Ausgabe Nummer 26 (2008)
Lehrreiches Zeltabenteuer zwischen Feld und Stall
Schullager 2008 auf dem Birkenhof in Riedt bei Erlen
Kürzlich läutete für rund 50 Zweitklässlerinnen und Zweitklässler aus Weinfelden für einmal die Kuhglocke beim Beginn der Schulstunde. Während dreier Tage zelteten sie auf dem Betrieb der Familie Ottiger in Riedt und erlebten «Schule auf dem Bauernhof» in Reinkultur. Reich an wertvollen Erfahrungen und mit einem Sack voll schmutziger Wäsche ging es zurück in den Schulalltag.Schon seit Wochen haben sich die Kinder aus zwei Zweit-Primarschulklassen des Martin-Haffter-Schulhauses auf das Lager vorbereitet. Die beiden Klassenlehrerinnen Bea Scherz und Nicole Müller legten Wert darauf, dass sich die Kinder schon vorhergehend mit landwirtschaftlicher Theorie befassen und sich auf das Lager einstimmen konnten.
Von Posten zu Posten
Gleich nach der Ankunft in Riedt schlüpften die Kinder in ihre selbstgemalten T-Shirts, die sie je nach Gruppeneinteilung mit einem anderen Bauernhoftier verziert hatten. An verschiedenen Posten lernten die Kinder die Aufgaben des Landwirts und der Bäuerin kennen. Schon früh morgens liessen sie sich beim Melken über den Ursprung der Milch aufklären. Bruno Ottiger zeigte der wissbegierigen Jugend unter anderem auch, welch vielseitigen Nutzen Hochstammbäume erbringen. Ein Bub meinte dazu überrascht: «Ich wusste gar nicht, dass Bäume so cool sind.» Die Kinder kneteten und backten unter der Leitung der Bäuerin Marianne Ottiger das eigene Brot und kochten gleich noch die passende Konfitüre dazu, damit für einen herzhaften Buurebrunch gesorgt war. Alle Posten und Ämtchen, die die Bauernfamilie zusammen mit den Primarlehrerinnen vorbereitet hatten, waren mit einem Lernziel verbunden. Vor allem die Buben hatten Spass beim Kennenlernen der verschiedenen Maschinen, den Mädchen sagte eher der Umgang mit den Tieren zu, besonders das Reiten auf dem sehr zutraulichen Pferd Viva.
Nachhaltiges Wissen
Dass die junge Generation kaum mehr eine Beziehung zur Landwirtschaft hat, zeigt sich an den oftmals lustigen Fragen und Bemerkungen mancher Kinder: «Ist es der Bauer, der das Schwänzchen des Schweines kringelt?» oder «Der Bauer schneidet das hohe Gras, damit man besser spielen kann und nicht umfällt beim Rennen.»
Für alle Beteiligten war klar: Der Bauernhof ist ein idealer Ort für ganzheitlichen Unterricht, der Stoff kann buchstäblich mit allen Sinnen erlebt werden. Noch lange nach dem Lager werden sich die Kinder, wenn sie an einer Wiese vorbeigehen, an den Rotklee aus der Lektion über die Ökowiese erinnern. Und mit saftigen Äpfeln addiert es sich in Zukunft auch leichter als mit trockenen Zahlen. Sollte doch einmal etwas vergessen gehen, können die Kinder immer noch im farbenfrohen Lagerbuch nachblättern, dass jedes von ihnen zusammengestellt hat.
Andreas Rohner, Thurgauer Bauernverband
Schule auf dem Bauernhof im Thurgau
Momentan stehen 17 Thurgauer Bauernfamilien auf der offiziellen SchuB-Liste. Rund 850 Schulkinder verschiedenen Alters haben im Jahr 2007 auf Thurgauer Bauernhöfen im Rahmen von 48 Anlässen an SchuB teilgenommen. Trägerschaft von SchuB Thurgau sind der Thurgauer Bauernverband und die Thurgauer Milchproduzenten. Das Bildungs- und Beratungszentrum BBZ Arenenberg zeigt sich verantwortlich für die Weiterbildung der Bauernfamilien und in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule für die Ausgestaltung der Fortbildungskurse von Lehrkräften. Als Hauptsponsor beteiligt sich die Thurgauer Kantonalbank. Am Schullager 2008 auf dem Birkenhof hat der regionale Fernsehsender Tele Top einen Bericht aufgenommen, der in der vergangenen Woche in der Sendung «TOP EVENTS» ausgestrahlt worden ist. Aus dem aufgenommenen Filmmaterial entsteht bald eine dokumentarische DVD, die künftig als wichtiges Informationsmedium dienen soll. Mehr Info zu SchuB im Thurgau: www.schuletg.ch (ro)

