Ausgabe Nummer 21 (2004)
«Ein Thema, das uns alle angeht»
| Gentechnologie und Landwirtschaft | ||
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«Ein Thema, das uns alle angeht»
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| Die moderne Wissenschaft entwickelt sich mit rasanter Geschwindigkeit. Gentechnologie wird im kommenden Jahrtausend eine Schlüsselrolle einnehmen. Was bedeutet eigentlich Gentechnologie? Die Gentechnologie ist eine neue Technologie, die in den meisten Gebieten der Biologie nicht mehr wegzudenken ist. Botaniker und Pflanzensystematiker verwenden die gentechnische Methode, um Pflanzen in die verschiedenen Familien einzuordnen. Die Polizei kann über genetische Fingerabdrücke für die Identifikation eines Verbrechens eindeutig Beweise liefern bis hin zur Medizin, wo die Technologie entscheidend zum besseren Verständnis von Krankheiten beiträgt. Was bedeutet Gentechnologie in der Landwirtschaft? Gentechnische Verfahren bieten die Möglichkeit, Erbanlagen einer Pflanze ganz direkt zu steuern, indem Gene entfernt oder durch solche anderer Lebewesen ersetzt werden. Was bringt Menschen auf der ganzen Welt dazu, gegen diese neue Forschung im Bereich der Natur zu protestieren? Ein wichtiger Grund dafür scheint die Unkontrollierbarkeit bei der Freisetzung solcher Pflanzen. Gentechnisch veränderte Pflanzen kreuzen sich in der Natur mit nicht genmanipulierten Pflanzen. Solche Folgen sind unvorhersehbar. Gentechnologie im Bereich Medizin beispielsweise passiert im Labor und ist somit besser kontrollierbar. Der weltweite Saatgutmarkt wird von rund zehn Chemie- und Erdölkonzernen beherrscht, darunter Monsato, Pfizer, Novartis. Dies ist das Resultat von neuen kapitalintensiven Zuchttechniken und einer Gesetzgebung, welche die Ziele der Multis unterstützt, indem sie festlegt, dass von Hybridsorten und patentiertem Saatgut kein eigenes Saatgut nachgenommen werden darf. Konsequenz: Wer säen will, muss die Samen jährlich neu kaufen. Was angebaut wird, entscheiden die marktbeherrschenden Anbieter. Die Folge: Die Biodiversität, die ursprüngliche natürliche Pflanzenvielfalt ist in Gefahr. Die Gentechnik schmückt sich mit dem Attribut des Umweltschutzes, indem sie Sorten züchtet, die keinen chemischen Pflanzenschutz benötigen. Resistenz gegen Schadinsekten wird heute meist dadurch erzeugt, dass in die Nutzpflanze ein bakterielles Toxin-Gen eingebaut wird. Die Nahrungsmittel produzieren sodann ein Gifteiweiss, das die Schädlinge beim Frass abtötet. Mit dem Genuss solcher pflanzlicher Nahrung nimmt auch der Mensch dieses Gifteiweiss in sich auf. Die Forschung behauptet, dass dies für uns Menschen völlig harmlos sei. In den Achtzigerjahren nutzten die finanzkräftigen Chemiekonzerne ihren Wissensvorsprung im Bereich der Gentechnologie und gliederten kleine Saatgutfirmen ihren Unternehmen an. Nicht die einzelnen Sorten dieser Züchterfirmen sind für sie interessant, sondern die Gene der Sorten. Bisher waren Sorten und Lebewesen nicht patentierbar. Gene seit neustem schon. Somit sind Gene und transgene Pflanzen und Tiere patentierbar. Allgemeingüter, wie Wasser und Land sie früher einmal waren, werden zum Objekt der Spekulation. Die Folgen sieht man in den USA, dort feiern gentechnisch veränderte Sorten von Mais, Soja, Raps, Baumwolle, Tomaten usw. ihren grossen Einzug in die Landwirtschaft. Dass Hungersnöte durch diese neue, so viel versprechende Technik verschwinden werden, ist unwahrscheinlich. Jetzt, wo unsere Landwirtschaft sich für eine nachhaltige, ökologische Produktion entschieden hat und unsere Schweizer Produkte einen so guten Ruf geniessen, sollten wir uns in diese Richtung weiterbewegen. Die Landwirtschaft ist nicht reif für die Gentechnologie. Üben wir mehr Selbstverantwortung aus. Läuft in der Forschung etwas schief, sind es sicher wir Bauern, die dafür herhalten müssen. Was läuft auf politischer Ebene? In der Schweiz lehnte das Parlament ein 5-jähriges Gentech-Moratorium (mit Forschungsfreiraum) in der Landwirtschaft ab. Bis zum 18. August 2004 läuft nun eine erfolgreiche Unterschriftensammlung für eine «Gentechfrei»-Initiative, welche fordert, dass die Schweiz während fünf Jahren bis zirka zum Jahr 2010 frei von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) bleibt. (Ausnahmen für Forschung möglich). Der Schweizerische Bauernverband unterstützt das zeitlich befristete Moratorium. Im November 2003 erteilte das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich die erste Bewilligung in der Schweiz, auf einer Gesamtfläche von 90 Quadratmetern gentechnisch veränderten Sommerweizen auszusäen. Die ETH Zürich hat am 18. März 2004 mit dem rund vier Monate dauernden Versuch in Lindau ZH begonnen. Agnes Greminger, Vorstandsmitglied im Thurgauer Bauernverband, Ressort Biologischer Landbau |
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