Ausgabe Nummer 44 (2004)
Lehrlinge bevorzugen Thurgauer Modell
| Neue Berufslehre auf Erfolgskurs | |||||||||
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Lehrlinge bevorzugen Thurgauer Modell
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| Das Thurgauer Pilotprojekt neue «dreijährige Lehre» für die Ausbildung von Landwirten und Landwirtinnen hat vor zweieinhalb Jahren gestartet. Im Sommer 2005 wird die Versuchsphase des neuen Bildungsmodells abgeschlossen, ausführliche Ergebnisse dazu werden im darauf folgenden Herbst vorliegen. Der Thurgauer Bauernverband unterstützt dieses Projekt. Präsident Andreas Binswanger war von Beginn an bei der Projektgruppe dabei und informierte gestern Dienstag zusammen mit dem LBBZ Arenenberg, einem Lehrmeister und seinem Lehrling in einer Pressekonferenz über die Erfahrungen und Teilergebnisse, die bisher mit dem Thurgauer Modell gemacht wurden. Auf positive Resonanz trifft die neue dreijährige Lehre vor allem auch bei den Lehrlingen. | |||||||||
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| Neu sind Berufslehre und Lehrabschlussprüfung zur Ausbildung als Landwirt mit anderen Berufslehren vergleichbar. So arbeitet der Landwirtlehrling nun während allen drei Jahren auf dem Betrieb und besucht daneben wie Lehrlinge anderer Berufe berufsbegleitend, einen Tag in der Woche die Berufsschule. An der Lehrabschlussprüfung werden die Lehrlinge des Thurgauer Modells ihre praktische Prüfung im Lehrbetrieb absolvieren können, die theoretische Prüfung findet, wie der Berufsschulunterricht, nach wie vor im LBBZ Arenenberg statt. Speziell diese Vergleichbarkeit mit anderen Berufsausbildungen wird von den Lehrlingen als wichtig eingestuft, sie schaffe als vollwertige Berufslehre eine grössere allgemeine Akzeptanz als die alte Ausbildung. Bisher war die Ausbildung für Landwirte geprägt durch weit gehende Trennung von Praxis und Theorie: Der Lehrling war in den ersten beiden Lehrjahren ausschliesslich im Lehrbetrieb und besuchte nur wenige Schulstunden, dafür musste er während des ganzen letzten Lehrjahres die Schulbank drücken. Wohl konnten im LBBZ Arenenberg praktische Arbeiten im schuleigenen Betrieb durchgeführt werden, aber die Möglichkeit, das Gelernte in einem Lehrbetrieb anzuwenden, fehlte. Unterschiedliche Interessen und Meinungen Ob sich der Pilotlehrgang in der ganzen Schweiz durchsetzen kann, wird sich mit der Zeit zeigen, davon ist Projektleiter Otto Balsiger überzeugt. Es sei nicht das erste Mal, dass der Thurgau in der landwirtschaftlichen Ausbildung Pionierarbeit leiste. Die ablehnenden Stimmen seien gar nicht so sehr gegen das Thurgauer Modell, aber viele Landwirte in anderen Kantonen meinten, es gehe nicht, dass der Lehrling weniger auf dem Betrieb sei, weil er mehr in die Schule müsse. Treffend zitiert Otto Balsiger den Interessenskonflikt eines Lehrmeisters ausserhalb des Kantons, der auch einen Sohn hat: «Als Lehrmeister bin ich gegen das neue Modell, aber als Vater bin ich dafür.» Überzeugt von der neuen dreijährigen Lehre ist auch Lehrmeister Ueli Küng aus Etzwilen. Er schätzt, dass der Lehrling bereits in den ersten beiden Lehrjahren eine gute Grundausbildung erhält, so kann er z.B. mit seinen beiden Lehrlingen bereits Fachdiskussionen führen und ihnen anspruchsvolle Arbeiten anvertrauen. Der Lehrmeister betont, dass der Lehrling nicht einfach eine Arbeitskraft, sondern ein Auszubildender sei. Die enge Zusammenarbeit mit dem LBBZ Arenenberg hat er sehr positiv erlebt. Und er ist kein Einzelfall, auch die vorliegenden Teilergebnisse haben ergeben, dass 85 Prozent der Lehrmeister die neue Lehre gut bis sehr gut einstufen. Nur zwei Lehrmeister beurteilen das Pilotprojekt als unbefriedigend. Für interessierte Lehrlinge und Lehrmeister führt das LBBZ Arenenberg am Samstag, 14. November 2004, von 9.00 Uhr bis 12. 