Ausgabe Nummer 45 (2006)

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Kosten optimieren heisst Kosten kennen

«Die beste Methode, die Kosten zu senken, ist, sie zu kennen!» antwortete einmal ein ehemaliger Teilnehmer eines Kurses Vollkostenrechnung Milch auf die Fragen, wie er es geschafft hat, seine Kosten so gut im Griff zu bekommen. Dies gilt nicht nur für die Milchproduktion sonder auch ganz allgemein: Um den Betrieb aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu optimieren, hilft die Kenntnis der Kosten und Erträge, Entscheidungen vorzubereiten. Oft sind nur ein paar einfache Rechnungen notwendig, um Klarheit über die finanziellen Folgen einer Entscheidung zu erhalten und die Einkommensverbesserung einzuschätzen.

Tiefere Milchpreis akzeptieren oder Kälber mästen?
Viele Organisationen bieten den Milchproduzenten Mehrmengen zu einem tieferen Milchpreis an. Hier stellt sich die Frage: Soll überhaupt mehr Milch abgeliefert werden? Wenn ja, zu welchem Preis? Oder soll eine Ausweitung der Produktion besser durch Kälber mästen geschehen? Sind freie Stallplätze und verfügbare Futterfläche vorhanden, bleibt die Frage, wie die Produktionsfaktoren am sinnvollsten zu nutzen sind: Mehrmenge produzieren, Mastkälber mästen oder bisherige Milchproduktion beibehalten.

Kälbermast: Preise entscheiden
Der erzielte Milchpreis bei Mastkälbern ist stark abhängig vom Tränkerpreis und vom Schlachtpreis der Mastkälber. Die Tabelle zeigt , dass bei einem Tränkerpreis von Fr. 7.50 und einem Schlachtpreis von 12.50 ein Milchpreis von 57.10 Rp./kg gelöst wird (= Deckungsbeitrag von Fr. 571.- ohne Verrechnung der Milch). Dies entspricht bei einem Milchpreis von 70 Rp. ein Minderpreis von 12.9 Rp./kg. Bei diesem Kalber-Milchpreis ist die Arbeit nicht eingerechnet. Bei einem Stundenansatz von Fr. 15.-/h, wird ein Milchpreis von 44.5 Rp. erreicht. Ob und wie überhaupt der Faktor Arbeit einzusetzen ist, ist unter anderem abhängig von der zusätzlichen Arbeitbelastung, zur Verfügung stehende Arbeitskräfte, Anzahl Mastkälber (10 oder 100 ?), vorhandene Anlagen (Tränkeautomat) und Stallplätze, vorhandene Erfahrung mit Mastkälbern.

Erzielter Milchpreis bei Mastkälbern in Abhängigkeit der Tränkekälber- und Schlachtpreise.

 

Erzielter Milchpreis
(Rp. pro kg Milch)

Mastkälber T3 (Fr./kg SG)

11.50

12.50

13.50

14.50

15.50

 

Tränkekälber
(Fr./kg LG)

6.50

52.9

63.9

74.9

85.9

96.9

7.50

46.1

57.1

68.1

79.1

90.1

8.50

39.4

50.4

61.4

72.4

83.4

9.50

32.6

43.6

54.6

65.6

76.6

 


Kurz- oder langfristige Strategie?
Ob die Kälbermast eine Alternative zu Mehrmengen mit tieferem Milchpreis ist, ist auch eine Frage der Strategie. Bei einer kurzfristigen Strategie wird im Frühling günstige Überschussmilch verwertet oder mit teurer Herbstmilch Weihnachtskälber produziert. Entscheidend sind nebst den Kälberpreisen die saisonalen Milchpreiszuschläge und -abzüge. Eine langfristige Strategie stützt sich auf das Betriebsstrategie und die Entwicklung des Milchmarktes ab. Hier sind durchschnittliche Marktpreise massgebend. Die A-Tränkerpreise schwankten von 1995 bis 2006 stark: Fr. 9.23 (1995), Fr. 5.55 (1999), Fr. 6.62 (2003), Fr. 7.89 (2005). Dies ergibt über die Jahre einen A-Tränkerpreis von 7.00 Fr./kg LG. Die Schlachtkälberpreise waren deutlich stabiler (Ø Fr. 12.60/kg SG).

