Ausgabe Nummer 24 (2008)
Lehrmeister-Informationsanlass zur Bildungsreform
Thurgauer fahren vorläufig eigenen Kurs
Die Berufsbildungskommission des Thurgauer Bauernverbandes lud ihre Lehrmeister und Lehrbeauftragten zu einer Information nach Erzenholz, Arenenberg und Egnach ein, um sie über die Anpassungen der vom BBT geforderten Reorganisation in der landwirtschaftlichen Berufsbildung zu informieren.Präsident Bruno Meili erklärte die wesentlichen Änderungen, welche in der neuen Bildungsverordnung festgehalten sind und ab Sommer 2009 für Lernende im ersten Lehrjahr in der ganzen Schweiz verbindlich werden (siehe auch unter www.bbt.admin.ch). Mit Erleichterung nahmen die Lehrmeister zur Kenntnis, dass das erprobte «Thurgauer Modell» mit der gleichmässigen Schulstundenver- teilung im Berufsschulunterricht über alle drei Lehrjahre während der Evaluationszeit bis ins Jahr 2013 genutzt werden kann. Eine Konsultativabstimmung bestätigte anschliessend einstimmig die BBK in ihrer Absicht. Somit wird im Kanton Thurgau das bisher erfolgreiche System fortgesetzt, bis die anderen Kantone ihre Erfahrungen mit dem Konsensmodell einbringen werden.
Als Schwierigkeit beim Konsensmodell sehen die Thurgauer Lehrmeister die ungleiche Verteilung der Schulstunden mit 360, 360, 880 Lektionen pro Lehrjahr. Probleme machen Organisation und Arbeitsbereitschaft auf den Betrieben sowie eine gerechte Entlöhnung über die drei Jahre.Anpassungen könnten jedoch noch vorgenommen werden. Das frühere Betriebsheft oder die Projektarbeiten im Thurgauer Modell werden in der ganzen Schweiz durch eine Lerndokumentation ersetzt, die die Lernenden zu erstellen haben. Der Stellenwert dieser Arbeit wurde diskutiert und dabei festgestellt, dass den Lehrmeistern diesbezüglich künftig mehr Aufgaben und Verantwortung übertragen werden. Ob sich dies als praxistauglich erweist, wurde seitens der Lehrmeister bezweifelt.
Der allgemein bildende Unterricht (ABU) ist dem der gewerblichen Berufe angeglichen. Neben den verbindlichen Berufsschultagen müssen vom Berufsverband überbetriebliche Kurse (ÜK) angeboten werden. Die Inhalte sind themenzentriert und gesamtschweizerisch übereinstimmend.
Vor Beginn der Lehre müssen alle Verträge für die drei Lehrjahre bewilligt sein. Vertragsformulare sind im Internet abrufbar unter www.dbk.ch.Wie bisher können die einzelnen Lehrjahre in verschiedenen Kantonen absolviert werden. Der Normalarbeitsvertrag des jeweiligen Kantons ist Bestandteil des Lehrvertrages. Die Verantwortlichen des Kantons Thurgau ermöglichen Lehrlingen aus der ganzen Schweiz im Thurgau eine Anschlussvariante an die Ausbildung in ihrem Kanton. Besonders für Lehrlinge mit schulisch durchschnittlichen und schwächeren Leistungen sollte die regelmässige Verteilung des Schulunterrichtes empfohlen werden. Anwesende Lehrkräfte sehen einen zeitlichen Engpass für die Anpassung des Bildungsplans mit all seinen Auswirkungen auf Pensen und Fächerverteilung und forderten darum die Berufsbildungskommmission auf, an den entsprechenden Stellen zu intervenieren. Ruedi Huber informierte als Fachstellenleiter über die erfreuliche Zahl der vereinbarten Lehrverhältnisse für das bevorstehende Ausbildungsjahr und dankte den Anwesenden für die grosse Unterstützung und das Verständnis während der Pilotprojektphase in den vergangenen acht Jahren.
Die nächste ordentliche Lehrmeistertagung findet am 5. Januar 2009 auf dem Arenenberg statt.
Marianne Dumelin, Mitglied Berufsbildungskommission des Thurgauer Bauernverbandes
