Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Lehrmeister haben immr auch Vorbildfunktion

Ausgabe Nummer 3 (2016)

Lehrmeistertagung 2016 von Mitte Januar am BBZ Arenenberg

An der Lehrmeistertagung standen Informationen zum aktuellen Stand der Teilrevision Grundbildung, zu Qualifikationsverfahren und ÜK-Kursen, die Lehrbegleitung sowie Empfehlungen für das Angehen schwieriger Gespräche im Fokus.

Bruno Meili, Präsident der Berufsbildungskommission des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft (BBK VTL), begrüsste Mitte Januar Lehrmeister und Gäste zur Tagung 2016 am BBZ Arenenberg. Er informierte, dass dies die letzte Tagung unter seiner Leitung sei. Er tritt auf den Zeitpunkt der Basiskonferenz VTL 2016 aus dem Präsidium der BBK VTL aus. Auch Kurt Gilg tritt per Sommer 2016 aus der BBK aus. In seinem Tätigkeitsbericht hob Bruno Meili unter anderem die Bedeutung der Berufswerbung als zentralen Aspekt hervor. Dazu gehört die Teilnahme an der Berufsmesse Thurgau. Als nachhaltigste Berufswerbung bezeichnete er Lehrmeister in gutem Betriebsklima. Martin Schmutz, Leiter Agriprof, informierte über die 5-Jahres-Überprüfung der Berufe aus dem Berufsfeld Landwirtschaft. Als positiv wurden unter anderem das Berufsprofil, die Struktur und der Aufbau des Bildungsplans, die Gewichtung der Kompetenzbereiche und der Lehrstellenwechsel beurteilt. Die Branche erkannte Verbesserungspotenzial und definierte vier Handlungsfelder: Dazu gehören die Modellfrage (Lektionenverteilung über die Lehrjahre), der Bildungsplan, Qualitätsverfahren und Lerndokumentation sowie ÜK-Kurse. Dabei stellte sich die Frage: Ist eine organische Weiterentwicklung der Ausbildung möglich? Oder soll – symbolisch betrachtet – fünf Jahre nach der letzten grossen Reform, bereits wieder eine «Grossbaustelle» eröffnet werden? Der Vorstand der Organisation der Arbeit (OdA) entschied Ende 2014, nur eine kleine Revision vorzunehmen.

Informationen zum Bildungsplan
So soll beispielsweise für die Berufe Landwirt und Geflügelfachmann das aktuell geltende System weitergeführt werden. «Das bedeutet, dass im Kanton Thurgau weiterhin das lineare System durchgeführt werden kann. Bei den Berufen Weintechnologe, Winzer, Gemüsegärtner und Obstfachmann soll neu ein lineares Ausbildungsmodell eingeführt werden», erläuterte Martin Schmutz. Die wichtigsten Punkte beim Bildungsplan sind folgende: Es gibt keine Veränderung im Grundgerüst. Es sind «Begleitmassnahmen für gefährliche Arbeiten» in Bearbeitung, dies im Hinblick auf das Mindestalter. Die OdA beschloss, die Lektionenzahl auf dem heutigen Stand zu belassen. Es wurden neue Lernziele erarbeitet und «alte» gestrichen. Beim Bildungsplan wurde festgelegt, dass der Schwerpunkt Biolandbau total 240 Lektionen umfasst. So werden künftig in den ersten beiden Lehrjahren je 24 Lektionen in gemeinsamen Klassen im Biolandbau unterrichtet. Zum Stichwort «kleine Revision»: Bei den ÜK wurden das Reglement und die Anhänge durch die Aufsichtskommission ÜK bearbeitet, ergänzt, und keine grösseren Anpassungen vorgenommen. Einzig die Anzahl ÜK-Tage bei den Agrarpraktikern soll jener der Landwirte angeglichen werden. Damit erhalten Agrarpraktiker die Fähigkeiten für die Handhabung von Pflanzenschutzmitteln.

Kleine Revision
Ein weiteres Teilprojekt ist der «Einbezug der Lerndokumentation in das Qualifikationsverfahren». Dies ermögliche, dass die Lerndokumentation stärkeres Gewicht erhält. Das weitere Vorgehen sieht wie folgt aus: 1. Ausarbeitung der Feinarbeiten in der Bildungsverordnung und im Bildungsplan. 2. Kurze, interne Vernehmlassung bei den Mitgliedorganisationen. 3. Anschliessend folgt eine öffentliche Anhörung. 4. Inkraftsetzung der kleinen Revision (ab 1. Januar 2017). Eine Arbeitsgruppe wird sich im Hinblick auf die mittel- und langfristige Perspektive zu Lehrdauer, Lektionenverteilung und zu möglichen Spezialisierungen Gedanken machen. Christof Baumgartner, Chefexperte, informierte über Qualifikationsverfahren (QV) und ÜK-Kurse. Er hob hervor, dass im QV vor allem die Praxis zählt. Im vergangenen Berichtsjahr haben 73 Kandidaten die Ausbildung zum Landwirt EFZ mit der Durchschnittsnote 4,8 bestanden (nur zwei Kandidaten waren ohne Prüfungserfolg). Bei der praktischen Tierhaltung, den Berufskenntnissen und der Lerndokumentation resultierten insgesamt gute Noten. Christof Baumgartner räumte ein, dass das QV im 3. Lehrjahr auch an den jeweiligen Betrieb hohe Anforderungen stelle. So müssen die entsprechenden Mittel und Geräte (zum Beispiel Bodenbearbeitungsgerät, Pflanzenschutzmittel- Applikationstechnik oder Spritzdüse) sofern sie nicht auf dem eigenen Betrieb vorhanden sind, ausgeliehen werden. Eine gute Infrastruktur erhöhe den Lern- und Prüfungserfolg.

