Ausgabe Nummer 37 (2006)
Kreisversammlung des Früchtezentrums SG/TG in Egnach
Basic-Linien bereiten Sorgen
Bei der hängenden Ernte werden laut Schätzung gesamtschweizerisch 140 000 Tonnen Äpfel, 6 Prozent weniger als im Vorjahr, erwartet. Nicht verstanden werden die Produkte und Preispolitik der Grossverteiler.
In seinem Rückblick auf das Jahr 2005 erinnerte Richard Hollenstein, Präsident Früchtezentrum St. Gallen/Thurgau, an die geschätzte marktfähige Menge die bei den Tafeläpfeln die Aufnahmefähigkeit des Marktes überstieg. Das habe zum Motto geführt «Weniger ist mehr ? für alle», welchem sowohl die Produktion als auch der Handel nachgelebt hätten. Insbesondere bei den Sorten Golden, Maiglod, Jonagold, Boskop und Idared seien Übermengen direkt ab Baum der technischen Verwertung zugeführt worden. Dank der restriktiven Einlagerung resultierte nach Ende November 2005 ein Lagerbestand von 56 500 Tonnen bei den Tafeläpfeln und 7 500 Tonnen bei den Tafelbirnen. Wenig Verständnis zeigte Hollenstein für Grossverteiler die in ihrem Sortiment (M-Budget/Prix-Garantie) Basic-Linien führen. Sobald bei unverarbeiteten Produkten, wie es eben Früchte seien, der Preisunterschied zwischen den einzelnen Segmenten grösser als der Qualitätsunterschied sei, greife der Konsument automatisch ins untere Segment, sprich Basic, weil er dort das beste Preis-Leistungsverhältnis habe.
Wertschöpfung bei Klasse II erhöhen?
Für den Produzenten entstehe so die Situation, dass ein zu hoher Anteil der marktfähigen Menge einer Sorte mit dem Basic-Preis (Klasse II) abgerechnet werde und je nach Sorte mit der zusätzlichen Eliminierung von Tafelobst direkt ab Baum der Durchschnittspreis pro Kilo hängende Ernte stark unter Druck gerate. Vehement fordert Hollenstein, dass der Anteil Basic am Gesamtausstoss reduziert werden müsse. Zudem müsse die Wertschöpfung in diesem Segment erhöht werden. Bei der Klasse II (Basic) wurden intensive Diskussionen um eine Erhöhung des Produzentenpreises um 5 Rappen pro Kilogramm geführt. Doch bleibe der Preis vorerst auf dem Niveau des vergangen Jahres.
Mengenmässige Begrenzung der Billigpreislinien
Nach Angaben von Direktor Bruno Pezzatti, Schweizerischer Obstverband, wird nach der Bavendorfer-Schätzung bei den Apfelkulturen eine hängende Ernte von 140?000 Tonnen erwartet, was im Vergleich zum Vorjahr einer Reduktion von 6 Prozent entspreche. Bei den Tafelbirnen liege die Schätzung bei 24?000 Tonnen (2005: 27 000 Tonnen). Zu den Markt-Leader zählen nach wie vor Golden und Gala. Die Schätzung verkäufliche Menge Tafeläpfeln liege mit 98?600 Tonnen ebenfalls leicht unter dem Vorjahr. Pezzatti schildert die Ernteaussichten bei Tafelkernobst als gut bis sehr gut. Dies bei einer sehr hohen Qualität und Tafelobstausbeute. Auch er fordert eine mengenmässige Begrenzung der Billigpreislinien. Die mengenreduizierenden Massnahmen sollen in den Regionen umgesetzt werden. So soll beispielsweise bei Jonagold die 3. Lese direkt der technischen Verarbeitung zugeführt werden. Nach Pezzattis Angaben wird das letztjährige Preisbildungsystem beibehalten und punktuell angepasst. Als Produzenten-Richtpreis 2006 gelte bei Gala Klasse I (65-85 mm) 1.20 Franken, bei Klasse II Standart (60-80 mm) 0.60 Franken und Klasse II Basic (80-85 mm) 0.45 Rappen je Kilo. Gute Aussichten bestünden auch beim Mostobst bei gleichbleibenden Preisen von 27 beziehungsweise 31 Franken je 100 Kilogramm, dies ohne Rückbehalte.
Zufrieden mit Kirschen und Zwetschgen
Benno Neff, Steinobstkommission, sprach bei der Kirschenernte 2006 von einer hervorragenden Qualität, einer unbefriedigenden Menge und geballten Erntespitzen. Durch den erfreulichen Behang der Zwetschgenbäume erwartet er eine sehr gute Tafelzwtschgenernte.
Mario Tosato

Bruno Pezzatti (l.) und Richard Hollenstein setzten sich beim Tafelobst für eine Mengenbegrenzung bei Billigpreislinien ein. (tos)
