Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Dezember 2019


Kürbiskern-Kreativität für alle

Ausgabe Nummer 44 (2019)

Kürbiskerne und Kürbiskernöl erobern dank der Bauernfamilie Brütsch die Schweiz. Nun hat Jungbäuerin Rahel Brütsch ein Kochbuch zur Nischenkultur lanciert.

Rahel Brütsch ist kein Mensch, der lange zögert. Seit sie in der Ölmühle auf dem Schaffhauser Griesbachhof Gäste bewirtet, ist klar: Ihre kulinarischen Kreationen mit familieneigenen Kürbiskernprodukten kommen an. Immer wieder möchten Gäste Rezepte mit nach Hause nehmen und erfahren, wie sie die Knabberkerne, das Presskuchenmehl und das Kürbiskernöl verwenden können. Warum also nicht ein Kochbuch verfassen? Gerade mal rund zwei Monate brauchte die junge Bäuerin, um nach einem ersten, selbstgemachten Prototyp ein professionelles Kochbuch im Selbstverlag zu lancieren. Darin zeigt sie auf, was vom Apérohäppchen über Salat und Hauptmenü bis zum Dessert mit Ölkürbisprodukten alles kreiert werden kann.

Kreativität bringt weiter
«Rahels Kürbiskernkochbuch» wurde letzten Freitag an einer Vernissage vorgestellt. Über 200 Gäste kamen auf den Griesbachhof, um dabeizusein. Ein reichhaltiges Buffet führte kulinarisch vor Augen, was mit dem neuen Kochbuch möglich sein würde – ein Wow-Effekt für die Gäste. 100 Gläschen Mousse mit «scharfem Kern», 150 Probierportionen Linsen-Lauchsalat, sie alle waren innert Kürze wegdegustiert, genauso wie die übrigen Leckereien auf dem Tisch.
Und das Probieren überzeugte: Viele der Besucherinnen und Besucher standen nach der Degustation geduldig Schlange, um sich ein signiertes Exemplar der Neuerscheinung zu sichern. Ob es gefiel? «Die Fotos sind herrlich», war Claire Winzeler aus Thayngen nach einer ersten Einsichtnahme begeistert. «Wenn ich das Buch durchblättere, macht es mich total an, morgen gleich mit Kochen und Backen anzufangen.»
Dass «Rahels Kürbiskernkochbuch» zum Schöpferischwerden animiert, freut die Macherinnen und Macher. In seiner Ansprache an der Vernissage plädierte der am Projekt beteiligte Fotograf Peter Schäublin für Kreativität. «Wenn die ganze Familie Brütsch nicht Kreativität in sich tragen würde, wären wir heute nicht hier», konstatierte der Thaynger.

20 Jahre Innovationsgeist
Ohne Innovationsgeist hätten Rahels Schwiegereltern Chöbi und Lydia Brütsch Ölkürbisse in der Schweiz nicht als neue Kultur etablieren können. Auch im Kanton Thurgau bauen Landwirte für Brütschs Ölkürbisse an und es gibt Verkaufsstellen für ihre Produkte. Ohne Mut zu Neuem hätte sich zudem die nächste Generation Brütsch nicht auch darauf eingelassen. Ohne Fantasie wäre auf dem Griesbach keine Ölmühle entstanden, die mit ihrer Architektur und mit ihren regionalen Baustoffen begeistert. Ohne Kreativität hätte Rahel Brütsch das Kochbuchprojekt mit Betriebsporträt nicht in Angriff genommen. Und ohne Kreativität gäbe es insbesondere die 28 Rezepte des frisch erschienenen Werkes nicht. Denn Rahel Brütsch ist leidenschaftliche Köchin und Food-Tüftlerin. Ihre Passion gilt den betriebseigenen Produkten und deren Vielfältigkeit. Kulinarisch ging und geht sie gern ganz neue Wege – meist mit Erfolg bei ihren Testessern am Mittagstisch, wie sie am Anlass lachend sagte.

Auch ein Fest fürs Auge
Peter Schäublin, Inhaber der 720 Grad GmbH in Thayngen, war ihr bei der Gestaltung des Buchs eine grosse Hilfe und er wiederum schätzte es, Inputs einbringen zu können. «Es ist der Traum jedes Fotografen und Grafikers, einen Auftraggeber zu finden, der so viel Begeisterung und Offenheit für Ideen mitbringt », erklärte er an der Vernissage. In der fotografischen Umsetzung hatte Schäublin mit Rahel Brütsch einen stimmigen Weg gefunden. Was würde besser passen, als die Gastfreundlichkeit der Bäuerin in Szene zu setzen? So durften sich im August Statisten verschiedensten Alters an einer festlichen Tafel durch alle Rezepte des Kochbuchs schlemmen. Peter Schäublin und seine Frau Ursula fotografierten sowohl die Speisen als auch die Gäste, um dem Kochbuch einen besonderen Look zu geben.

Regional verwurzeltes Projekt
Begeistert über den neusten «Wurf» der Familie Brütsch äusserte sich an der Vernissage auch Martina Isler vom Regionalen Naturpark Schaffhausen. Brütschs seien unter den Ersten gewesen, die ihre Produkte im Februar 2018 vom Naturpark hätten zertifizieren lassen, informierte sie. Aktuell sind bereits über 170 Produkte von rund 30 Anbietern zertifiziert und können sich so Nachhaltigkeit sowie Re-gionalität auf die Flagge schreiben. «Das Kochbuch freut uns extrem», betonte Martina Isler zudem, «Brütschs bringen nicht nur wunderbare Produkte, sondern auch noch gleich die Anleitung dazu, wie man diese verwenden kann.» Der Regionale Naturpark Schaffhausen hat sich darum am Projekt finanziell beteiligt.
Viel Lob und Erfolg also für die junge Bäuerin. Rahel Brütsch war entsprechend gerührt. Das hatte sie nicht erwartet. Und auch nicht, dass sie schon am Wochenende danach Rückmeldungen und Fotos zugeschickt bekommen würde von Menschen, die ihre Rezepte bereits nachgekocht hatten.


Text und Bilder: Sanna Bührer Winiger, Bildnachweis
Rezept: Peter Schäublin, 720 Grad, Thayngen










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