Ausgabe Nummer 35 (2004)
Kostensenkungspotenziale finden, wo scheinbar keine sind
| Betriebsabläufe gezielt analysieren | |||
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Kostensenkungspotenziale finden, wo scheinbar keine sind
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| Arbeit rationalisieren ist nicht gleichbedeutend mit der Anschaffung und dem Einsatz von neuen, teuren Maschinen. Es beginnt mit dem bewussten Beobachten und Analysieren von Arbeitsabläufen. Der Betriebsleiter muss sich intensiv damit auseinandersetzen und sich Lösungen erarbeiten. Das nachfolgende Beispiel kann als Muster für andere Betriebszweige verwendet werden. | |||
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| Erich Schildknecht bewirtschaftet mit seiner Familie in der Nähe von Bischofszell einen 18-Hektaren-Betrieb, nebst der Milchviehhaltung werden 6 Hektaren Intensivobst betrieben. Der Obstbau ist das Hauptstandbein des Betriebes, welcher in Zukunft auch ausgebaut wird. Arbeitsabläufe beobachten Wie auch bei anderen Betriebszweigen ist es im Obstbau sehr wichtig, die Angestelltenkosten möglichst tief zu halten oder die Angestellten möglichst sinnvoll einzusetzen. Als Erich Schildknecht letztes Jahr die Arbeitsabläufe bei der Obsternte genauer betrachtete, fiel ihm plötzlich auf, dass seine Angestellten viel Zeit aufwendeten, um die vollen Obstkörbe zur Leerung durch die Obstanlage zu tragen. Beim genaueren Hinsehen stellte er fest, dass pro Arbeitsgang ein bis sogar zwei Minuten alleine durch den Äpfeltransport verloren gingen. Als er diese Zeiten aufrechnete, machte dies die Arbeitszeit von bis zu drei Angestellten während der Obsternte aus! Investitionen gezielt tätigen Um diese teuren Leerzeiten zu eliminieren, stand die Anschaffung einer Erntemaschine im Mittelpunkt; eine Maschine, welche vor allem die Arbeiten während der Obsternte (Sortieren, Transport) erleichtert. Für Erich Schildknecht war jedoch klar, die Erntemaschine durfte nicht nur den «Korbtransport» ersetzen und dadurch die Angestelltenkosten senken. Diese kostspielige Investition musste sich mehrmals auszahlen. Sorgfältig stellte der Betriebsleiter die möglichen Einsatzbereiche und Einsparmöglichkeiten den Anschaffungs- und Unterhaltskosten gegenüber. Erst nach diesen Abwägungen befasste er sich gezielt mit der eigentlichen Anschaffung. Ab diesem Jahr steht eine «Agile», eine Erntemaschine für 4 bis 6 Personen mit Hebebühne, der Familie während dem ganzen Jahr als «Multitrac» im Einsatz. |
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| Vielseitig immer im Einsatz Im Herbst erleichtert die «Agile» die Obsternte, wodurch die Angestelltenkosten deutlich gesenkt werden können.Waren zuvor neun Person zu hundert Prozent an der Arbeit, sind heute umgerechnet nur sechs Arbeitskräfte am Werk. Obwohl immer noch neun Personen im Einsatz sind, kann durch Halbtageseinsätze die Arbeitsbelastung für die einzelnen Personen gesenkt werden. Zudem können mit der Maschine zwei verschiedene Qualitäten (Most- und Tafeläpfel) ohne zusätzlichen Arbeits- und Zeitaufwand abgelesen werden. Im Winter erleichtert die Maschine das Bäume schneiden. Die Arbeit mit Leitern fällt weg.Auch obere Baumbereiche, welche vorher nicht von Hand erreichbar waren, können gezielt gepflegt werden. Nebst einer deutlichen Senkung der Arbeitszeit erhofft er sich durch eine bessere Ausnutzung des Baumvolumens zudem einen höheren Obstertrag. Im Frühling erleichtert die «Agile» das Aufstellen der Hagelnetze. Im Sommer können jetzt das Auspflücken wie auch der Sommerschnitt sehr rasch und effizient durchgeführt werden. Investition als Kosteneinsparung Für Erich Schildknecht ist die «Agile» sein «Melkstand fürs Obst». In der Milchproduktion laufen die Kühe zum Melkstand, er fährt mit seinem Gerät zu den Bäumen. Durch die gezielte Anschaffung einer Maschine konnte die Familie den Betriebsablauf gezielt rationeller gestalten. Auch bei einer Ausweitung des Betriebszweiges ist der Faktor Arbeit kein Engpass mehr, sowohl zeit- als kostenmässig. Die Investition selber stellt sich am Ende als Kosteneinsparung heraus. Die Familie Schildknecht wird weiter an den Arbeitsabläufen schrauben und den Betrieb optimieren. Auf andere Bereiche übertragbar Eine rationeller und effizientere Arbeitserledigung erfolgt nicht einfach durch die Anschaffung einer neuen Maschine. Es gilt die Abläufe in einem Betriebszweig auf dem Betrieb ständig zu beobachten und zu analysieren.Werden Schwachstellen gefunden, sind mögliche Lösungen zu erarbeiten. Dies kann durch Auslagerung, Mechanisierung oder Änderungen in der Arbeitsorganisation erfolgen. Wird eine Investition in eine Maschine oder Lohnunternehmer erwogen, müssen die zusätzlichen Kosten den Erträgen (Arbeit, Mehrerlös) gegenübergestellt werden. Zudem muss die Investition zwingend der zukünftigen Ausrichtung des Betriebes entsprechen. Erst wenn bei den Überlegungen die Signale auf grün stehen, darf investiert werden. Eine solche Evaluation braucht Zeit manchmal sehr viel Zeit. Dies ist aber häufig sehr gut eingesetzte Zeit. Dieses Beispiel aus dem Obstbau ist ohne weiteres auch auf andere Betriebszweige und Bereiche übertragbar. LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Jenifer van der Maas |
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