00 Uhr eine Informationsveranstaltung durch. Lehrlinge bevorzugen Thurgauer Modell Noch grösser ist der Erfolg bei den Lehrlingen. Sie konnten sich in den letzten beiden Jahren frei entscheiden, ob sie ihre Ausbildung im alt bewährten oder im neuen Thurgauer Modell absolvieren wollen. Und 147 Lehrlinge, das entspricht 95 Prozent, haben sich für das neue Thurgauer Modell entschieden. Auch Lehrlinge aus den Nachbarkantonen bevorzugen die neue dreijährige Lehre: 20 Prozent kommen aus anderen Kantonen. So auch Daniel Rütimann, Lehrling im 2. Lehrjahr auf dem Hof von Ueli Küng. Er kommt aus dem Kanton Zug und bevorzugt das Thurgauer Modell nicht zuletzt darum, weil das dritte Lehrjahr im Lehrbetrieb für ihn bedeutend kostengünstiger ist als ein ganzes Jahr ohne Lohn an der Landwirtschaftsschule. Einen Einblick in das, was er bisher gelernt hat, zeigte er mit einer praktischen Arbeitsvorführung. Mit dem Futtermischwagen, den Ueli Küng in Gemeinschaft mit einem Nachbarbetrieb nutzt, entnimmt der Lehrling Silage aus dem Fahrsilo. Selbstständig mischt und verteilt der Lehrling die Silagefütterung. Für Daniel Rütimann ist die Lehre im Thurgau ein Glücksfall. Sein Wunsch, einmal für eine Weile von zu Hause weg zu sein und neue Menschen kennen zu lernen, hat sich erfüllt. In der Landjugend hat er viele Freunde gefunden, und in der Familie des Lehrmeisters fühlt er sich sichtlich wohl. Bevor er einmal den elterlichen Hof übernimmt, möchte er gleich noch eine Lehre machen, als Landmaschinenmechaniker. Wenn er seine Lehre als Landwirt abgeschlossen hat, kann er die zweite Lehre in drei, statt vier, Jahren absolvieren; ein Jahr wird ihm angerechnet. Ob er danach den Meister macht, will er später sehen. Pilotprojekt Wegweiser für die ganze Schweiz? Andreas Binswanger, Präsident des Thurgauer Bauernverbandes, betont, dass die Landwirtschaft dauernden Veränderungen ausgesetzt ist, und auch der Beruf des Landwirtes habe sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Viele Betriebe haben sich spezialisiert, andere setzen auf Vielseitigkeit. Mit der neuen Ausbildung profitieren die angehenden Landwirte von der Möglichkeit, die Arbeit auf Betrieben mit unterschiedlicher Spezialisierung kennen zu lernen. Die neue dreijährige Lehre bietet eine zeitgemässe Ausbildung. Darum unterstützt der Thurgauer Bauernverband das neue Ausbildungsmodell für Landwirte. Ziel ist aber nicht, anderen Kantonen Schüler abzuwerben, sondern dass das Angebot der neuen dreijährigen Lehre für Landwirt/Landwirtin allen Lehrlingen in der ganzen Schweiz angeboten werden kann. Das erfordert einige Änderungen für die Landwirte, die Lehrlinge ausbilden, aber es gibt auch für sie nicht nur Nachteile: Ein Lehrling im dritten Lehrjahr weist bereits ein grosses Fachwissen auf, und die bisher hohen Ausbildungskosten werden denen anderer Berufsausbildungen angepasst. Am 25. Oktober hatte die Bildungskommission des Schweizerischen Bauernverbandes beschlossen, dass in Zukunft drei Ausbildungsmodelle angeboten werden, das alte sowie das neue Thurgauer Modell und ein weiteres. Die Thurgauer Lehrmeister haben sich gegenüber dem neuen Ausbildungsmodell sehr wohlwollend gezeigt, und im Nachbarkanton Zürich sind heute, gemäss Otto Balsiger, bereits ein Drittel der Lehrmeister positiv zum Thurgauer Modell eingestellt. Die Zeit wird zeigen, welches Modell sich auf dem Bildungsmarkt langfristig durchsetzen kann. Kathrin Bäurle |
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