Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


"Lasst uns nun zur Krippe gehen..."

Ausgabe Nummer 49 (2014)

Weihnachten

Der Besuch der Krippenausstellung auf dem «Burghof» ist erfüllt vom besonderen Zauber der Vorweihnachtszeit und bietet besinnliche Momente zum Innehalten, fernab von geschäftigem Trubel.

Als Lydia Flachsmann zuletzt vor zwei Jahren an den Adventssonntagen zur Krippenausstellung auf dem «Burghof» in Ossingen einlud, war der Publikumsandrang an allen Adventssonntagen enorm und das Interesse an ihrer Sammlung über die Kantonsgrenzen hinaus sehr gross. Obwohl sie jeweils einen Monat vor der Ausstellung viele Vorarbeiten dafür leisten muss, kommt sie dem vielfach geäussertem Wunsch nach einer Krippenausstellung in der Adventszeit 2014 entgegen. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Mann Hans (pensionierter Landwirt), und einem Team von freiwilligen Helferinnen und Helfern, die für die Festwirtschaft mit Verpflegung in der gemütlichen, geheizten Krippenkafi-Stube im Einsatz stehen werden. Lydia Flachsmann betont, dass sie nicht mit «blindem Sammeleifer» vorgeht, sondern gezielt sammelt. Sie weiss zu jeder Krippe eine Geschichte und wie diese den Weg in ihre Sammlung in der durch die Denkmalpflege geschützten, ehemaligen Scheune mit angebautem «Wöschhüsli», fand. Es sind nicht in erster Linie religiöse Gründe, weshalb Krippen auf sie diese besondere Faszination ausüben. Sie sieht in erster Linie das völkerverbindende Element darin. Ihre Sammlung beziffert sie inzwischen auf einige Hundert Krippen aus allen Kontinenten. Die Sammlung von Lydia Flachsmann unterscheidet sich stark von herkömmlichen Krippenausstellungen.

Völkerverbindende Krippenszene
Die Sammlung der gebürtigen Bernerin ist in erster Linie geprägt von der Darstellung der Heiligen Familie und der begleitenden Figuren. Immer wieder erhält sie weitere Krippenelemente von Freunden und Bekannten. Wenn es ihr die Zeit erlaube, nebst Haushalt, familiären Verpflichtungen und ihrer Rolle als Gastgeberin für ihr «Bed & Breakfast»-Angebot, besuche sie Brockenstuben und begutachte deren Krippenangebote. Herbst und Winter, wenn die Arbeit im Obstbau und im «B & B» ruht, sei hierfür ideal. Die Anordnung der Figuren zur Heiligen Familie, so wird in ihrer Sammlung deutlich, wird in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich ausgelegt. Dementsprechend liegt zum Beispiel bei der peruanischen Krippe ein Lama, bei den Inuit ist es ein Eisbär. Bei der Jurte ist es ein Yak (Rinderart aus Zentralasien), bei der Indianerkrippe eine Raubkatze als Begleittiere. Die prunkvollen Darstellungen (zum Beispiel bei asiatischen, italienischen und afrikanischen Krippen), ebenso wie schlichte Figuren (zum Beispiel aus Norwegen und Dänemark) sowie Krippen und Arbeiten mit besonderer Handwerkskunst (aus Elfenbeinküste und Peru) oder seltene Techniken (Bronzeguss aus Burkina Faso, Specksteinschnitzerei) beeindrucken. Erstaunt sind die Besucher auch über die kleinen Reisekrippen aus Italien: In kleinsten Etuis und Schatullen erscheinen beim Aufklappen filigrane Krippenfiguren. Auch die Schweizer Krippen beeindrucken. Unter anderem sind aus Rinderknochen geschnitzte Exemplare dabei.

Schöpferische Kraft und Einfallsreichtum
Ein besonderer Blickfang beim Betreten der Scheune ist die liebliche «Wyländer-Trachtenkrippe» mit Maria, Josef und Jesuskind als Puppen. Einige «Nachdenk- Krippen», wie Lydia Flachsmann sie nennt, mahnen zur Einkehr, Bereitschaft zum Helfen und Teilen, und zur Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Von dieser tiefen Dankbarkeit, die wertvoller als alles andere sei, erzählt sie im Zusammenhang mit ihren zwei schweren Autounfällen, in welche sie unverschuldet geriet. Für sie haben alle Krippen eines gemeinsam: Sie erinnern, dass das Jesuskind in Bethlehem in einem Stall zur Welt kam und dass Josef und Maria es in eine Krippe legten. So erzählt es die Bibel, die Krippenszene hat fast jeden Winkel der Erde erreicht und bewegt die Menschen bis heute. In den Ländern des Westens stehen Krippenbauern alle erdenklichen Werkzeuge und Materialien für den Krippenbau zur Verfügung. Eindrücklich geht aus der Sammlung von Lydia Flachsmann hervor, wie Menschen aus Afrika, Südamerika, Russland oder den Philippinen den Mangel an Materiellem mittels ihrer schöpferischen Kraft und Einfallsreichtum wettmachen. Aus allem, was die Natur, das Meer oder Abfallmaterial hergibt, entstehen Krippenszenen in der jeweiligen Volkskunst, übertragen auf das eigene Lebensumfeld.


Isabelle Schwander










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