Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Leidenschaft für Braunvieh und für Wasserbüffel

Ausgabe Nummer 24 (2017)

Seit fünf Jahren leben Wasserbüffel und Braunviehkühe auf demselben Hof im thurgauischen Wallenwil. Auf die Einen oder die Anderen zu verzichten, kommt für Gisela und Christoph Schneider nicht infrage.

Hier die Schwarzen, dort die Braunen. In den beiden Kalbergattern auf dem Hofplatz der Familie Schneider geht es zu und her wie in einer normalen Kinderstube. Mal stehen die Kälblein ganz friedlich zusammen, mal rempeln und stossen sie einander, und kurze Zeit später lecken und liebkosen sie sich wieder. «Die Braunvieh- und Büffelkälblein verhalten sich ähnlich», erklärt der Meisterlandwirt Christoph Schneider (43), während er das kleinste Büffelkalb am Hals krault und dieses ihm einen schmatzigen Kuss auf den Hals drückt. Weil heute beide Lehrlinge anwesend sind und zum Rechten schauen, haben Gisela (43) und Christoph Schneider Zeit für einen Schwatz am Küchentisch. Sie geben gerne Auskunft über ihre Tiere, die oft Schaulustige anziehen, und die sie gerne einer breiten Bevölkerung näherbringen. Der Verkauf von Büffelfleisch komme bei der Bevölkerung gut an; auch schon seien iranische Staatsbürger vor der Stalltüre gestanden und wollten frische Büffelmilch kaufen, erzählt Gisela Schneider.

Wasserbüffel aus dem Neuenburger Jura
Christoph Schneider wuchs mit einem Zwillingsbruder auf dem elterlichen Hof in Balterswil auf. Er interessierte sich seit Kindesbeinen für das Braunvieh, und weil sein Bruder kein Interesse an der Landwirtschaft zeigte, war er familienintern immer schon der junge Bauer. Doch erst lernte Christoph den Beruf des Heizungsmonteurs und liess sich danach zum Meisterlandwirt ausbilden. Zusammen mit seiner Frau Gisela hielt er bereits Freilandpoulets, als sie beide noch auswärts arbeiteten. Als sein Vater pensioniert wurde, übernahmen sie im 2003 den Betrieb, bauten ein neues Wohnhaus beim Stall in Wallenwil und prüften Alternativen zur Milchwirtschaft, die der Vater bis anhin mit 30 Kühen betrieb. Als erstes investierten sie in eine Halle für Geflügel, und liefern seither rund sieben Mal pro Jahr um die 5000 Hühnchen der Firma Frifag in Märwil ab. An der Olma lernten Schneiders die Firma Züger Frischkäse AG kennen, welche auf der Suche nach potenziellen Büffelhaltern war. «Die Sache kam dann rasch ins Rollen. Die Tiere gefielen uns, die Infrastruktur auf dem Hof passte und so kauften wir im November 2011 ein Dutzend Rinder und ein paar Monate später den passenden Muni aus dem Val-de Travers im Neuenburger Jura», schildert der Landwirt.

Büffelfleisch ab Hof verkaufen
Bereits im kommenden Jahr gaben die Büffel zum ersten Mal Milch, welche Schneiders fortan zweimal die Woche der Firma Züger in Oberuzwil zur Herstellung von Büffelmozarella ablieferten. Auch wenn der Milchpreis beim Euroschock um 20 Prozent zusammenfiel, bezahlt Züger heute immer noch zwischen 2.20 und 2.70 Franken für einen Liter. Bis heute hat sich die Herde auf stattliche 23 Büffelkühe erweitert. Das Ziel, ungefähr gleich viele Kühe wie Büffel zu haben, sei nun fast erreicht. Nur auf Büffel zu setzen wäre für sie aber der falsche Weg. Zum einen sei der Absatz in die dorfeigene Käserei, wo die Milch zu Appenzellerkäse verarbeitet wird, noch besser als anderswo. Zum anderen könnte sich Schneider auch emotional nicht vom Braunvieh trennen. «So sind wir gut aufgestellt und haben drei gesunde Standbeine mit der Kuhmilch, der Büffelmilch und den Poulets. » Zusätzlich haben sie vor zwei Jahren angefangen, alle acht Wochen zwei fünf- bis siebenmonatige Büffelkälber metzgen zu lassen und das Fleisch in Dreikilopaketen ab Hof zu verkaufen. «Das Geschäft läuft ganz gut», sagt Gisela Schneider, die sich um das Verpacken und den Verkauf kümmert.

Büffel müssen sich suhlen können
Und wie gestaltet sich die Arbeit mit Wasserbüffeln und Milchkühen auf demselben Betrieb? Der Meisterlandwirt erklärt, dass beide Herden wohl unter demselben Dach, hingegen aber als zwei autonom geführte Herden gehalten werden. Ob Kühe oder Büffel, beide Herden können sich drinnen oder draussen frei bewegen. Das Klima bereite den Büffeln keine Mühe, sie lieben den frischen Schnee und das kühle Nass einer Suhle, erklärt er und zeigt auf eine erdige Badelandschaft, die sich die Büffel selber erarbeitet haben. «Wenn diese trocken liegt, lasse ich einfach wieder Wasser einlaufen, damit sie ihrem Vergnügen frönen können.» Die Wasserbüffel seien empfindsam, sensibel, aber auch anhänglich. Angst und Unsicherheit bei den Menschen spüren die sensiblen Tiere sofort, und so habe es auch schon schwierigere Situationen gegeben. Bezüglich der Fütterung seien sie anspruchslos, sie fressen Gras und Heu und weiden am liebsten draussen. Euterkrankheiten und Probleme mit den Klauen kenne man kaum. Kraftfutter müsse viel weniger eingesetzt werden als bei den Milchkühen, und so habe sich ihr Futterkonzept mit den beiden Herden ideal eingespielt. Bei Schneiders hat sich mittlerweile eine richtige Leidenschaft entwickelt.

Familieleben nicht vernachlässigen
Auf dem Hof geht es oft turbulent zu und her. Vier Kinder zwischen acht und sechzehn Jahren, zwei Lehrlinge und der Betriebsleiter mit seiner Frau, die alle Hände voll zu tun haben. Auch schon habe man ein Au Pair aus dem Welschland gehabt, doch das waren dann eindeutig zu viele Teenies, erzählt Christoph, und Gisela nickt. Es brauche eine gute Organisation und Arbeitseinteilung, dann laufe der Betrieb ganz ordentlich. So komme es öfters vor, dass sich der Chef aufs Rennrad oder Mountainbike schwinge und für ein paar Stunden verschwinde. Für die Feuerwehr, den Vorstand des Braunviehverbandes und das Amt als Lektor in der Kirche müsse hingegen die freie Zeit noch reichen, sagt Christoph. Gisela ist schon glücklich, wenn sie die Arbeit, die sie sich vorgenommen hat, ungestört ausführen kann. «Immer kommt etwas dazwischen und sollte noch schnell erledigt werden», erzählt sie. Trotzdem arbeite sie mit Freude in der Kirchenvorsteherschaft und auch bei den Landfrauen sei sie dabei. In einem ruhigen Moment nehme sie gerne ein Buch zur Hand. Dank der beiden Lehrlinge gebe es nun auch hin und wieder ein freies Wochenende für die Familie. Trotz hohem Mass an Verantwortung für die Tiere, dürfen die Wünsche und Bedürfnisse der Familie nicht ausser Acht gelassen werden, sagen die Eheleute, und schauen sich ernst an.


Ruth Bossert







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