung des Milchmarktes freut sich Roland Werner und glaubt, dass die Thur Milch Ring AG zu den Gewinnern dieser Umwälzung gehört. Roland Werner, Thur Milch Ring AG Quelle: www.thurmilch.ch |
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