Ausgabe Nummer 9 (2007)

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Langjährige Erfahrung mit der Kurzrasenweide

Paul Christen, Schmeckwies, in Wäldi, produziert silofreie Milch und betreibt mit seinen 30 Kühen seit Jahren eine Kurzrasenweide. Er gibt im folgenden Interview seine Erfahrungen damit weiter.

Seit wie vielen Jahren stehen eigentlich die Zaunpfähle deiner Kurzrasenweide schon?
Wir haben im Jahre 1998 eine Parzelle Gras-Weissklee-Mischung aus der Fruchtfolge genommen und als Kurzrasenweide zu nutzen begonnen. Der Pflanzenbestand hat sich gut gehalten und ist sehr dicht geworden. Die meisten Pfähle stehen tatsächlich noch, die Investition in eine Weide sind bescheiden: Elektrozaun, Tränkestelle,Weidezaun-Torwächter über die Feldstrasse.

Was hat dich damals bewogen dieses Weidesystem zu wählen, und weshalb bist du bis heute dabei geblieben?
In erster Linie die Arbeitserleichterung gegenüber der Umtriebsweide. Die Kühe haben vom Laufstall aus freien Zugang zu der einzigen Weide; meistens müssen wir sie zum Melken nicht einmal hereinholen gehen. Das System hat sich bewährt. Ich möchte von dieser Fläche möglichst viel Milch mit hohem Gehalt bei guten Leistungen der Kühe und bei geringem Aufwand erzielen, und das funktioniert gut.

Wie gross ist die KRW-Parzelle, und ist dies das ganze Jahr so?
Die Parzelle misst 380 Aren und bleibt immer gleich gross. Im Herbst werden dann noch weitere Parzellen geweidet.

Wie sieht denn der Tagesablauf generell aus, sagen wir im Mai?
Nach dem Melken am Morgen und am Abend wird einfach die Stalltüre geöffnet. Der Zugang zum Stall ist den Kühen aber immer möglich.Wasser steht im Stall und auf der Weide zur Verfügung. Wenn es heiss oder schwül ist, suchen die Kühe den Stall auf. In den Sommermonaten sind sie meistens sowohl am Abend wie auch am Morgen zum Melken im Stall bereit.

Worauf achtest du besonders beim Weidebeginn im Frühling?
Der Weidebeginn muss unbedingt früh sein, d.h. sobald es etwas abzufressen gibt. Das ist bei uns auf 550 m ü. M. etwa Ende März. Zuerst wird nur wenige Stunden geweidet mit entsprechender Übergangsfütterung. Etwa ab Anfang Mai kann dann Tag und Nacht geweidet werden. So wird erreicht, dass das Gras nicht davonwächst.

Weshalb ist deine KRW weder im Frühling noch im Herbst mit grossen Geilstellen übersät?
Weil mit dem frühen Weidebeginn und mit und der im Sommer dann eher knappen Fläche immer ein genügend grosser Weidedruck herrscht. Mit der Zufütterung kann natürlich der Bestand auch so geführt werden, dass im Frühling die empfohlene durchschnittliche Grashöhe von 6 bis 7 cm und im Sommer und Herbst von 7 bis 8 cm eingehalten werden kann. Die Geilstellen dienen den Kühen ja auch als Strukturfutter, und das Versamen der Gräser ist positiv zu werten. Wir mussten in all den Jahren die Weide noch gar nie mulchen!

Wie düngst du die Weide über das ganze Jahr?
Im Februar verschlauchen wir etwa 30 m3 Gülle pro Hektare. In den Monaten Mai, Juni, Juli geben wir je 80 kg Harnstoff pro Hektare, wobei wir darauf achten, diesen unmittelbar vor einem Regen zu streuen. Im Herbst kann dann zwischendurch noch einmal mit Gülle gedüngt werden, wenn die Kühe auf andern Parzellen weiden.

Sind auch eigentliche Pflegemassnahmen nötig?
Nach dem Güllen im Vorfrühling striegeln wir in der Regel die Weide. Mit Blacken haben wir keine Probleme. In den letzten Jahren sind stellenweise ein paar Stöcke Gewöhnliche Kratzdistel (nicht Ackerkratzdisteln) aufgekommen. Diese bekämpfen wir einzelstockweise.

Wie kommst du mit Trockenperioden zurecht, und was machst du bei Nässeperioden?
Es ist erstaunlich, wie lange bei Trockenheit die Weide leistungsfähig bleibt.Wenn es nötig wird, erhöhen wir die Zufütterung. Die Grasnarbe der Kurzrasenweide ist enorm dicht und somit tragfähig, sodass wir bei Nässeperioden noch nie ein grosses Gestampfe hatten.

Wie gestaltest du die Zufütterung?
Wir füttern etwa 3 kg Dürrfutter pro Kuh und Tag und dazu noch Treibzichorienwurzeln, solange solche zur Verfügung sind. An der Kraftfutterstation erhalten die Kühe eine magnesiumbetonte Mineralstoffmischung, ein Kilogramm Maiswürfel und maximal 3 kg Kraftfutter (Getreidemischung und Proteinkonzentrat) bei Leistungen über 25 kg Tagesmilch. Im Herbst werden die neu angesäten Kunstwiesen eingegrast.

Paul Christen, wir danken dir für die interessanten Auskünfte und wünschen dir mit deinen Kühen bald einen guten Start in die neue Weidesaison.

Interview: BBZ Arenenberg, Bernhard Kraft


Geilstellen werden durch hohen Weidedruck
begrenzt, sie haben auch positive
Effekte.
Geilstellen werden durch hohen Weidedruck begrenzt, sie haben auch positive Effekte.