Mehrmenge zu tieferem Preis?
Ein Teilbudget hilft, die finanziellen Auswirkungen der Produktion von Mehrmengen oder Kälbermast aufzuzeigen. Hierbei wird von alle einkommensvermehrend wirkenden Positionen (zusätzliche Leistungen, verminderte Kosten) die einkommensvermindernden (zusätzliche Kosten, verminderte Leistungen) abgezogen. Der Beispielbetrieb verfügt über freie Stallplätze für Kühe und Mastkälber und Futterfläche: Milchlieferrecht 200000 kg, 28 Kühe, Milchleistung 7500 kg, Milchpreis 70 Rp. Bei der Produktion von zusätzlich 50000 kg Milch sind weitere sieben Kühe mit Anteil Aufzucht nötig. Für die Futterfläche werden 3.5 ha Winterweizen aufgegeben.

Teilbudgets der Varianten ?Mehrmenge? und ?Mastkälber?.

 

Variante

Mehrmengenmilch

Mastkälber

 

+

?

+

?

Einkommensvermehrend (+):

 

 

 

 

DB Milch: 7 Kühe à 3"764.- bzw. -1"235.-

       26"348

 

       -8?645

 

tiefere Milchpreis für Mehrmenge -12.9 Rp.

       -6?460

               

               

 

DB Kälbermast: 50 Kälber à 571.- (ohne Milch)

 

 

       28?540

 

Laufstall: BTS-, RAUS-Beiträge

         1?890

 

         1?890

 

Beiträge offene Ackerfläche (0.5 ha Silomais)

           200

 

           200

 

Total

     21?978

 

     21?985

 

Einkommensvermindernd (?):

 

 

 

 

Silomais: 0.5 ha à 2"300.-

 

        1?150

 

        1?150

Kunstwiese: 3.0 ha à 1"400.-

 

        4?200

 

        4?200

Zusätzliche Kosten: Strom, Wasser,...

 

          350

 

           350

Winterweizen: 3.5 ha à 1"800.-

 

        6?300

 

        6?300

Beiträge off. Ackerfl. (3.5 ha Winterweizen)

 

        1?400

 

        1?400

Total

               

     13?400

 

     13?400

Differenz         Einkommen total

     +8?578

 

     +8?585

 

                        pro kg Milch (250"000 kg)

+3.4 Rp./kg

+3.4 Rp./kg

Arbeitsaufwand

+525 h

+945 h

Arbeitsverdienst (35 Kühe à 100 AKh)

+2.5 Fr./h

+2.2 Fr./h

 



Bei einem Mehrmengenpreis von 50 statt 70 Rp. beträgt die Einkommensdifferenz gut Fr. 5000.-, bei 30 Rp. ist sie Fr. 0.-. Ist der Stall für Fr. 85000.- zu erweitern (Ø 10 % Jahreskosten), wird das zusätzliche Einkommen wieder vernichtet. Deshalb ist die langfristige Betriebsstrategie im Auge zu behalten: rentable Schritte ? Erweiterung der Produktion ohne Investitionen, Auslastung der bestehenden Strukturen ? werden oft von unrentablen (Investitionen, Teilauslastung) gefolgt.

Freude herrscht!
Nebst Preisen und Kosten ist für den Erfolg noch ein anderen Faktor massgebend: die Freude am Betriebszweig. Ist ein Betriebsleiter mit Freude und Herzblut bei der Milch- und Mastkälberhaltung, so wird dieser immer bessere Ergebnisse erzielen.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Jenifer van der Maas