Ausgabe Nummer 20 (2005)
Liegebereich: gute Pflege für einwandfreie Milch
| Möglichst ungünstige Wachstumsbedingungen schaffen | |||
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| Ob im Anbinde- oder Laufstall, der Liegebereich ist für die Produktion eines einwandfreien Lebensmittels sprich Milch ein wichtiges Glied in der ganzen Produktionskette. Obwohl meist Kuhkomfort und Arbeitsaufwand im Zentrum stehen, sollte bei der Diskussion rund um den Liegeplatz dabei das Thema Milchqualität nicht vergessen gehen. Zur Pflege des Liegebereichs gehören nicht nur das Einstreuen und Kot-Entfernen. |
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| Fast alle bekannten Mastitiserreger gelangen von ausserhalb in die Milchdrüse, nachdem sie den Stichkanal passiert haben. Die Mehrzahl der subklinischen Mastitiden (mehr als 80 Prozent) lösen die sogenannten klassischen Mastitiserreger Staphylokokken und Streptokokken (St. aureus, Sc. dysgalactiae, Sc. agalactiae) aus. Sie werden meist während des Melkvorganges übertragen. Die etwas weniger häufig auftretenden Krankheitserreger, die zu den Umweltkeimen gezählt werden (z.B. E. coli, Sc. uberis, A. pyogenes), sind durch melkhygienische Massnahmen kaum oder nur unzureichend beeinflussbar. Liegebereich als wichtiges Erregerreservoir Das Reservoir dieser so genannten Umwelterreger muss im Bereich des Umfeldes und am Tier selbst (z.B. Standplatz, Hautoberfläche) gesucht werden. Für die Keimanreicherung und das Haften von Infektionen haben vor allem die Beschaffenheit der Oberfläche des Liegebereichs, die Art und der Zustand der Einstreue sowie die Sauberkeit der Laufflächen im Laufstall, speziell der Bereich hinter den Liegeboxen, eine besondere Bedeutung. Um das Infektionsrisiko und den Keimdruck zu reduzieren, müssen die Wachstumsbedingungen für die Mikroorganismen (Luft, Feuchtigkeit und Nährstoffe) möglichst ungünstig sein. Für den Tierhalter bedeutet dies, dass er Liege- und Laufflächen sowie Einstreumaterial immer sauber und möglichst trocken halten muss. Auch Kot-, Schmutz- oder Milchreste sollten in diesem Bereich nur eine kurze Verweildauer haben. Einstreue Als Einstreue haben sich Langstroh, Strohhäcksel oder Sägemehl durchgesetzt. In all diesen Materialien lassen sich Mastitiserreger wie E. coli oder Streptokokken nachweisen. Da z.B. Strohhäcksel und Sägemehl unterschiedliche Wachstumsbedingungen aufweisen (Feuchtigkeit, Erdbesatz, Nährstoffangebot), können sich MO ungleich entwickeln. Enthält die Einstreue schon viele Erreger, finden sich später mehr potenzielle Mastitiserreger auf der Zitzenoberfläche. Entscheidend für das Kontaminationsrisiko ist jedoch nicht nur die Wahl des Materials selber. Ausschlaggebend ist auch die hygienische Ausgangsbelastung des Einstreumaterials sowie die Häufigkeit, mit der die Einstreue gewechselt wird. Die Art und Qualität des Ausgangsmaterials, die Bergung (nass; mit Erde verschmutzt) und die Lagerung (Luftzufuhr; Wärme) desselben können später zu einer unterschiedlichen Besiedelung des Liegebereiches und zu einer Keimübertragung auf das Tier führen. Herrscht in einem Stall ein gutes Hygienemanagement, wird Einstreue sauber eingebracht, gelagert und regelmässig gewechselt, so finden sich schon im Liegebereich weniger potenzielle Mastitiserreger und dementsprechend auch weniger auf der Zitzenoberfläche. Durch einen konsequent sauberen Umgang mit der Einstreue von der Bergung bis zum Einsatz kann die Ereigniskette «Kontamination, Eindringen der Erreger in das Euter und Erkrankung» unterbrochen und das Infektionsrisiko für die Herde gesenkt werden. Regelmässiger Einstreuewechsel lohnt sich In einem Versuch wurde die Einstreue zuerst wöchentlich, nach 8 Tagen täglich und nach 12 Tagen wieder wöchentlich gewechselt (siehe Grafik). An jedem zweiten Tag wurde der Gehalt der Einstreue an coliformen Keimen bestimmt. Ein wöchentlicher Wechsel lässt den Keimgehalt stark ansteigen. Nach der Umstellung von einem wöchentlichen auf den täglichen Wechsel reduziert sich der Keimgehalt der Einstreue innerhalb weniger Tage. Die Rückkehr zum wöchentlichen Wechsel der Einstreue führte nach einem gewissen Zeitraum wieder zur Ausgangssituation. Strohmatratze oder Gummimatte? Wie in der Silage oder im Pansen besteht auch in einer Strohmatratze oder auf einer Gummimatte ein spezielles Mikroklima, dass die Zusammensetzung und das Gleichgewicht zwischen den Mikroorganismen bestimmt. Durch eine Störung, z. B. Kraftfutterfütterung (Pansen), Milchauslaufen in Strohmatratze, wird das Gleichgewicht kurzfristig zu gunsten anderer Mikroorganismen verschoben, bis es nach einiger Zeit normalerweise wieder das ursprüngliche Gleichgewicht erreicht. Da bei einer Gummimatte wenig Substrat für ein dauerhaftes Gleichgewicht besteht, führen Kot, Harn und vor allem Milch direkt zu grossen Veränderungen in der Bakterienzusammensetzung. Gegebenenfalls werden dadurch auch die «Falschen» d. h. potenzielle Mastitiserreger gefördert. Hier ist ein gutes Hygienemanagement mit regelmässiger und gründlicher Reinigung der Liegeflächen besonders wichtig. «Grossreinemachen» als Selbstverständlichkeit Deshalb sollte im Anbindestall eine monatliche Reinigung des hinteren Liegeplatzbereichs mit Wasser und Besen oder besser mit Hochdruckreiniger zum Alltag gehören. Je nach Ausführung ist auch eine gründliche Reinigung unter den Gummimatten notwendig! Obwohl dies in der Praxis (noch) zur Seltenheit gehört, würde diese Massnahme wesentlich zur Dezimierung der Keimbelastung führen. Auch im Laufstall mit Hochboxen sollte eine regelmässig gründliche Grundreinigung der Boxen mit Wasser (evtl. Hochdruckreiniger) zum Produktionsablauf gehören. Bei Problemfällen ist der gezielte Einsatz von Desinfektionsmitteln zu empfehlen. Eine jährliche Generalreinigung des Stalles, inkl. Ausrüstung und Einrichtungsgegenstände, sollte aus Sicht der Tiergesundheit und der Lebensmittelhygiene (Milch ist ein Lebensmittel!) zur Selbstverständlichkeit gehören. LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Jenifer van der Maas |
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