Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Kühe berührungsfrei überwachen

Ausgabe Nummer 37 (2017)

Fachtagung für intelligente Sensoren in der Landwirtschaft

Die digitale Welt ist längst in der Landwirtschaft angekommen. Doch noch nicht überall greift sie auch wirklich. Das Potenzial ist gemäss den Fachleuten noch bei weitem nicht ausgeschöpft.

Ein Landwirt erhält direkt auf dem Hof Auskunft über seine Milchqualität. Ein anderer weiss Bescheid über den Energiegehalt seiner heranwachsenden Ackerkulturen und kann steuernde Massnahmen einleiten. Der dritte wird frühzeitig vor Gefahren durch Schädlinge gewarnt. Wieder ein anderer hat Sensoren in seinem Boden installiert, damit er gezielter düngen und dadurch sein Portemonnaie und die Umwelt schonen kann. Das alles sind keine Utopien, sondern Gebiete, auf denen die Forschung aktiv ist. Dies zeigte sich an der Fachtagung «Intelligente Sensoren für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelbranche » bei Agroscope in Tänikon TG.

Eine Kuhherde überwachen
Das bereits bestehende System RumiWatch beschrieb Christina Umstätter von Agrosope. Sie versah Kühe mit einem Nasenbandsensor und einem Pedometer. So konnte sie das Kauverhalten und die Beinbewegungen der Kühe ermitteln. Daraus ergäben sich nicht nur Informationen zur Gesundheit der Tiere, sagte sie. Wenn diese Daten zusätzlich mit der automatischen Fütterung verbunden seien, so könne die Struktur und Zusammensetzung des Futters bei Bedarf angepasst werden. Das System müsse aber unter anderem mit besseren Sensoren, weiteren Parametern und vor allem in der Datenübertragung noch präziser werden. Einen Schritt weiter ging Matthias Krieger von CSEM, einer privaten Forschungsfirma. Er zeigte, wie er bei einem Menschen via Smartphone die Herzfrequenz messen konnte. Sein Ziel ist deshalb eine berührungsfreie Überwachung, zum Beispiel einer Kuhherde. Mit sehr hohen Messfrequenzen im Gigaherzbereich sei dies selbst durch ein Fell möglich, sagte er.

Düngung verbessern
Mit dem Boden und speziell der Digitalisierung der Bewässerung befasste sich Thomas Anken von Agroscope. Man stecke noch in den Anfängen, entsprechend gross sei das Potenzial, sagte er. Aber auch er hob die Vorteile des Internets der Dinge hervor. Durch die konsequente Beobachtung von Wetter-, Boden- und Pflanzendaten könne massiv Wasser eingespart werden. Er war sich aber gleichzeitig bewusst, dass die Landwirte noch skeptisch seien. Bei Gewächshäusern hingegen sei diese Technologie akzeptiert und funktioniere. Matthias Krieger bewegte sich in den Boden hinein. Er ärgerte sich über die Milliarden an Franken, die in Form von Dünger ungenutzt verpuffen würden. Es gehe also darum, mit Sensorik die Dynamik beim Düngen in den Griff zu bekommen, mit Daten im Boden, aus der Luft und über die Zeit.

Per Satellit beobachten
Die Unkrautbekämpfung mittels bildgebender Verfahren stellte Philipp Schmid von der CSEM vor. Seine Computer lernten über ihre Algorithmen, auf einem Bild eine Blacke oder ein anderes Unkraut zu erkennen. Diese gezielte Erkennung könne vor allem im Biobereich hilfreich werden, sagte er. Noch weiter nach oben ging Iason Kastanis, ebenfalls von der CSEM. Er sprach vom europäischen Projekt Data Bio, in dem über Satelliten Grundstücke vermessen werden. Ziele dabei sind unter anderen die Verbesserung der Produktivität, die Früherkennung von Krankheiten und die Umweltfreundlichkeit. Nicht zuletzt sprachen alle von den Daten, die in riesigen Mengen anfallen. Denn solche Systeme können nur dann funktionieren, wenn die Datenübertragung zuverlässig funktioniert und zudem genügend Energie vorhanden ist. Ebenso klar wurde, dass die Weiterentwicklung des Internets der Dinge in der Landwirtschaft erst am Anfang steht und nicht aufzuhalten ist.


Martin Brunner










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