Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Kürbis - interessant sind nur die Kerne

Ausgabe Nummer 46 (2014)

Öl aus wertvollen Kernen

Kürbiskernöl ist eine Delikatesse und gehört seit ein paar Jahren auch zum Sortiment «St. Galler Öl» der Saatzuchtgenossenschaft St. Gallen. Zeno Stadler aus Bronschhofen ist einer der paar wenigen Produzenten.

Das kaltgepresste Öl von Mohn, Lein und seit ein paar Jahren auch von Kürbis hat sich bei Zeno Stadler und seiner Frau Hanna zu einem guten Standbein ihres landwirtschaftlichen Betriebes entwickelt. Sowohl der Anbau wie auch der Verkauf der hochwertigen Öle passe gut zu ihrem Betrieb, erzählt Zeno Stadler. Seine Familie bewirtschaftet in der fünften Generation den 32 Hektaren grossen Landwirtschaftsbetrieb mit Milchwirtschaft, Ackerbau und Obst, nahe der Stadtgrenze von Wil. Vor acht Jahren ist er eingestiegen in die Versuchsphase mit alten Kulturpflanzen der St. Galler Saatzuchtgenossenschaft, seit vier Jahren gehört neben Mohn und Lein auch der Ölkürbis dazu. Noch sind es erst drei Landwirte, die im Kanton St. Gallen ein paar wenige Hektaren Kürbisse anbauen. «Es ist eine Nische in der Nische», sagt Christoph Gämperle, Geschäftsführer der Saatzuchtgenossenschaft. «Mit einer 25-prozententigen Ausbeute erwirtschaften wir von den gut 600 Kilogramm Samen pro Hektare ungefähr 150 Liter Öl », erklärt er weiter. «So stehen uns aus dem Kanton St. Gallen insgesamt ungefähr 500 Liter Kürbiskernöl zur Verfügung.» Das sei nicht viel, doch vervollständige das Sortiment der St. Galler Öle hervorragend.

Extensive Bewirtschaftung
Für Zeno Stadler ist der Ertrag nicht ausschlaggebend. Wie viel seine Hektare in diesem Jahr hergegeben hat, weiss er noch nicht. «Für mich ist es eine gute Frucht, die in die Fruchtfolge passt und sehr extensiv bewirtschaftet werden kann», sagt der Landwirt. Der Aufwand, gemeint ist damit die Unkrautentfernung, sei wirklich sehr gering und betrage kaum einen Tag pro Hektare. Die Aussaat lässt er von einem Lohnunternehmer erledigen, geerntet wird mit einem Vollernter von Jakob Brütsch aus dem schaffhausischen Barzheim. Das grosse Geschäft mit den Kürbissen sei nicht zu erwarten, schildert Stadler seine Situation. Doch der Verkauf zusammen mit den anderen exotischen St. Galler Ölen laufe sehr gut, und durch die gute Zusammenarbeit mit der Saatzuchtgenossenschaft biete er gerne Hand, das Projekt weiter voranzutreiben. Auch wenn der Ölsaatenbeitrag des Bundes (Direktzahlung) gesunken sei und heute nur noch 700 Franken pro Hektare betrage, sieht er keinen Grund, mit den Kürbissen aufzuhören. Weil das Kürbiskernöl aber nicht im Kanton St. Gallen, sondern in der Moulin de Sévery VD gepresst wird, darf es nicht das Label «St. Galler Öl» tragen, verrät seine Frau und weist darauf hin, dass auf der Flaschenetikette nun «Kürbisöl aus Ostschweizer Anbau» steht. Das Aussehen von Flaschen und Etiketten sei aber identisch und deshalb auch in der Geschenkpackung sehr beliebt. Sie verkauft das Öl und die abgepackten Kürbis-Knabberkerne ab Hof und an verschiedenen Märkten in der Region.

Qualität gewinnt an Bedeutung
Christoph Gämperle weiss aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass man die Konsumenten nicht mehr von der Qualität der hochwertigen kaltgepressten Öle überzeugen muss. «Wir spüren je länger je mehr, dass Konsumenten bereit sind, für ein aufwändig hergestelltes Produkt auch mehr zu bezahlen. «Qualität gewinnt wieder an Bedeutung». Zweieinhalb Deziliter Kürbiskernöl kosten 28 Franken. Für Gämperle ist es sinnvoll, dass sich Jakob Brütsch um die Ernte, das Reinigen und Pressen der Kürbiskerne kümmert und sie das fixfertige Öl erhalten. Die Investitionen wären für die Saatgutgenossenschaft viel zu hoch, deshalb sei diese Zusammenarbeit sinnvoll. Auch für Brütsch, der sich seit 20 Jahren mit dem Ölkürbis beschäftigt und mittlerweile zum grössten Produzent schweizweit entwickelt hat, ist die Zusammenarbeit ideal. Ungefähr 13 Landwirte produzieren in den Kantonen Schaffhausen, Thurgau und Zürich insgesamt 20 Tonnen Kürbiskerne. Ungefähr 60 Prozent der Kerne werden als getrocknete Knabberkerne verkauft, der Rest wird zu Öl verarbeitet, immerhin 8000 Liter pro Jahr. Seit 2005 werden auch Bio-Kürbiskerne aus Schweizer Anbau verarbeitet, die Kerne und das Öl werden in Bioläden und Reformhäuser mit der Knospe der Bio Suisse verkauft.

Einzige Erntemaschine in der Schweiz
Marcel Brodbeck fährt seit Jahren mit dem grossen Vollernter von Jakob Brütsch. Er weiss genau, was zu beachten ist, damit die grosse Maschine einwandfrei funktioniert. «Steine sind Gift für den Ernter», sagt er und schwingt sich von der Führerkabine. Drei Mal habe er bereits halten müssen wegen einem Stein, sagt er zu Hansjörg Weilenmann, dem Bio-Landwirt im zürcherischen Attikon, bei dem er an diesem feucht-nebligen Morgen an der Arbeit ist. Weilenmann ist noch neu im Kürbisanbau, hat in diesem Jahr aber auf drei Hektaren angebaut und hofft auf einen guten Ertrag. Seine Bio-Kürbiskerne werden nach der Trocknung bei Brütsch von der Biofarm in Kleindietwil übernommen. Ein paar Tage vorher hat Weilenmann die Ölkürbisse geschwadet. «Am Schwad trocknen sie dann noch ein paar Tage nach, wobei sie sich von den Ranken lösen», schildert der Biobauer weiter. Brodbeck ergänzt, wie wichtig es sei, dass die Ranken weg sind, denn der Vollernter soll mit seinem Ernterad, das mit scharfen Zacken versehen ist, nur die Früchte aufnehmen. Das Kürbisfleisch fällt als Dünger auf den Acker zurück. «Der sechs Tonnen schwere und 100 000 Franken teure Vollernter ist der einzige in der Schweiz, deshalb muss die Ernte gut koordiniert sein», sagt Brodbeck. Seine Tagesleistung liegt bei fünf Hektaren, so ist er in diesen Tagen fast Tag und Nacht unterwegs. Die diesjährige Ernte sei überdurchschnittlich, sagt Brütsch, entscheidend war das Wetter im Frühling. «Wir konnten die Saat in warme Böden einbringen und das macht den Erfolg aus.»


Ruth Bossert
















« zurück zur Übersicht