Ausgabe Nummer 36 (2004)

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«Taten statt Jammern»

Gute Erfahrungen für Fleischproduzenten und EZG
 
«Taten statt Jammern»
 
Rund zwei Jahre nach der Gründung der Erzeugergemeinschaft (EZG) Bodenseefleisch AG konnte in diesem Jahr bereits das 1000. Tier gehandelt werden.
 
Freude herrscht bei Urs Büchler und Margrit Wolf: Eben konnte die EZG Bodenseefleisch AG das 1000. Tier verkaufen. (tos)
 
Am Donnerstag der vergangenen Woche wurde auf dem Hof von Urs Büchler in Salen-Reutenen das 1000. Tier abgeholt, welches durch die Erzeugergemeinschaft (EZG) Bodenseefleisch AG, mit Sitz in Buch bei Frauenfeld, in diesem Jahr gehandelt wurde. Büchler arbeitet seit rund eineinhalb Jahren mit der EZG Bodenseefleisch AG. Bis jetzt machte der Bauer nur gute Erfahrungen. Er schätzt die Preistransparenz und weiss, wie viel der Schlachthof für seine Tiere bezahlt. Wenn er am Morgen ein Rind oder einen Muni verlädt, weiss er am Nachmittag bereits die Klassierung (Gewicht und Qualität). Ist er mit der Klassierung nicht einverstanden, kann er mit der Geschäftsführerin Margrit Wolf Kontakt aufnehmen. Nach ihren Abklärungen bei der Proviande erhält er sofort Bescheid und kann sich wenn nötig wehren.

Erfolgreicher Schlachtviehmarkt
Gute Erfahrungen machte Büchler auch mit dem Schlachtviehmarkt im Sangen in Weinfelden, der am 7. Januar 2003 erstmals durchgeführt und ebenfalls durch die EZG Bodenseefleisch AG organisiert wurde. Als er die Milchwirtschaft aufgab, verkaufte er einige Tiere über diesen Kanal. Auch hier schätzt er die absolute Preistransparenz. Kann doch der Bauer die Klassierung und die anschliessende Versteigerung vor Ort direkt mit verfolgen. Heute handelt Büchler zwei Drittel seiner Tiere (Muni, Kühe und Rinder) über die EZG Bodenseefleisch AG.

Ziele klar formulieren
Nach deutschem Vorbild wurde am 31. Mai 2002 die EZG Bodenseefleisch AG gegründet. Zum ersten Präsidenten wurde Roland Werner, Wäldi, und zur Delegierten des Verwaltungsrates und Geschäftsführerin Margrit Wolf-Melliger, Buch bei Frauenfeld, gewählt. Mit der Gründung der EZG wurde in der Schweiz absolutes «Neuland» betreten, erklärt Wolf. Entsprechend mussten in der arbeitsintensiven Startphase alle Grundlagen selbst erarbeitet werden. Unterstützt wurde das Projekt durch die landwirtschaftliche Betriebsberatung, das kantonale Landwirtschaftsamt und beim Schlachtviehmarkt durch die politische Gemeinde Weinfelden. Der Handel mit Schlachttieren erfolgt in der ganzen Ostschweiz. Nach Ansicht von Wolf heisst das Motto bei zu vielen landwirtschaftlichen Organisationen «Jammern statt Taten», dabei ist mit der Umkehr dieses Mottos sehr viel möglich. Erfolg stellt sich aber nur ein, wenn die Ziele klar formuliert und diese konsequent, mit entsprechender Erfolgskontrolle, umgesetzt werden, ist Wolf überzeugt.

Tendenz steigend
Seit Beginn des Geschäftsjahres 2004 der EZG wurden rund 550 Tiere bei den Bauern direkt abgeholt, und ungefähr 450 Tiere wurden am Schlachtviehmarkt Sangen in Weinfelden, der jeweils am ersten Dienstag im Monat durchgeführt wird, verkauft. Laut Wolf tätigte die EZG Bodenseefleisch AG im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 1,3 Millionen Franken, bei weiter steigender Tendenz. Nach Auskunft der Geschäftsführerin sind im Bereiche Tränkerhandel und einer regionalen Vermarktung weitere viel versprechende Projekte in Arbeit.

Mario Tosato
 
 
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