Lernschritte überprüfen
Jakob Rohrer, Lehrbegleitung, appellierte, Lehrverträge fristgerecht (bis spätestens Ende Juni) einzureichen, um eine reibungslose Administration zu gewährleisten. Er thematisierte die Lehrstellenbesuche, die überwiegend positive Eindrücke hinterliessen. Beim Bildungsbericht sind die Lehrmeister noch vermehrt in der Pflicht. Bei der Lerndokumentation stehe es nicht immer zum Besten: Empfehlenswert ist, hierfür dem Lehrling kleine, erreichbare Etappenziele vorzugeben und diese Schritte regelmässig zu überprüfen. Albin Germann, ÜK-Leiter, informierte unter anderem, dass ab 2016 eine ÜK-Kursbestätigung abgegeben wird. Dies ist insofern für Lernende bei einem Kantonswechsel von Bedeutung. Er wies auf die per Januar 2016, gemeinsam mit der Geschäftsstelle des VTL, vollständig überarbeiteten und für die Praxis nützlichen «Hilfsblätter für Auszubildende » hin. Albin Germann informierte über den SUVA-Staplerkurs, der für Lehrlinge im 3. Lehrjahr vorgesehen ist. Neu kann (freiwillig) ein Zusatztag bei einer Firma in Aadorf besucht werden. Im Ausblick wies Albin Germann auf die AgriSkills 2016 (vom 1. bis 4. September 2016) in Grange-Verney hin. Gestärkt vom Erfolg der landwirtschaftlichen Berufe an den SwissSkills Bern 2014 haben die Verantwortlichen der Organisation der Arbeit AgriAliForm ihre eigenen Berufsmeisterschaften geplant.

Thurgauer Teilnehmer für AgriSkills
Albin Germann informierte, es sei vorgesehen, dass zwei Absolventen der LAP 15/16 aus dem Thurgau an den AgriSkills teilnehmen. Hierzu seien junge Leute geeignet, die mit Selbstbewusstsein und Begeisterung das Berufsbild «Landwirt/-in» zu repräsentieren verstehen. Das OK für den TG mit Christof Baumgartner, Werner Schenk und Albin Germann, nimmt Anmeldungen von Lehrmeistern für geeignete Teilnehmer entgegen. Ruedi Huber, Schulleiter, informierte für die Berufsfachschule und stellte fest, dass an der LAP 2016 über 60 Schüler das 3. Lehrjahr beenden. Er berichtete über Verhalten und Leistungsbereitschaft: Festzustellen sei, dass bei den Schülern weniger Ehrgeiz und Eigeninitiative als früher vorhanden ist. Jugendliche wirken nach aussen «cool», sind jedoch auch verletzlich. Zum Disziplinarischen sagte Ruedi Huber, dass sich der Bussenkatalog bewährt. Das Zurückschicken auf den Lehrbetrieb erweise sich ebenfalls als wirksames Mittel, wenn der Lehrmeister die nötige Unterstützung zu dieser Massnahme leistet.

Schwierige Gespräche führen
Hanspeter Keller, Lehrer für Allgemeinbildung, thematisierte «Wie sage ich es meinem Lehrling?». Betriebliche Regeln sind in der Regel einfach zu kommunizieren. Wenn der Lernende unzuverlässig wiederholt wichtige Arbeitsschritte vergisst, ist ein Gespräch auf der Fachebene nötig. Die Regeln für ein «schwieriges Gespräch» lauten: Wahl des richtigen Ortes und des richtigen Zeitpunktes. Im Gespräch nicht auf die Person zielen, sondern auf das Verhalten. Ich-Botschaften sind besser als Du-Botschaften. Dem Lernenden soll Möglichkeit für die Rechtfertigung gegeben werden. Unerlässlich sind verbindliche Zielsetzungen und Abmachungen. Als Hilfsmittel sind zum Beispiel Noten und Bildungsberichte nützlich. Hanspeter Keller erklärte, dass Lehrbetriebe immer auch Werte und Anschauungen vermitteln. Die Vorbildfunktion des Ausbildners und seiner Familie (die von jungen Menschen gelegentlich auch recht undifferenziert übernommen werden können) sei nicht zu unterschätzen. Zum Abschluss der Tagung thematisierte Martin Huber, Direktor des BBZ Arenenberg, Motivation als wichtige Triebfeder für jegliche Weiterentwicklung. Das BBZ Arenenberg ist bestrebt, die Motivation hochzuhalten und die Attraktivität des Standortes zu wahren. Bei durchschnittlich 180 Lernenden pro Jahr sei es wichtig, das «Produkt Ausbildung» immer wieder zu hinterfragen und eine Optimierung des Schulmodells anzustreben.


Isabelle Schwander










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