Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Konsequent mit den besten Tieren weiterarbeiten

Ausgabe Nummer 35 (2015)

Drei verschiedene Betriebe – drei verschiedene Strategien und alle drei verfolgen diese auch in der Zucht mit erstaunlicher Konsequenz. Dies ist sicherlich einer der Erfolgsfaktoren, welche die Betriebe auszeichnet. In den Kurzinterviews geben die Betriebsleiter preis, wie sie die richtige Herdenkuh züchten und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Im nachfolgenden Beitrag werden einige Tipps zur konsequenten Umsetzung der Zuchtziele beschrieben.

Welche Herdenkuh brauche ich?
In einer Herde sind oftmals diese Kühe die wirtschaftlichsten, welche man gar nicht kennt. Also diejenigen, welche den Tierarzt nie sehen, robust sind und ihre Milchleistung erbringen. Doch durch welche Eigenschaften besticht diese Herdenkuh? Vielfach sind es anpassungsfähige, robuste und ausdauernde Kühe. Sich Zeit zu nehmen und genau in die Herde zu schauen, um diese Tiere akribisch herauszusuchen und ihre positiven Eigenschaften zu erkennen, ist zentral, um den Bestand weiterzubringen.

Zuchtziel festlegen
Mit dem Zuchtziel werden vitale Tiere angestrebt, die unter den zukünftig zu erwartenden Produktionsbedingungen einen höchstmöglichen Gewinn sicherstellen. Mit Gewinn ist nicht nur die monetäre Komponente gemeint, sondern auch andere Ansprüche der Betriebsleiterfamilie, wie Arbeitsaufwand oder Freizeit. Sich mit drei bis vier Stichworten festzulegen, welche Kuh man für die Zukunft züchten möchte, ist anspruchsvoll aber notwendig, dies haben die drei Laufstallstammbetriebe klar gezeigt. Dieses Ziel präsent am Arbeitsplatz aufzuhängen hilft, es nicht aus den Augen zu verlieren.

Nutz- oder Zuchtkuh
Anhand des Zuchtziels soll eine genaue Herdenanalyse vorgenommen werden. Aufgrund der Nutzungsdauer und der Herdensituation muss überlegt werden, wie viele Remonten pro Jahr aufzuziehen sind. Die konsequente Unterscheidung zwischen einer Zucht- und einer Nutzkuh ist von grosser Bedeutung, denn durch die klare Selektion soll das Zuchtziel schneller erreicht werden. Bei der Auslese sollen nicht nur aktuelle Zuchtwerte eine Rolle spielen, sondern auch die Abstammung, also die Anlayse, wie sich die Kuhfamilie bewährt hat.

Gesextes Sperma
Das Angebot an gesextem Sperma von Stieren nimmt zu. Sind die für den Betrieb gewünschten Stiere vorhanden, macht der Einsatz von gesextem Sperma wirtschaftlich Sinn. Dies nicht nur, weil so weniger und somit die besseren Kühe selektioniert werden können, sondern auch der zusätzliche Maststiereneinsatz erhöht den Erlös der Kälber markant, sodass auch die extra Besamungskosten nicht ins Gewicht fallen. Der zusätzliche Gewinn kann bei einem Betrieb mit 40 Kühen und konsequentem Einsatz von gesextem Sperma einen Zusatzgewinn von bis zu 2500 Franken ausmachen (siehe Abbildung 1).

Besamungsliste erstellen
Wer weiss, mit welchen Zuchtkühen er weiterarbeitet, soll sich frühzeitig mit den Stieren beschäftigen und diese notieren. Durch die konsequent erstellte Besamungsliste (Abbildung 2) ist man für alle Fälle gerüstet. Dabei macht es Sinn, zwei Stiere pro Zuchtkuh zu notieren, da bei einem Ausfall eines Stieres eine sinnvolle Alternative bereitsteht. Auch fällt so die kurzfristige Einschätzung einer Kuh weg, welche sich aktuell super präsentiert, aber anhand der Vergangenheit nicht für die Zucht selektioniert ist!


BBZ Arenenberg,
Milchvieh,
Michael Schwarzenberger










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