Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Laufstallstamm: Frische Luft für alle!

Ausgabe Nummer 35 (2016)

Die Rund 220 Teilnehmer nahmen an der bereits zum 19. Mal stattfindenden Laufstallstammserie des BBZ Arenenberg teil. Drei spannende Betriebe öffneten ihre Tore und zeigten beeindruckend, wie sie mit der Hitze in ihrem Stall umgehen und was für Herausforderungen noch anstehen. Im folgenden Artikel werden die wichtigsten Erkenntnisse aus den Referaten nochmals erläutert und die Betriebsleiter nehmen in den Interviews Stellung zu ihrem Erlebten im Milchviehstall.

Luftfeuchtigkeit und Temperatur:
Das Hitzeempfinden hängt nicht nur von der Temperatur sondern auch von der Luftfeuchtigkeit ab. Je mehr Wasserdampf in der Luft enthalten ist, umso schwieriger wird es für Mensch und Tier Feuchtigkeit durch Schwitzen oder über die Atemluft an die Umgebung abgeben zu können. Daher empfindet man an schwül-warmen Sommertagen die Lufttemperatur höher als sie in Wirklichkeit ist.

Tropfende Decken ernst nehmen
Die Wasserdampfaufnahme von Luft hängt von der Lufttemperatur ab. Bei einer Temperatur von 10 °C kann die Luft nur ca. die Hälfte an Feuchtigkeit aufnehmen als bei 20 °C. Ist im Stall mehr Feuchtigkeit vorhanden als die Luft aufnehmen kann, wird diese auf kälteren Bauteiloberflächen als Kondensat ausgeschieden. Diese Feuchteablagerungen führen oft zu Schimmelpilzstellen, speziell an Dachunterseiten oder Aussenwänden, woraus Sporen in die Stallluft oder ins Futter gelangen können. Länger andauernde Kondensatausscheidungen können auch zu Bauteilschänder führen. (siehe Abb. 1)

Luft in den Stall lassen
Wie auch für den Menschen ist es für die Rinder zentral, frische Luft einatmen zu können. Mit erfrischenden Luftströmungen über die Körperoberflächen der Tiere kann ebenfalls ein wesentlicher Beitrag zu ihrer Abkühlung geleistet werden. Bringen wir also frische Luft in und «verbrauchte» Luft aus dem Stall! Dazu sind bei freien Lüftungen genügend grosse Öffnungen für den Luftaustausch im Stall vorzusehen. Dies kann durch grosszügiges Öffnen von Fenstern, Türen und Tore oder bei Bedarf sogar durch Entfernen von Stallwänden erreicht werden. Überlegen Sie sich einfache, schliessbare Alternativen, damit für die wenigen kalten Tage oder sehr rauen Windströmungen die Aussenwandflächen für kurze Zeit teilweise schliessbar sind. Dies ist mit hochziehbaren Vliesen, Curtains oder auch Hagelnetzen möglich. Einfache Lösungen erleichtern die Montage- und Demontagearbeiten massiv. (siehe Abb. 2)

Hilfsmittel Lüfter
Ein Hilfsmittel zur Unterstützung der Wärmeabgabe bei Kühen ist der Windchill-Effekt (Abkühlung durch Wind). Grossraumlüfter können dazu einen Beitrag leisten. Dabei ist zu beachten, dass dieser «Kühleffekt » speziell dort eingesetzt wird, wo wir die Tiere gerne hätten, also in der Liegebox oder am Fressplatz! Sinnvollerweise soll der Lüfter für einen Luftaustausch sorgen und nicht die feuchte, schadstoffhaltige Luft einfach im Stall herumwirbeln! Durch geneigte Lüfter an Decken, Stützen und Dächern, kann die Luftströmung zu den Tiere geleitet und die Wirkung positiv beeinflusst werden. Wichtig ist auch, dass die Luftzirkulation zu den Kühen nicht durch unnötige Wände, wie Trennwände zwischen Quergängen und Liegeboxen verhindert wird! Eine Alternative zu Grossraumlüftern können genau berechnete Schlauchbelüftungen sein. Diese bringen gezielt Frischluft in den Stall und an die richtigen Orte. Für die Abluft aus dem Stall sind jedoch ausreichend zu den Windrichtungen abgewandte Öffnungen vorzusehen.

Verneblungsanlage gegen Fliegen im Melkstand
Eine Verneblungsanlage entzieht der Luft Energie, was eine Temperatursenkung zur Folge hat. Dabei ist zu beachten, dass der Nebel vollständig verdampft, sodass die Kühe nicht nass werden. Dies erreicht man mit geeigneten Intervalleinstellungen. Im Melkstand kann die Verneblungsanlage eine wertvolle Hilfe gegen die Stechfliegen bieten. Praxisbeispiele zeigen, dass Nebel kombiniert mit einem leichten Luftstrom ausgezeichnet wirkt. Mit der Feuchtigkeit muss jedoch immer auch genügend Frischluft in den Stall oder Melkstand geführt werden, damit keine Dampfbadzustände, hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit herrschen. (siehe Abb. 3)


Agroscope Tänikon, Markus Sax
BBZ Arenenberg, Michael Schwarzenberger
















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