Ausgabe Nummer 5 (2010)
Landwirtschaftlicher Verein der Region Bischofszell
Temperaturen steigen bis 2050 um 2 °C
Klimaforscher Pierluigi Calanca sprach an einer Veranstaltung des Landwirtschaftlichen Vereins der Region Bischofszell über den Klimawandel und die Wasserknappheit.
Für die Bauern gebe es zwei Gründe, die Veranstaltung des Landwirtschaftlichen Vereins der Region Bischofszell und Umgebung zu besuchen, stellte Obmann Niklaus Schnetzer fest. Zum einen sei es das Winterwetter und zum anderen der Klimawandel. Für die Landwirtschaft stelle sich die Frage, ob in Zukunft genügend Wasser zur Bewässerung vorhanden sei. Viele Bauern beschäftige die Frage, ob bei höheren Temperaturen auch neue Kulturen notwendig seien.
Klimaszenarien zeigen konsistentes Bild
Pierluigi Calanca, Agroscope Reckenholz- Tänikon, wies auf die vielfach geäusserten Meinungen auf «Kriege um das Wasser» hin. Dass Nestlé in vielen Teilen der Welt Wasserrechte kaufe, sei ein weiteres Indiz für die zu erwartende Wasserknappheit. Nach seiner Meinung dürfte bis 2050 in der Schweiz die Temperatur um 2 °C zunehmen, die Winterniederschläge um 10 Prozent zu- und die Sommerniederschläge um 15 Prozent abnehmen. Die Temperaturzunahme werde im Winter zu einem Anstieg der Schneefallgrenze, im Sommer zu einer Erhöhung der potenziellen Verdunstung und einer durchschnittlich leichten Verknappung der Wasserressourcen führen. Diesbezüglich zeigen Klimaszenarien, die im Rahmen verschiedener Programme bereitgestellt wurden, ein konstantes wenn auch in den Details unsicheres Bild. Weniger klar sei hingegen die Entwicklung von Klimavariabilität und Extremereignissen. Zu erwarten sei ein Anstieg der Variabilität der mittleren Sommertemperaturen und der Häufi gkeit von Hitzeperioden und Sommerdürren. Bei den Niederschlagsextremen sei ausserdem eine Zunahme von ein- bis fünftägigen Winterniederschlägen wahrscheinlich.
Neue Risiken aber auch neue Chancen
Diese Verschiebung der klimatischen Rahmenbedingungen berge für die Schweizer Landwirtschaft neue Risiken, aber auch neue Chancen. Die Produktivität vieler Kulturen steige dank erhöhten CO2-Konzentrationen leicht an. Neue Kulturen und Sorten (sofern vorhanden), die an die wärmeren Bedingungen besser angepasst sind, sowie Spezialkulturen wie Obst- und Gemüsesorten können in der Schweiz angebaut werden. Trockenere Bedingungen im Frühling und Sommer und tendenziell abnehmende Krankheitsgefahren und Nährstoffverluste verbessern das Produktionspozential im Ackerbau. Im Weiteren werde die Bodenbearbeitung erleichtert. Dafür werde das Aufkommen von Schädlingen und Unkräutern durch die Zunahme der Temperaturen möglicherweise gefördert. Landwirtschaftlicher Verein der Region Bischofszell Temperaturen steigen bis 2050 um 2 °C Klimaforscher Pierluigi Calanca sprach an einer Veranstaltung des Landwirtschaftlichen Vereins der Region Bischofszell über den Klimawandel und die Wasserknappheit. Der Klimatologe Pierluigi Calanca sieht bei einem Klimawandel neben Risiken auch Chancen.
Wassersparender Anbau
und der Einsatz von Bewässerung Ebenfalls erhöht sei das Risiko von trockenheitsbedingten Ausfällen bei Frühlings- und Sommerkulturen. Ein Wasser sparender Anbau und der Einsatz von Bewässerung seien vielerorts notwendig. Die Verschärfung und zunehmende Häufi gkeit von Starkniederschlägen im Herbst und Winter sei mit Erosion und Nährstoffabschwemmung verbunden. «Eine schonende Bodenbearbeitung und die Vermeidung der Bodenverdichtung sind nötig, um die Bodenqualität zu erhalten. Die längere Vegetationszeit begünstigt die Produktion von Raufutter, erhöht die Feldarbeitstage und erleichtert die Arbeitseinteilung im Jahresverlauf», sagte Calanca. Im Berggebiet entstünden neue Produktionsmöglichkeiten. Die Tierhaltung profi tiere ebenfalls von der Verlängerung der Weideperiode. Auf der anderen Seite bringe die erwartete Zunahme der Hitzetage Probleme für die Tiere. Technische Anpassungen seien auch in der Tierhaltung unvermeidbar.
Mario Tosato
