Ausgabe Nummer 24 (2009)

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Kritik an der Thurgauer Feuerbrandstrategie

Walter Hartmann glaubt beim Feuerbrand an die Selbstheilung der Hochstammobstbäume und kritisiert die Entfl echtung der Hochstammobstgärten von den Niederstammkulturen.

Feuerbrand kenne man in Amerika schon seit 1790 und in Europa seit 1993, erklärte Walter Hartmann, Alt-Akademischer Oberrat für das Fachgebiet Obstbau an der Universität Hohenheim (D). Zu diesem Vortrag lud der WWF Bodensee/ Thurgau in den Traubensaal in Weinfelden ein. Als er vor einem Jahr die Schweiz besuchte, habe er die starken Spannungen zwischen den Hochstammobstbaumbesitzern und den Erwerbsobstbauern (Niederstammkulturen) hautnah miterlebt. Er habe damals der Obstbranche den Rat gegeben «werdet nicht hysterisch». Hartmann kann nicht verstehen, weshalb man in der Schweiz in den letzten Jahren 45 000 Hochstammbäume gerodet hat. Er habe 1996 den deutschen Obstbauern geraten: «Gebt den befallenen Bäumen und dem Streuobst eine Chance. Roden kann man die Bäume auch, wenn sie abgestorben sind. Wir müssen lernen, mit dem Feuerbrand zu leben.»

Auf die Natur hoffen
Hartmann glaubt an die Selbstheilung der Hochstammbäume. Er rät bei stark befallenen Hochstammbeständen, nichts zu machen und auf die Natur zu hoffen. Starke Rückschnitte schaden mehr, als sie nützen. Die Bäume sollten ruhig gehalten werden, dazu sollte Kali gedüngt werden. Selbstheilung der Hochstammbäume werde aber von den Schweizer Behörden strikte abgelehnt. Die Feuerbrandstrategie der Schweiz sieht Hartmann als gescheitert. Er lehnt auch die Feuerbrandbekämpfung des Kantons Thurgau ab, weil er wenig von der Entfl echtung der Hochstammobstgärten und den Niederstammkulturen hält. Hält aber fest, dass man künftig nicht das Roden von alten Bäumen sondern das Setzen von jungen Bäumen durch den Kanton finanzieren wolle.

Einsatz von Hefepräparaten
Bei Niederstammkulturen befürwortet Hartmann den Einsatz von Streptomycin, allerdings sollte die Forschung nach Alternativpräparaten forciert werden. Nach seiner Meinung sollten junge Anlagen verstärkt beobachtet werden, dabei sei der Einsatz von Hefepräparaten zu überlegen. Eventuell sollte bei Befall Rückschnitt vorgenommen werden. Bei alten Anlagen soll beobachtet werden, wie sich der Befall 2008 entwickelt habe. Es sollen keine Bäume gerodet werden. Auch ein starker Rückschnitt soll unterlassen werden.

Verantwortungsträger wurden vermisst
Guido Schildknecht, Präsident, und Ernst Peter, Vizepräsident der Vereinigung Schweizer Hochstamm-Obstbauern, kritisierten die neue Feuerbrandbekämpfungsstrategie des Kantons Thurgau. Nach ihrer Meinung haben die Zonen I und II nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes keine gesetzliche Grundlage. Schildknecht wies daraufhin, dass sich die Hochstammbäume in der Region St. Gallen nach dem letzten Jahr prächtig erholt haben. Er bedauert, dass Pro Natura die neue Strategie des Kantons Thurgau unterstütze. Roland E. Peter, Geschäftsführer WWF Bodensee/Thurgau, betonte, dass der WWF, Pro Natura und der Vogelschutz das Projekt unterstützen, weil ein Kulturwandel stattgefunden habe und nicht die Rodungen sondern die Neupfl anzung von Bäumen finanziert werde. Die Umweltschutzverbände würden aber das Projekt sehr kritisch begleiten.

Mario Tosato



Walter Hartmann glaubt an die Selbstheilung
der Hochstammbäume. (tos)
Walter Hartmann glaubt an die Selbstheilung der Hochstammbäume. (tos)