Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Liquidität - den Betrieb sichern durch 2015 steuern

Ausgabe Nummer 51 (2014)

Betrieb wirtschaftlich führen

Es geht gegen Ende des Jahres zu – oft wird diese Zeit verwendet, um sich Pläne für 2015 zurechtzulegen. Nebst Zielen wie Ferien oder Lebensqualität gehören in der heutigen Entwicklung auch finanzielle Ziele dazu. Wir brauchen Luft zum Atmen, der Betrieb Liquidität, sprich Geld. Ein Betrieb muss heute finanziell gesund funktionieren, damit andere Ziele erfüllt werden können. Ein mögliches Ziel: Ihr Betrieb steht 2015 finanziell auf guten Beinen. Nachfolgend finden Sie eine mögliche Vorgehensweise.

Genügend Liquidität zentral
Was für uns Menschen der Atem ist, sind für den Landwirtschaftsbetrieb die liquide Mittel, sprich Geld. Ohne Geld, sprich Atem, geht der Betrieb wie der Mensch zu Grunde. Zum einen muss der Betrieb gesund sein und genügend Liquidität generieren, um selber zu funktionieren. Zum anderen gibt die Gesellschaft eine Marschrichtung vor, die in der Landwirtschaft im Marktgeschehen, Direktzahlungen, Kostenumfeld oder Wünsche der Konsumenten zum Ausdruck kommt. Dies stellt weitere Anforderungen an die Finanzen des Betriebes. Können die nachfolgenden drei Fragen mit Ja beantwortet werden, sind dies wichtige Anzeichen, dass die flüssigen Geldmittel (zu) knapp sind:
– Habe ich Mühe, die Rechnungen zu bezahlen?
– Muss ich für das Bezahlen der Rechnungen auf die Direktzahlungen
   warten?
– Wird jedes Jahr das Agrarkonto immer wieder überzogen?
Sollte mindestens einer der Antworten ein Ja sein, ist die gezielte Planung der Finanzen für 2015 ein Muss. Heute kann es sich niemand leisten, sich nicht mit seinen Finanzen auseinander zu setzen.

Realistische Einschätzung zukünftiger Entwicklung
Für die finanzielle Planung für 2015 braucht es einerseits eine Standortbestimmung aus den Vorjahren, sowie eine Abschätzung, was im Jahr 2015 auf einem zukommen kann. Dieser Teil besteht aus zwei Teilen:
1) objektive Fakten
2) realistische Einschätzung einer möglichen Entwicklung.

1) Aktuelle Fakten sind: Auf vielen Betrieben fielen die Direktzahlungen 2014 durch die AP 2014 bis 2017 tiefer aus als im Jahr 2013. Der Faktor für die Berechnung der Übergangsbeiträge wurde in der Endrechnung tiefer angesetzt, als Anfang 2014 aufgeführt wurde. Die Milchpreise in der Schweiz wie in der EU sind aktuell am Sinken. Die ersten Kontraktpreise in Neuseeland für 2015 liegen tiefer als 2014. Die EU hebt 2015 die Milchkontingentierung auf. Ausser Griechenland übermelken zur Zeit alle EULänder mehr oder weniger ihre Quote. Die aktuellen Berechnungen weisen auf eine Überlieferung für 2013/2014 von gut dem Zehnfachen der fünf vorgehenden Jahre, mit entsprechend hoher Superabgabe. Die Milchproduktion in den USA wächst mit 2 bis über 11 Prozent stärker als in den Vorjahren. In der Schweinehaltung sind die Produzenten mit tiefen Preisen konfrontiert.

2) Einschätzung der Zukunft: Hier geht es nicht um überzogenen Optimismus oder Schwarzmalerei, sondern aufgrund der Faktenlage auf eine realistische Einschätzung der Bandbreite, in welchem zum Beispiel der Milchpreis sich 2015 bewegen könnte. Nebst der eigenen Einschätzung sind diese mit den Prognosen von anderen Fachleuten oder Organisationen zu verifizieren und zu ergänzen. Daraus sind die Folgen für den eigenen Betrieb abzuleiten. Beispiel: Die Direktzahlungen und der Milchpreis sind in Bewegung. Die SMP gibt hierzu ihre Einschätzung, weitere sind im Internet zu finden (siehe Grafik). Kommt der Betriebsleiter schon heute zum Schluss, dass mit weiteren Preissenkungen zu rechnen ist (Grössenordnung, Dauer?), muss er dies heute und nicht erst morgen in der Betriebsführung miteinbeziehen. Sonst sind Probleme wie Liquiditätsengpässe vorprogrammiert.

Jetzt Investitionsstopp?
Ergibt eine erste Einschätzung und Überschlagrechnung, dass der Betrieb von Veränderungen im Umfeld in grösserem Ausmass betroffen sein könnte, sprich zu wenig Einkommen, Liquiditätsengpass: Zwischenhalt einlegen, genaue Standortbestimmung durchführen und Handlungsbedarf ableiten. Dies kann konkret bedeuten, Investitionen zurückzustellen. Ist zum Beispiel die Anschaffung eines Ladewagens geplant, fallen nicht der Kaufpreis von 50 000 Franken an, sondern auch jährliche Kosten von Reparatur und Unterhalt von über 6000 Franken!

Jährlicher Check-up auch für den Betrieb
Viele Menschen gehen regelmässig zum Arzt für einen Check-up oder um mehr oder weniger gravierende Krankheiten behandeln zu lassen. Mit dem Betrieb ist es genau gleich: Eine regelmässige Betriebsanalyse (Check-up) oder ein genaueres Hinsehen bei Kostenüberschreitungen gehören zum jährlichen Gesundheitscheck. Cholesterin, Blutdruck oder Blutzucker sind bekannte Begriffe in der Gesundheit; Erfolgsrechnung, Liquiditätsplanung oder Deckungsbeitrag sind die Begriffe des Landwirtschaftsbetriebes – für den Betriebsleiter von morgen keine Fremdwörter mehr.

Unser Beratungsangebot «Betriebsanalyse»
Es ist nicht allen gegeben, sich zuhause im Büro all diesen Überlegungen zu stellen. Wir bieten Ihnen deshalb an, diese gemeinsam mit Ihnen zusammen zu stellen, für ein erfolgreiches 2015. Die Beratung beinhaltet:
– Einschätzung des Umfeldes und
– Standortbestimmung
– Pläne und Ziele für 2015
– Betriebsanalyse
– Handlungsbedarf ableiten
– Weiteres Vorgehen
– Bei Bedarf Umsetzungsbegleitung.
Das Angebot gilt für alle Betriebe, nicht nur Milch. Sind Sie interessiert für einen Check-up Ihres Betriebes? Bitte melden Sie sich beim BBZ Arenenberg, Christian Eggenberger, Telefon 071 663 33 70 oder E-Mail: christian.eggenberger@tg.ch .


BBZ Arenenberg, Gruppe Betrieb, Familie, Tiere,
Jenifer van der Maas




« zurück zur Übersicht